Korrespondenz-Nachrichten aus Mannheim, 3. März 1811

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Aus Mannheim, den 3. März.

Die Herrn Leppich und Kreuzer gaben am 7. Jan. bei uns ein Konzert, wobei sich letzterer theils in einem Clavierkonzert von seiner Komposizion*, theils auf dem von Herrn Leppich erfundnen Instrumente Panmelodicon* hören ließ. Herrn Kreuzers Clavierspiel ist geläufig und glatt, dabei sicher und zart, aber wenig kräftig und daher etwas monoton; die Komposizion seines Konzerts, (welches er als „Fantasiekonzert“ ankündigte) etwas planlos, um neu zu seyn. Herrn Leppichs Instrument ist von angenehmen mäßig starken Tone, und für zarte Stellen von tief ergreifender Wirkung. Herr Kreuzer behandelt es ziemlich gut und zweckmäßig, nur gar zu monoton.

Gestern gab der 13jährige blinde Violinspieler F. Conradi Konzert* im hiesigen Schauspielhause. Er besitzt viele Fertigkeit für sein Alter, auch ziemlich reine Intonation, aber weniger guten Bogen.

Unsre bisherige erste Sängerin Madame Gervais verläßt uns,* um einem Rufe an das Carlsruher Theater zu folgen.

Der allgemeingeschätzte Verfasser des goldnen Kalbes,* Graf von Benzel-Sternau, hat vor kurzem die Tragödie: Zaire* von Voltaire, für die deutsche Bühne bearbeitet. Sie wurde auf dem hiesigen Hoftheater mit vorzüglichem Beifall aufgenommen, und man sieht deren baldiger Wiederholung* mit Vergnügen entgegen.

G. Giusto.

Editorial

General Remark

Zuschreibung: Sigle

Kommentar: Über Franz Leppichs Panmelodikon hatte G. Weber bereits am 13. Januar 1811 einen Artikel verfaßt, der im Badischen Magazin erschien (1811-V-06) und in dem er nicht auf Conradin Kreutzers Klavierspiel einging. Das Konzert von Kreutzer und Leppich war für C. M. v. Weber der Anlaß, das Verhalten des Mannheimer Orchesters öffentlich zu kritisieren (1811-V-11); vgl. Kom. 1811-V-06.

Creation

Responsibilities

Tradition

  • Text Source: Zeitung für die elegante Welt, Jg. 11, Nr. 56 (19. März 1811), col. 448

    Commentary

    • “Clavierkonzert von seiner Komposizion”Conradin Kreutzer, Phantasie pour le Clavecin avec l’Accompagnement d’une grand Orchestre (KWV 4106), zum Programm des Konzerts vgl. den Konzertzettel und Kom. 1811-V-06.
    • “Panmelodicon”zu Berichten über das Instrument und zu diesem selbst vgl. Kom. 1811-V-06.
    • “gab der 13jährige … F. Conradi Konzert”zu Franz Conradis Konzert am 2. März 1811 in Mannheim vgl. den Konzertzettel und 1811-V-17.
    • “Madame Gervais verläßt uns,”Katharina Gervais trat am 19. März 1811 zum letzten Mal in Mannheim auf.
    • “Verfasser des goldnen Kalbes,”Karl Christian Ernst Graf von Benzel-Sternau, der Verfasser des Romans Das goldene Kalb (Gotha 1802–1804); vgl. Kom. 1811-V-07.
    • “Zaire”Wurde am 17. Februar 1811 erstmals in Mannheim gegeben; vgl. die Kritik von Dusch (1811-V-07).
    • “baldiger Wiederholung”Die zweite (und letzte) Aufführung der Zaire fand am 25. März 1811 statt.

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