Webers Dresdner Quartiere bzw. Wohnungen

I. Hôtel de Saxe (März 1807)

Webers erster verbürgter Dresden-Besuch fand 1807 statt. Auf seiner Reise von Schlesien nach Württemberg hielt er sich vom 11. bis 19. März in der Stadt auf und wohnte in diesen Tagen, wie er in seinen Reisenotizen festhielt, im Hôtel de Saxe. Das Hotel „mit mehreren herrschaftlichen Zimmern“1 befand sich inmitten der Altstadt auf dem Neumarkt, Ecke Moritzstraße; es wurde 1888 abgerissen und durch einen (1945 zerstörten) Neubau ersetzt. Beim Bau des namensgleichen Hôtel de Saxe im Jahr 2005 entschied sich der Investor für eine Fassaden-Rekonstruktion des bis 1888 bestehenden Barockbaus.

II. Gasthof „Zum goldenen Engel“ (mehrfach zwischen 1811 und 1817 sowie 1822)

Von 1811 bis 1817 war der Gasthof „Zum goldenen Engel“ in der Wilsdruffer Gasse Webers bevorzugtes Domizil; hier logierte er auf der gemeinsamen Konzertreise mit Heinrich Baermann vom 24. bis 26. Dezember 1811 und vom 5. bis 19. Februar 1812, auf der Durchreise von Leipzig nach Prag vom 8. bis 10. Januar 1813, zweimal auf der Durchreise von Prag nach Berlin in der Nacht vom 6. auf den 7. Juni 1816 und vom 8. bis 11. Oktober 1816 sowie zu Beginn seiner Dresdner Amtszeit vom 13. bis 16. Januar, wie fast durchgehend seinem Tagebuch zu entnehmen ist (vgl. die Notizen vom 24. Dezember 1811, 26. Dezember 1811, 10. Januar 1813, 6. Juni 1816, 7. Juni 1816, 8. Oktober 1816, 11. Oktober 1816, 13. Januar 1817 und 16. Januar 1817). Lediglich für den Besuch 1812 fehlen solche Hinweise im Tagebuch, statt dessen bestätigen sowohl die Fremdenanzeigen als auch mehrere Anzeigen für das gemeinsame Konzert mit Baermann am 14. Februar in den Dresdner Anzeigen für Jedermann, dass beide Künstler im Engel abgestiegen waren, wo sie „in der 3ten Etage“ wohnten2. Schließlich übernachtete Weber noch mehrfach zwischen Juni und August 1822, vor seinem Umzug in die Wohnung in der Großen Frauengasse (s. u.), in diesem Haus. Das Hotel wurde im Neuen Gemählde von Dresden von 1817 empfohlen, da es mit „24 sehr gut eingerichteten herrschaftlichen Zimmern und Stallung für 24 Pf.[erde]“ aufwarten konnte und mittags über eine „gute Wirthstafel“ verfügte („Abends portionweise“)3. Der barocke Bau (später Wilsdruffer Straße 6, ab 1890/91 Nr. 7) bestand bis zum Abriss 1930, als er einem Kaufhaus weichen musste (heute dort ein Erweiterungsbau der Altmarkt-Galerie).

III. Quartier im Italienischen Dörfchen (Januar bis August 1817)

Das im Volksmund sogenannte Italienische Dörfchen war eine Ansammlung kleinerer Häuser, die im zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts beim Bau der Dresdner Hofkirche für italienische Künstler und Handwerker (quasi als „Bauhütte“) zwischen der Elbe (bzw. dem Morettischen Hoftheater), der Hofkirche und dem Zwinger errichtet worden waren (das Gelände entsprach in etwa dem heutigen Theaterplatz). Durch das Viertel zog sich die Schimmelallee, die das Zwingertor (heute befindet sich dort der Durchgang durch Sempers Galeriebau) mit dem Hoftheater verband4. Fast das gesamte Viertel musste später dem Neubau des ersten Semperschen Hoftheaters (ab 1838) weichen, nur das später errichtete gleichnamige Restaurant an der Elbe erinnert heute noch daran.

Mit Antritt seiner Tätigkeit in Dresden musste Weber sich ein privates Quartier suchen; ein erstes fand er, wie dem Tagebuch zu entnehmen ist, am 15. Januar 1817 „für Monatliche 10 rh:“ bei Margarita Ceccarelli, der Schwester des verstorbenen Hofsängers (Kastraten) Francesco Ceccarelli. Ihr Haus (Nr. 30) befand sich direkt hinter der an der Schimmelallee gelegenen königlichen Hofbauschreiberei, nahe dem Zwingertor5. Bereits am 16. Januar zog Weber ein. Besagte Miete von 10 Talern zahlte er bis einschließlich August 1817 jeweils zum Monatsende, ergänzt um 2 Taler für das Putzen; im Tagebuch sind die Ausgaben an jedem Monatsletzten aufgeführt (lediglich die März-Miete wurde aufgrund der Prag-Reise erst verspätet, am 3. April, übergeben). In einem Brief an die Verlobte Caroline Brandt schwärmte Weber, er habe „endlich ein ganz allerliebstes [Quartier], im italienischen Dörfchen, nahe beym Theater“ gefunden, „wie ein Dokkenkasten [d. h. eine Puppenstube] eingerichtet“. Eine ausführlichere Beschreibung folgte im Brief vom 26. Januar.

Ursprünglich hätte Weber bereits im Mai ausziehen sollen (und erwog entsprechende Übergangslösungen vor dem Umzug in die Wohnung am Altmarkt); vgl. seine Briefe an Caroline Brandt vom [11.–]14. März, 17. März, 3. April, 10. April und 13. April 1817. Die Vermieterin hatte Weber gekündigt, weil Johann Gottfried Wohlbrück, den Weber laut Tagebuch ab dem 13. März vorübergehend in seinem Quartier untergebracht hatte, dort rauchte. Erst am 14. April nahm sie die Kündigung zurück, wie Weber im Brief vom selben Tag glücklich seiner Braut vermeldete. Mit einer finanziellen Entschädigung, die Weber laut Tagebuch am 22. April zusätzlich zur Miete zahlte, waren die Unstimmigkeiten bereinigt.

IV. Wohnung am Altmarkt (September 1817 bis Juni 1822)

Im Hinblick auf die bevorstehende Hochzeit mit Caroline Brandt, wohl aber auch dem gesellschaftlichen Renommee als Hofkapellmeister geschuldet, suchte Weber bald schon eine standesgemäße größere Wohnung, wie mehreren Briefen an die Braut zu entnehmen ist (vgl. u. a. die Schreiben vom 23. Februar, 3. März und 8./10. März 1817). Er fand sie laut Tagebuch am 11. März 1817 im Haus der Christiana Hauschild an der Südseite des Altmarkts (Haus Nr. 9) unweit der Kreuzkirche und schloss sofort die Mietvereinbarung „von Michaeli (29. September) an mit 150 rh: Jährlichem Zinß“ ab. In begeisterten Briefen vom selben Tag sowie vom 17. März beschrieb er die drei Treppen hoch liegende Wohnung mit zahlreichen Zimmern für die Familie und die BedientenT, Küche, etlichen Nebengelassen und WagenstellplatzT und schilderte den Mietabschluss. Um die neue Bleibe allmählich einrichten zu können, erbat Weber, wie er am 28. April schrieb, ein Zimmer, in dem er Möbel lagern könnte, das aber laut Brief vom 6./9. Mai noch nicht zur Verfügung stand. Ein erhoffter erheblich früherer Einzugstermin im Juni bzw. August zerschlug sich, da die Vormieter, Prof. Matthäi und Ehefrau, erst im Laufe des August auszogen (vgl. die Briefe vom 1. Juni, 21. Juli, 25. August). Der eigentliche Umzug Webers fand wohl zwischen dem 30. August, an dem laut Brief offenbar aus Prag Möbel angeliefert und ausgepackt wurden, und dem 1. September (vgl. Tagebuch) statt; die Nacht vom 2. zum 3. September war laut Tagebuch die erste im „neuen Hauptquartier“, auch wenn die Matthäis die Wohnung noch immer nicht völlig geräumt hatten (vgl. Brief vom 5. September). Die Einrichtung zog sich bis weit in den Oktober hin, wie aus Briefen vom 3. Oktober und 13. Oktober hervorgeht. Nach der Heirat in Prag und der anschließenden Hochzeitsreise bezog das frischgebackene Ehepaar am 20. Dezember gemeinsam sein Domizil und fand laut Tagebuch alles „im besten Stande“.

Die Webers blieben im Haus am Altmarkt bis zum Sommer 1822. Die jährliche Miete von 150 Talern wurde (nach einer etwas höheren Zahlung für vier Monate im Januar 1818) in vier Dreimonats-Raten zu je 37 Talern und 12 Groschen jeweils zu Ostern, Johanni, Michaeli und Weihnachten fällig, wie aus Webers Tagebuchnotizen ersichtlich (vgl. die entsprechenden Zahlungseinträge vom 7. Januar, 17. April, 17. Juni, 29. September und 25. Dezember 1818, 6. April, 17. Juli, 28. September und 19. Dezember 1819, 4. April, 19. Juni, 8. November und 26. Dezember 1820, 19. April, 5. Juli, 29. September und 28. Dezember 1821 sowie 27. März und 27. Juni 1822). Neben der Hauptwohnung mieteten die Webers in der wärmeren Jahreszeit meist (außer 1821) zusätzliche Sommerquartiere: ab 1818 in HosterwitzT bzw. 1820 in Cosels GartenT.

Durch die Expansion des Kaufhauses Renner verlor das Haus am Altmarkt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Charakter eines Wohnhauses; zwar blieb die Fassade weitgehend erhalten, doch die Innenräume wurden komplett umgestaltet. Bis zur Zerstörung 1945 war über dem 2. Stockwerk eine Sandsteintafel mit der Aufschrift angebracht: „HIER SCHUF CARL MARIA VON WEBER 1820 SEINEN FREISCHÜTZ.“6

V. Wohnung in der Großen Frauengasse (ab September 1822)

1822 begann Weber mit der Suche nach einer neuen Wohnung, wie u. a. aus einer Passage im Brief an seine Frau vom 25. Februar sowie einer Tagebuchnotiz vom 15. April d. J. ersichtlich wird. Zwei Tage später notierte er im Tagebuch, er habe ein „Quartier in der Walterschen Buchhandlung [...] gemiethet für 200 rh: jährlich von Michaeli an.“ Gemeint ist eine Wohnung im ersten Stock des Hauses Nr. 379 in der Großen Frauengasse im Besitz des Hofbuchhändlers und Senators Georg Moritz Walther. Auch für die neue Wohnung war die Miete vierteljährlich zu zahlen, jeweils 50 Taler zu den üblichen Terminen: Ostern, Johanni, Michaeli und Weihnachten. Ab 1825 erhöhten sich die Zahlungen um je 5 Taler pro Quartal für zusätzliche StallmieteT; die Ausgaben sind bis zu Webers Abreise nach London 1826 im Tagebuch minutiös nachzuverfolgen (vgl. die entsprechenden Zahlungseinträge vom 24. Dezember 1822, 2. April, 26. Juni, 15. September und 22. Dezember 1823, 1. April, 23. Juni, 30. September und 23. Dezember 1824, 31. März, 16. Juni, 27. September und 31. Dezember 1825).

Die Mietzahlungen für die vorhergehende Wohnung enden mit dem 2. Quartal, jene für die neue beginnen allerdings erst mit dem 4. Quartal (also wie vereinbart ab Michaeli = 29. September). Zwischenzeitlich hatten die Webers für den Sommer ihr übliches Quartier in HosterwitzT bezogen; ihre alte Wohnung konnten sie offenbar im Verlauf des Monats Juni weitergeben7. Mit dem Vormieter des neuen Domizils, Stadtsyndikus Friedrich Samuel Möhnert, scheint sich Weber insofern geeinigt zu haben, dass er schon frühzeitig die Wohnung nutzen (oder zumindest besuchen) konnte; erstmals ist im Tagebuch am 8. Mai 1822 ein Aufenthalt dort festgehalten. Am 14. Mai spricht Weber, angesichts einer Zahlung an Möhnert für übernommene Einrichtungsgegenstände, bereits von einem „übernommenen Quartier“, das er von Hosterwitz aus, wenn er dienstlich oder privat in Dresden zu tun hatte, ab dem 6. August häufiger aufsuchte (was allerdings noch keinen Einzug bedeutete). In der Zwischenzeit übernachtete Weber bei seinen Dresden-Stippvisiten, wie er im Brief vom 15. Mai 1822 an Rochlitz ankündigte, im „Goldenen Engel“ (vgl. die Tagebuchnotizen vom 9. Juni, 15. Juni, 26. Juni, 12. Juli, 19. Juli, 18. August).

Der Rückzug der Familie von Hosterwitz nach Dresden, im Tagebuch am 28. September 1822 festgehalten (Weber war, ebenso laut Tagebuch, bereits am 26. September vorausgefahren), hatte dann die neue Wohnung zum Ziel. Die Kosten für die Einrichtung bezifferte Weber im Tagebuch (31. Dezember 1822) auf über 900 Taler, zuzüglich der 106 Taler, die als Ablöse an Möhnert geflossen waren; beide Originalabrechnungen Webers haben sich erhalten (vgl. Rechnung vom 31. Dezember 1822 sowie Rechnung vom 14. Mai 1822).

Bis 1826 blieb dieses Quartier, von Sommeraufenthalten in HosterwitzT bzw. 1825 in Cosels GartenT abgesehen, das Domizil der Familie von Weber. Nach dem Tode des Komponisten dürfte dessen Witwe die große, kostspielige Wohnung allerdings recht bald aufgegeben haben, da sie im Adressbuch von 1827 bereits unter neuer Adresse (Ostraallee 39 A) geführt wird8.

Das Haus (später Große Frauenstraße 18, seit 1862 Galeriestraße 18, seit 1890/91 Galeriestraße 9) mit seinem auffälligen Renaissance-Erker9 wurde 1945 zerstört, sein Standort später durch den 1969 eröffneten, die vormaligen altstädtischen Straßenzüge negierenden Dresdner Kulturpalast überbaut. 1881/82 hatte Wolf Hugo von Lindenau, Besitzer des Hauses von 1868 bis 1882, an der Fassade Galeriestraße (1. Stock) eine bronzene Gedenktafel anbringen lassen (vgl. seine diesbezügliche Korrespondenz mit F. W. Jähns, 20. Oktober 1881, 24. Oktober 1881, 1882 und 24. Juni 1882). Ihr Text lautete: „IM ERSTEN STOCKWERK DIESES HAUSES WOHNTE CARL MARIA VON WEBER VOM 28. SEPTEMBER 1822 BIS ZU SEINEM TODE. HIER SCHRIEB DER MEISTER DES FREISCHÜTZ 1822–23 AN SEINER EURYANTHE. HIER SCHUF ER 1825 UND 26 SEINEN OBERON.“10

Endnotes

  1. 1Vgl. Neues Gemählde von Dresden in Hinsicht auf Geschichte, Oertlichkeit, Kultur, Kunst und Gewerbe, Dresden 1817, S. 158.
  2. 2Vgl. Dresdner Anzeigen für Jedermann auf das Jahr 1812, Konzertanzeige in Nr. 34 (11. Februar), Sp. 266 (und öfter) mit Angabe der Etage, unter den „Ein- und Auspassirten Reisenden“ in Nr. 31 (7. Februar 1812, Freitag), Sp. 246: „Hr. Geh. Secret. Weber, Hr. Cammermus. Bärmann; a. München; von Leipzig: im g. Engel.“
  3. 3Vgl. Neues Gemählde von Dresden in Hinsicht auf Geschichte, Oertlichkeit, Kultur, Kunst und Gewerbe, Dresden 1817, S. 157.
  4. 4Ein Plan findet sich in: Max Georg Mütterlein, Gottfried Semper und dessen Monumentalbauten am Dresdner Theaterplatz, Dissertation, Dresden 1913, S. 5.
  5. 5Vgl. Dresdner Geschichtsbuch, hg. vom Stadtmuseum Dresden, Bd. 5, Dresden 1999, S. 38 (mit Abbildungen). Unweit des ehemaligen Ceccarelli-Hauses steht heute Rietschels Weber-Denkmal.
  6. 6Vgl. Carl Hollstein, Gedenk-Tafeln, Gedenk- und Häuser-Inschrifften in Dresden, mschr. Manuskript, Dresden 1941, S. 23; freundliche Mitteilung von Gisela Hoppe vom Stadtarchiv Dresden.
  7. 7Darauf deuten Tagebuchnotizen vom 2. Juni 1822 und 26. März 1823 hin, die entsprechende Vereinbarungen mit dem Kaufmann Behr betreffen, der von Weber auch Hausrat der Altmarktwohnung übernahm (bzw. diesen weitervermittelte), wie Weber im Tagebuch am 19. Juli 1823 vermerkte. Der im Tagebuch am 19. Mai 1822 dokumentierte Versuch, Hausrat an Johann Adolph von Rayski zu veräußern, war offenbar nicht von Erfolg gekrönt.
  8. 8Vgl. Dresdner Adress-Kalender auf das Jahr 1827, Dresden o J., S. 101.
  9. 9Vgl. u. a. das Foto in: Fritz Löffler, Das alte Dresden. Geschichte seiner Bauten, Leipzig 1989, S. 98 (Nr. 121) sowie die um 1930 entstandene Zeichnung von Emmy Müller-Müller in: Dresden. Das Namenbuch der Straßen und Plätze im 26er Ring, hg. vom Stadtmuseum Dresden, Dresden 1993, S. 47.
  10. 10Vgl. Carl Hollstein, Gedenk-Tafeln, Gedenk- und Häuser-Inschrifften in Dresden, mschr. Manuskript, Dresden 1941, S. 23; freundliche Mitteilung von Gisela Hoppe vom Stadtarchiv Dresden.

XML

If you've spotted some error or inaccurateness please do not hesitate to inform us via bugs [@] weber-gesamtausgabe.de.