Chronik der Königl. Schaubühne zu Dresden vom 18. April 1821: Rastrelli: Le donne coriose und Gedicht auf Weber nach dessen Benefizkonzert am 9. April 1821

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Le donne curiose.

(Beschluß.)

Die Ausführung von Seiten des darstellenden Personals war von allen Seiten lobenswerth zu nennen, und vorzüglich die Damen Sandrini, Funk und Mieksch, so wie die Männer Benincasa, Cantù und Tibaldi erwarben sich auch dadurch den allgemeinsten Beifall.

Mit dieser Vorstellung ward das Theater für jetzt, wegen der eintretenden Osterzeit, geschlossen, und wird erst zum 25. April wieder eröffnet.

Ob es nun schon ein von uns festgestellter Grundsatz ist, außer der Chronik der hiesigen Bühne, über andere Productionen im Reiche der darstellenden Künste oder der Musik zu schweigen, so halten wir es doch für eine eben so schöne als heilige Pflicht, mit einigen Worten des Concerts zu gedenken, welches am 9. April im Saale des Hôtel de Pologne zum Besten der hiesigen Blinden-Anstalt gegeben wurde, da dieser so höchst lobenswerthe Zweck es in eine höhere Cathegorie als andere Productionen gleicher Art stellt. Und wie herrlich wurden diejenigen belohnt, welche ihr Scherflein dazu beigetragen hatten, um den armen Blinden eine Unterstützung zukommen zu lassen, welche die obengedachte, nur als ein Privat-Unternehmen bestehende, Anstalt so sehr verdient, und wie viel Dank müssen alle Anwesenden den Leitern dieser musikalischen Unterhaltung, besonders also dem königl. Kapellmeister Karl Maria von Weber und allen denen schuldig seyn, die durch Gesang und Spiel dabei mitwirkten. Aber unser trefflicher Weber leitete nicht nur das Ganze mit kunsterfahrner Hand und geprüftem Geschmack, sondern er gab uns auch selbst aus dem reichen Schatze seiner Kenntnisse, wie feines Talents, die schönsten Edelsteine zur Verherrlichung des Ganzen. Mit demselben Enthusiasmus, den sie schon früher bei der ersten Mittheilung gefunden hatte, warb auch diesesmal seine so geistvoll und gediegen gearbeitet Ouverture aus der von ihm componirten und nächstens auf dem neuen Theater in Berlin erwartet werdenden Oper v. Kind: „Der Freischütz“, aufgenommen, und gesteigert war er noch bei dem von ihm auf dem Pianoforte gespielten Concerte seiner eigenen Tondichtung. Man wußte auch in der That nicht, sollte man die Trefflichkeit der Composition oder der Ausführung auf dem Instrumente, die Genialität, die dort vorwaltete, oder die Fertigkeit, die sich hier kund gab, die Wahrheit, die jenes bezeichnete, oder das Gefühl, das in diesem sich entfaltete, höher stellen und lebendiger bewundern. Wohl durfte man beides vollendet nennen.

Nächstdem spielte der Hr. Kammermus. Dotzauer ein von ihm selbst componirtes Concertino für Violoncello mit sehr fertiger und geschickter Behandlung dieses schwierigen Instruments, und Dlle. Funk sang eine Arie aus dem Sommer der Jahreszeiten, von Haydn, mit der vollsten Stimme und schöner Kunstfertigkeit. Im zweiten Theile wurde der Frühling aus demselben Cyklus von Haydn, durch Dlle. Funk, die Herren Bergmann und Toussaint und das Theatersängerchor mit der diesem Meisterwerke gebührenden Sorgfalt und Vorzüglichkeit vorgetragen, und den Schluß machte ein Danklied von den Zöglingen der Blindenanstalt selbst gesungen, die man wohl zweckmäßiger durch einen Repräsentanten in einem gefühlten Epilog hätte können vertreten lassen, da ein so schmerzlicher Hinblick, wie der auf diese Unglücklichen seyn mußte, wohl zu sehr im Contrast mit der Stimmung stand, welche durch das Ganze hatte bewirkt werden sollen.

Wer möchte nicht noch das Anerkenntniß gern hinzufügen, daß die königl. musikalische Kapelle mit der von ihr schon so bekannten Präcision, Zartheit und Kraft spielte, und daß eine höchst zahlreiche und glänzende Versammlung den Beweis gab, wie gern Dresdens Einwohner zu so edlen Zwecken beitragen und ihren gefeierten Künstlern den Zoll der Aufmerksamkeit und des Beifalls spenden.

Th. Hell.

Mit besonderem Vergnügen fügen wir diesem Aufsatze noch zum Schlusse ein Gedicht bei, das ein geistreicher Verehrer des Schönen uns am andern Tage zusandte:

Nach der Anhörung des Adagio von Weber’s Clavierconcert.

Den 9ten April 1821.

Den müden Geist erfassen Todesschauer;Ermattet von des Schicksals tiefen WundenKann auf dem Sterbebett’ er nur gesunden:Es hüllt das Auge sich in Nacht und Trauer.Da flüstern Engelsstimmen ihm; je rauherDie Lebensbahn, du Armer, hast gefunden,Je mehr der Thränen zählen deine Stunden,Je herrlicher ist ew’ger Freuden Dauer.Jetzt mußt du harten Kampf noch hier bestehen;Noch rinnen von der Stirn’ die blut’gen Tropfen,Wenn sträubend gegen Tod die Pulse klopfen;Doch fühlst du nicht der Palmen kühlend Wehen?Willst droben du den reinen Aether trinken,Muß hier die staubbedeckte Hülle sinken.
— c.

Apparat

Zusammenfassung

Chronik der Königl. Schaubühne zu Dresden, Erwähnung eines Benefizkonzertes

Entstehung

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Jakob, Charlene

Überlieferung

  • Textzeuge: Abend-Zeitung, Jg. 5, Nr. 93 (18. April 1821)

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