Amalia und Jacob Hertz Beer an Giacomo Meyerbeer in Rom
Berlin, Sonntag, 11. Juni 1816

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No 11 Dem Herrn Meyerbeer

Mein theurer lieber Sohn! Da ich wegen der Reise heut sehr viel zu thun habe, so kann ich für heut nicht viel schreiben, ich will mich folglich nur auf Maria von Weber beschränken. Weber ist seit d 8t hier logirt bey uns, ich gestehe ich habe mich sehr mit ihm gefreut, weil ich ihm für ein sehr braven Menschen halte, er ist Dir wirklich ein sehr guter Freund, das hater bey der Aufführung Deiner Opera bewiesen, jetzt gibt er bald wieder Jephta*, wollte Gott er wäre nur bey dem hiesigen Theater engagirt wordenT, das ware sehr glücklich für Dich gewesen, den all die Opern die er in Prag gegeben hat sollen ganz vortrefflich gehen, das haben mir sehr viele Freunde gesagt, die in Prag waren, mit Romberg hingegen ist man hier nicht sehr zufrieden. Auf den 16t war unsere Reise bestimmt da aber die Musik von Herrn von Weber welche er für meine Invaliden Anstallt gibt den 18[t] ist*, so bleibe ich bis 18t hier, wo wir gleich nach dem Conzert abreisen, ich schreibe Dir nochmal vor meine Abreise, und werde Dir alsdann berichten wie die Musik von Weber aufgenommen worden ist, heute ist wieder Oedip wozu ich mich sehr freue, Morgen gibt Seidler ein Conzert | seine Frau finde ich hat eine kleine niedliche Stimme aber weiter nichts ihr Spiel gefällt mir nicht, so wie ich auch finde, daß sie sich sehr ungrazieus presentirt.

So eben kommen zwei Brief von euch aus Rom an von 15t und 22t May an die ich aber heut nicht beantworten kann weil die Post gleich abgeht, kunftige Post werde die Brief beantworten Lebt wohl 1000 Grüße an WolffA Beer

Nachschrift von Jacob Hertz Beer

Wie komt es das dein Briefe von 15 und 22t May an einem Tag heute zusamen gekomen sind solte etwa dein Bediente sich bey Abgabe des von 22t noch auf den von 15t in der Tasche gehabt haben und ihn zur Post zu bringen vergesse haben, Ich kome darum auf diese Vermuthung weil mir Schwartz von im Anfange schrieb das ich darum den Brief so spat erhielt weil dein Bediente ihn 10 Tage lang in der Tasche herum geschlept habe, C. M. v Weber ist jetzt hir an diesen hast du einen Freund der dich so liebt wie man selten einen findet und darum bitte ich Dich recht sehr vernachleßige ihn nicht und Schreibe ihm doch ja so gleich solchen Freund wie du an C. M. v Weber hast gibt es selten es ist um so mehr an ihm zu schätzen da du Ein Fach mit ihm hast, wo doch im gewöhnlichen Leben es nicht so der Fall zu sein pflegt, dieses ist mir an Ihm um so Schätzenswehrter

Apparat

Zusammenfassung

berichtet über C.M.v.Webers Aufenthalt in Berlin; bedauert, daß Weber nicht in Berlin engagiert worden sei, da er sich bestimmt für Meyerbeers Opern eingesetzt hätte; sie wollen Webers Konzert vor der Abreise noch besuchen; NS von J. H. Beer: er solle Weber nicht vernachlässigen, denn einen solchen Freund finde er nicht wieder

Incipit

Mein theurer lieber Sohn! Da ich wegen der Reise heut sehr viel

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  • Textzeuge: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: N. Mus. Nachl. 97, A/27

    Quellenbeschreibung

    • 1 Bl. (2 b. S. o. Adr.)

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • Becker (Meyerbeer), Bd. 1, S. 315–316

Textkonstitution

  • „er“über der Zeile hinzugefügt.
  • „für Dich“über der Zeile hinzugefügt.
  • „Spiel“über der Zeile hinzugefügt.
  • „hir“über der Zeile hinzugefügt.
  • „nicht“über der Zeile hinzugefügt.

Einzelstellenerläuterung

  • „… gibt er bald wieder Jephta“Eine Aufführung unter Webers Leitung fand danach nicht statt.
  • „… gibt den 18 t ist“Weber gab am 18. Juni 1816 im Königlichen Opernhaus eine Musikalische Akademie „zum Besten des Vaterländischen Vereins zur Verpflegung hülfloser Krieger aus den Feldzügen von 1813, 1814 und 1815“, bei dem als Hauptwerk des Abends die Kantate Kampf und Sieg erklang.

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