Franz Anton von Weber an Gustav Friedrich Wilhelm Großmann in Lübeck
Hamburg, Dienstag, 20. Januar 1789

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An Herrn

Herrn Großmann Directeur

einer Teutschen Bühne gegenwärtig

in

Lübeck

Wolgebohrner Herr!
Hochzuehrender Herr Directeur!

Ich nehme mir die Freyheit, dieselben zu benachrichtigen, das Meine Tochter ein FrauenZimmer von 18 Jahren bereits im 3t Jahr bey hiesiger Bühne als Sängerin bey der oper sey,* und ohne als Vater davon zu sagen, so ist sie unstreitig die erste und beste Sängerin in Hamburg gegenwärtig, da sie aber Hℓ Schröder zu Gefallen, das Fach der Mütter zwarn übernommen, in Hoffnung davon erlößt zu werden, und solches nicht geschehen, so habe mich genöthiget gefunden, Ihr engagement bey Hℓ Schröder vorgestern aufzusagen, so, das sie künftige Ostern abgehet. sie ist eine Schülerin von Mozardt und Mad: Lange in Wien. nachdeme sie vorher bey mir das nöthige studirt hatte. solten dieselben dies Fach einer ersten Sängerin, villeicht gegen Ostern, was ich nicht wißen kan, offen haben, oder wenn es auch mit einer and[eren] Sängerin alternative wäre, so erbitte mir Dero geneigte Meynung aus; jedoch wäre noch eine kleine Bitte, welche darin besteht, das dieselbige im Fall sie meine Tochter in diesem Fache bey der oper brauchen könten, meinen Sohn zu Dero orchester engagirten, ich weis zwarn wohl, das Hℓ Neuhaus,* bey der ersten Violin, so konte dieser Junge Mensch, sehr gut zur 2t Violin gebraucht werden, Er ist | schon als Cammer Virtuos in Diensten des Fürsten Esterhaz in ungarn gewesen, hat aber wegen des dortigen Climas diesem schönen Plaz entsagen müßen, Er kennt das Theater recht gut, versteht das einstudiren trefflich, indeme er vorher schon als Directeur bey einigen Bühnen gewesen. ich verlangete nur eine mäsige Gage für Ihn, und suche von darum an, weilen ich meine Tochter nicht Gerne anderst als mit Begleitung Ihres Bruders verschiken wolte. Nur bitte um eine baldige geneigte Antwort. auch habe die oper Die Höhle des Trofonio* vorräthig liegen, die für 4 Louisdor zu Dero Befehle steht.

in Erwartung bin mit wahrer Hochachtung D[e]rog[an]zergebenster D[iene]r
FA v: Weber
KapellMeister
in der Ulrichstrase bey Hℓ Wallbaum

Apparat

Zusammenfassung

empfiehlt seine Tochter, die Schröder zu Gefallen das Fach der Mütter übernommen hatte, aber ihren Kontrakt jetzt gekündigt habe; sie sei Schülerin von Mozart und Mad. Lange in Wien; bittet, auch seinen Sohn ins Orchester aufzunehmen, der schon beim Fürsten Esterhazy in Dienst gewesen sei; bietet ihm außerdem eine Opernpartitur an

Incipit

Ich nehme mir die Freyheit, dieselben zu benachrichtigen

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Frank Ziegler

Überlieferung

  1. Leipzig (D), Universitätsbibliothek, „Bibliotheca Albertina“ (D-LEu), Sammlung Kestner
    Signatur: I/C/II/453, Nr. 2

    Quellenbeschreibung

    • 1 DBl. (3 b.S. einschl. Adr.)
    • am oberen Rand Bl.1r links von fremder Hand: Weber Capellmeister; rechts: Hamburg 1789.

Textkonstitution

  • sey,„ist“ durchgestrichen und ersetzt mit „sey,“.
  • „einer ersten Sängerin“über der Zeile hinzugefügt.

Einzelstellenerläuterung

  • „… bey der oper sey, “Jeanette von Weber hatte Mitte Dezember 1786 das Engagement am Hamburger Theater abgeschlossen und dort am 9. Januar 1787 als Charlotte in Salieris Narrenhaus (La scuola de’ gelosi) debütiert.
  • „… zwarn wohl, das Hℓ Neuhaus ,“Gemeint ist der jüngere Bruder des Schauspielers Carl Ludwig Christian Neuhaus.
  • „… oper Die Höhle des Trofonio“Salieris La grotta di Trofonio.

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