Carl Maria von Weber an Caroline Brandt in Prag
Dresden, Freitag, 10. Oktober 1817 (Nr. 99)

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Herzliebe Warterin!

Das hat dir Gott gerathen, daß du nicht auch gramlich und trübe wirst, und mir diese heillose Prüfungs und Marter Zeit nicht noch durch Ärger und Kummer vergrößerst – drum halte dich nur wakker und brav, zu ändern ist da nichts es heißt schon vollends auswarten, und das mit so gutem Muthe als möglich sonst haben wir gleich wieder bittres Beigemisch beim Wiedersehen, und wenn ich komme ziehst du eine finstre Schnut, und magst mich nicht. – Nein, das ist nicht wahr, du wirst nicht nur gekrabbelt kommen, sondern hoffentlich geflogen, so wie ich es auch den Postillions und Pferden geschworen habe, daß ich sie wo möglich zu Tode jagen will.      Ach Mukkin, liebe Mukkin bald werde ich rein toll vor Ungeduld.       Gestern bin ich den ganzen Tag in einer heillosen Stimmung herumgetrödelt, Vorgestern Abend hatte ich Gott sei Dank die Kantate vollendet, und nun das angestrengte Arbeiten, und das ewige Schnappen nach Nachrichten, einen Augenblik hoffen, und in dem nächsten wieder längere Verzögerung fürchtend, das alles hatte mich sehr abgespannt.       Heute bin ich aber schon wieder auf dem Zeuge und will jezt vor der Reise noch alle Korrespondenz, die die lezte Zeit zu einem Ungeheuer herangewachsen ist, und ander Arbeiten vollenden. Mit meiner Einrichtung gehts auch so langsam das man toll werden möchteT. auch fehlt noch so viel. namentlich die Einrichtung zu 2 Zimmern, und doch werde ich das jezt nicht erschwingen können, denn du wirst einen schönen Schrek kriegen, wenn du die Summe hörst die ich gebraucht habe. Nun in Gottes Nahmen, ein lieb Weiberl muß auch ein lieb Nest haben, und wir müßen immer am liebsten zu Hause sein, und es am schönsten finden. gelte? Gestern bekam ich deinen lieben Brief No: 99 vom 6t und 7t Aber was ist denn das mit der Post wieder einmal, da hattest du ja gar noch nicht meinen 97 erhalten. und ich hatte mich so drauf gefreut deine Freude zu hören. Unterdeßen ist mir einmal wieder Hoffnung zu schleuniger Vollendung gemacht worden, und ich wollte schon zum Schreibtisch rennen und dem Bräutlein die gute Zeitung verkünden, da fiel mir ein, daß es doch noch nicht ganz offiziell wäre, und die dann vernichtete Freude viel schlimmer wäre, ich ließ also die Ohren sinken, und richtig bekam ich den andern Tag die Ohrfeige. Der ganz entscheidende Kourier ist nun Gestern auch noch angekommen. Morgen wirbt der Gesandte um die Prinzeßin, und Sonntag ist schon GratulationsKour*.       Nun sollte man glauben die Geschichte wär ab gemacht? ja, gehorsamer Diener. da komt den 19t die Eröffnung des Landtages dazwischen, und kurz und gut ich sehe vor Ende des Monats gar keine Hoffnung, und wir wollen uns lieber in Gedanken den Termin recht weit und sicher hinaus sezzen, so ist hernach jeder Tag ein reines Geschenk.       Wenn du mir aber noch entgegen kommen willst, und ich dich nicht wieder überrumpeln darf, so muß ich dir doch den Tag meiner Ankunft bestimmt schreiben. Schreibe mir das doch. der späteste Termin wäre wohl wenn wir an unserem Namenstag d: 4t Nov: uns trauen ließen, was meinst du. komme ich aber früher alsdann geschiehts den 1t.      die Briefhunderte müßen nun auch wahrlich mit Intereßen gegeben werden, wenn auch nur 4 pro cent so ist das doch schon zuviel –       Nun zu Deinem lieben Brief. |

Der Odonell muß auch einen schönen Schrek gemacht haben, wie er das aber auch verduseln konnte, er wuste es ja von wem es gemalt war. Ey! was intereßiren sich denn Mlle. so für H: Wilhelmi? Nun, der Kamerad hat im häuslichen Zwist und den Vertrauten, und als Blümlein /: Gestern:/ gefallen, ohne eben Sensation zu machen*, und Geyer wird ihm allgemein vorgezogen, doch läßt man seinem Feuer und Organ Gerechtigkeit wiederfahren. –       O Du dummer Kerl, will sich genug Rokkerln kaufen fürs ganze Leben, – die werden bald hin sein, aus der Mode pp und für einen flanellnen Ueberrok pp wird schon immer was abfallen vom MuksBär seiner Arbeit, damit die Bärin nicht gar zu garstig herumgehe und brumme. No, der grüne komt also auch mit, ich habs ihm schon gesagt, und ihn parat gelegt. habe auch ein neues größeres Wagen Kästchen unter den Siz machen laßen für der Mukkin ihre besten Sachen. – du beurtheilst Geyer ganz richtig, ein Verstandes Mensch. so wie Er, klagt alles über mich, wo nähme ich die Zeit her, mich jedem Einzelnen so zu widmen; nun du wirst schon sehen wie ich geplagt bin, und wie Alles, alles von mir will.      Ärmster ärmster Mops wegen der Kälte. kann man denn den Rauch nicht weg schaffen? Schinken mag ich nicht. –

Habe allen Respekt vor Ew. Gnaden errungenen Kochkünsten, will aber doch für ein Mädchen sorgen das Kochen kann. aber eine eigentliche Köchin nehme ich nicht, die komt zu hochT. Monatlich 5 rh: und wäscht, und plättet pp nichts. aber so ein ander Mädchen thut alle Arbeit im Haus.      Der Mad. Spengler lege mich eben so wieder zu Füßen.       Die Grünb: Geschichte hat Baßi und mich sehr erschüttert. mein Gott, welch unabsehbares Elend vielleicht, blos durch schlechte Erziehung herbeigeführt, und Mangel an eigener Kraft und Willen. ich hoffe auch daß bei meiner Anwesenheit es nicht so toll geworden wäre. – – Die armen Menschen. –      apropos von Baßi soll ich dich jedesmal schönstens grüßen.           Höre! mit denen HutGeschichten bleib mir vom Leibe, ich statuire so etwas der hochgebietenden Mukkin nicht, und soll für fremde Leute Hüte schleppen? dank ihnen ganz gehorsamst, da wird nichts draus, wie sollte ich ihn denn auch hinein bringen? erkundigen will ich mich aber darnach, und wenn es geht ihn einem Kutscher mitgeben.       Die vornehmen Wirthe haben dem König sehr gefallen*.      Von Graf Clam habe ich einen sehr lieben freundlichen Brief erhalten, wo er uns schon verheirathet glaubt, sich meiner liebenswürdigen Gemahlin bestens empfiehlt und herzlich gratulirt. ist doch hübsch von ihm, und hat mich gefreut. – Um dir einen kleinen Begriff der Ausgaben zu geben, sage ich dir daß ich nur für Zimmer scheuern, bis jezt gegen 40 ƒ, W: W: ausgegeben habe, und noch einmal daßelbe thun muß. ja, ja –      

Nun muß ich schließen. Gott stärke dich meine liebe theure Braut, sey heiter und fröhlich und mache so daß ich einen fetten vergnügten Hamster finde, der des Lebens Ungemach und Schikkungen leicht erträgt, und sich nicht davon beugen läßt.       Grüße mir Drs: und die Mutter bestens. Gott segne dich + + + und behalte lieb deinen dich über alles liebenden treuen Carl.

Millionen Bußen.

Morgen ist auch wieder der Anfang meiner KirchendienstWoche.

Editorial

Summary

habe die Kantate am 8. Oktober vollendet; klagt über Ungewissheit in Bezug auf den Termin seiner Abreise aus Dresden; betr. Termin ihrer Trauung; über versch. Prager Bekannte

Incipit

Das hat dir Gott gerathen, daß du nicht auch gramlich

Responsibilities

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Tradition

  • Text Source: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Shelf mark: Mus. ep. C. M. v. Weber 129

    Physical Description

    • 1 Bl. (2 b. S. o. Adr.)

    Corresponding sources

    • Muks, S. 496–500

    Commentary

    • “… und Sonntag ist schon GratulationsKour”Laut Dresdner Hoftagebuch (Dresden, Sächsisches Hauptstaatsarchiv, Bestand 10006 Oberhofmarschallamt, O 04, Nr. 214) hatte Graf Baldelli am Vormittag des 11. August Audienz bei Hof und hielt für den Erbgroßherzog Leopold um die Hand der Prinzessin Maria Anna an; am Sonntag, dem 12. Oktober, war Hof-Gala „wegen des VermählungsDeclarationsTages der Prinzessin“.
    • “… ohne eben Sensation zu machen”Zu Wilhelmis Gastauftritten am 5. Oktober 1818 im Häuslichen Zwist und den Vertrauten (als Nachbar bzw. Herr von Staar) sowie am 8. Oktober 1817 vgl. die Berichte in der Abend-Zeitung vom 17. bzw. 22. Oktober 1817.
    • “… haben dem König sehr gefallen”Laut Dresdner Hoftagebuch (Dresden, Sächsisches Hauptstaatsarchiv, Bestand 10006 Oberhofmarschallamt, O 04, Nr. 214) besuchte der König die 2. Vorstellung am 6. Oktober 1817.

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