Gottfried Weber an Giacomo Meyerbeer in Würzburg
Montag, 23. März 1812

Deine beiden v. Miltenberg pp und von Wirzburg, leztern v. 18t Merz* hab ich erhalten[.] Viel antworten darauf kan ich jezt nicht, drum kurz:

Hiebei Gott u Natur, Partitur u Stimmen,

zugleich eine Meß Partitur von mir, dieselbe di in München am FaschingsSonntage gegeben wurde: ich halte sie wenigstens für di gefälligste, übrigens freilich sind mir alle meine Meßen nicht mehr gut genug. Daß gerade diese Dir am wenigsten gefällt ist recht gut, denn nun kannst du allen Leuten versichern di andern seien beßer. Die Partitur must du mir aber zurükschiken ich denke eine großgherzogliche Kapelle wird so arm nicht sein wie unser Lumpen Museum und wird di Part[itur] copiren laßen und ausschreiben: es ist mir hauptsächlich darum zu thun daß es nicht aussehe als gebe ich noch was drum daß sie’s geben. Die Münchner habens recht schon habens recht schön abschreiben laßen und ich hoffe du bekömmsts droben zu hören. – Weberl schreibt mir er habe dir di Data zur Rec-[ension] der Singquart geschikt. – Die Rec.[ension] meiner Sonate in Nr. 11 d. A. M. Z. hat mich ganz Nahmenloß gefreut, es ist so unendlich entfernt vom Lobpreisenton u doch so schmeichelhaft als irgend ziemt für einen der zum erstenmale die Ehre erfährt recensirt zu werden: es hat mir einen Tag der gerade voll Geschäfts – Verdruß war, plözlich zu einem der heitersten gemacht, kurz ich hab eine kindische Freude darüber

a propos dem Frölich habe ich gelegentlich auch ein und andres über meine 4 St. Gesänge soufflirt auf den Fall daß er freiwillig u unaufgefordert ausführen wollte was thun zu dürfen er schon vor langer Zeit ein für alle mal di Erlaubnis von mir erbeten hatte, nämlich alle meine künftig erscheinenden Comp.[ositionen] dem musicalischen Publicum anzuzeigen: es ist ziemlich ausführlich gerathen Du wirst wie es einem halt geht, wenn man einmal in Gang kommt über sich selbst zu sprechen: es ist aber so viel ich weis ganz verschieden von dem was ich an Weberl darüber schrieb. Weist du nicht ob Frölich was desfalls im Sinn hat.

Du bist ein Esel mit deinem Exemplar wofür du "das["] "Porto tragen" willst; du ennuiirst mich schon lang mit deinem Briefe frankiren. Hier hast du ein Ex[em]pl.[ar] lek mich im Arsch.

Den Brief p. Einschluß an meine Frau habe ich sehr gewißenhaft nicht erbrochen, aus Gründen welche Du wohl errathen hast als der Brief an mich auf die Post gegeben war? –

Dusch ist vorgestern zurükgekommen – Das thu’ Kerl, komm doch ja hieher wenns möglich zu machen ist eh du von Wzb nach München abreisest. Wer weis ja was von da an wird! –

Nun – Tausend Tausend Dank für deine ausführliche Lection über die Fuge, Du hast mir viel viel goldnes gesagt. Ich gebe dir mein Ehrenwort daß ichs bereits wenigstens 6 mal gelesen habe und noch mich wenigstens zehen Mal lesen werde, sobald ichs zurük habe von Frl Hertling welche es dermalen ließt – (ich habe ihr natürlich nur die Blätter gegeben worauf nichts von VereinsAngelegenheiten steht –) – Du willst eine Kritik über deine Kritik: hier ist sie: Ich bitte dich um Tausend Gotteswillen, wikle doch nicht so sorgfältig jeden Tadel in ein Compliment ein u sag mir nicht so viel Schönes als Verzukerung sondern lobe nur da wo etwas zu loben ist, lobe um das gute zu loben, lobe nicht nur um einen Tadel zu vergüten. –

Nun noch einen Tadel gegen deine Recension oder gegen meinen Verstand: ich verstehe deine Theorie nicht ganz, u hauptsächlich darum, so wi auch deshalb weil ich mich ohne Vorbild nicht getraue deinen höheren Forderungen zu entsprechen – darum, sag ich, halte ich doch beim Wort u bitte Dich den großen Freundschaftsdinst zu auszuführen zu dem Du dich erbietest, nämlich di Umarbeitung selbst zu machen. Dann, wenn ich diese habe, schreibe ich eine zum ditto ganz neue Fuge und führe sie nach deinem Vorbild aus. Hiebei also nochmals mein Brouillon (welches ich en attendent in Gottes Nahmen habe ins Reine schreiben laßen) mach dich bald dran; – zu noch beßerer Uebersicht sende ich dir auch Deinen Brief zurük, wenn du mit der Umarbeitung fertig bist wirst du am leichtesten ein sehen was noch an belehrender Erläuterung zuzusezen nöthig ist, u brauchts nichts doppelt zu schreiben. Daß es unendlich an Contrasten zwischen tema u den Contrathemen fehlt wuste ich voraus u fühle den Mißstand sehr, so wie die Wahrheit von allem, fast ganz ohne Ausnahme, was du drüber sagst. es versteht sich daß du mir deinen Brief zurükschikst.

Deinen Ditto Brief an Kaufmann gebe ich nicht ab. Wer wird so hintennach kommen vielleicht kannst Du sonst wo was einfließen laßen. – Wo kommen denn die geistlichen Lieder heraus? – Die Mädeln welche mit Schmerze auf Fröhlichs Singschule warten bedanken sich für dein Compliment, – wenn ich sage meine Mädeln so verstehe ich meine Schwägerinnen. Du Flegel! – Uebrigens hat ja Frölich wohl Exemplare

Hiebei di Brille. Die EmpfehlungsSchreiben folgen, entw.[eder] poste restante nach München oder noch bald nach Wirzburg, von Nettel an Kattel, von Hertling und von Dusch.

Mit inniger Sehnsucht erwarte ich di baldige Mittheilung Deiner Anleitung. zum Schnitt des ersten Chors Deines Orat.[oriums] Mir sind bei dermalen wiederholter Durchsicht noch mehrere Bemerkungen aufgefallen welche ich dir gerne mittheilen mögte, du must mir aber meinen ersten ausführlichen Brief darüber erst wiederschiken, damit ich nichts zweimal daßelbe zu schreiben brauche – es hat sich mir wieder gar maches pro und Contra aufgedrungen. Leb wohl. [ohne Unterschrift]

[Randbemerkungen Bll. 1r:] Hiebei zugleich ein weiter zu spedirendes Circul.[ar]
Item folgt hiebei ein Ex[em]pl.[ar] Bad[isches] Magaz.[in] worin dein Aufsaz über meine Meße.

[Randbemerkung 1v:] könnte ich die MeßPartitur bald wieder haben wär mir’s sehr lieb, denn ich mögte si jezt bald hier geben

Apparat

Zusammenfassung

übersendet Gott u. Natur u. eine seiner Messen zum kopieren; Weber habe ihm offensichtlich die Angaben zur Rez. seiner Singquartette gesandt; er hat sich über die Rez. seiner Sonate in der AMZ sehr gefreut; Fröhlich hat er etliche Angaben zu sich geschickt u. hofft daß dieser tätig wird; dankt für Kritik an seiner Fuge u. bittet MB diese zu Ende zu führen, damit er nach diesem Vorbild eine neue schreiben könne; erwähnt Kaufmann u. Fröhlichs Singschule, verschiedene Vereins- u. Privatangelegenheiten

Incipit

Deine beiden v. Miltenberg pp und von Werzburg

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  1. Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: N. Mus. Nachl. 97, A/131

    Quellenbeschreibung

    • 1 Bl. (2 b.S. o. Adr.)

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • Becker (Meyerbeer), Bd. 1, S. 154–157

Textkonstitution

  • „habens recht schon“durchgestrichen.
  • „Du wirst“durchgestrichen.
  • „mich“durchgestrichen.
  • „lobe“über der Zeile hinzugefügt.
  • „zu“durchgestrichen.
  • „ich“durchgestrichen.
  • „zum“durchgestrichen.
  • „ein“durchgestrichen.

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