Helmina von Chézy an Friedrich Wilhelm Gubitz in Berlin
Wien, Dienstag, 10. Februar 1824

Sr Wohlgeboren

Herrn Professor F.

W. Gubitz

Wilhelmstraße

Berlin

Ich weiß nicht ob Sie es vielen Ihrer Mitarbeiter so machen, mein werther Freund, u beßer dieselben in Ihrem Blatt Vogelfrei geben, wer über sie losziehn will, doch zweifl’ ich daß Sie sich auf diese Weise welche erhalten. Ich könnte Ihnen einen Menge Stellen nachweisen wo ich förmlich angepackt bin, u erinnere Sie blos, ob es mir angenehm seyn kann: für Ihr Blatt zu arbeiten, um es mit dem Honorar zu bezahlen u dafür Sottisen einzukaufen? Es greife doch jeder in seinen Busen! den Freymüthigen haben Sie aus ähnlichen Gründen abbestellt! – Was soll auch das ewige Lobpreisen der Novelle im Gegensatz zur Oper Euryanthe? Wenn Weber die Novelle hätte komponiren können, oder eine treu nach der Novelle gearbeitete Oper brauchen*, so war ich damit sehr zufrieden, u wenn ich die Novelle nicht, nach allem was schon 1805 in der Litt. Zeit: darüber stand brav übersetzt hätte, im Farbenton des Originals so würde sie nicht so gefallen. Ist das der Dank [da]für daß ich sie der Vereinsbuchh. für ein Spottgeld ließ, da sie doch nun schon vergriffen seyn muß?

In nichts kann ich Ihnen Vorschriften machen, bitte Sie aber bey erster Gelegenheit, wo Sie wieder dem Drang nicht widerstehen können elende Schmierer sich dadurch verbindlich zu machen daß Sie nicht streichen was über eine alte, gute u redliche Freundin in Ihr Blatt eingeschickt wird*, nicht so beleidigend gegen mich zu handeln, es mir noch dazu für mein Geld zuzuschicken. Es empört mich, u ich bin ehrlich genug es Ihnen zu sagen.

Hier eine nothwendig gewordene Erklärung, um die ich einen Platz erbitte. Ich wünsche Ihnen recht wohl zu leben, u bessere Freundestreue u Pflicht von Andernn, als Sie an mir beweisen, denn der Tummelplatz für Unarten gegen mich ist Ihr Blatt. Helmina von Chezy

Apparat

Zusammenfassung

Scharfer Brief, indem sie sich über die Invektiven empört, die sein Blatt "Der Gesellschafter" gegen sie richtet; mit speziellem Bezug auf ihren Operntext zu Webers "Euryanthe"; fragt, was das ewige Lobpreisen der Novelle solle, Weber habe die Novelle nicht komponieren können; er solle wenigstens nicht streichen, was über sie Positives eingesandt werde; bittet um Platz für eine notwendig gewordene Erklärung;

Incipit

Ich weiß nicht ob Sie es vielen Ihrer Mitarbeiter so machen, mein werther Freund

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz, Joachim Veit

Überlieferung

Textzeuge

Wien (A), Wienbibliothek im Rathaus (A-Wst)
Signatur: I. N. 29479

Quellenbeschreibung

  • 1 Bl. (2 b. S. einschl. Adr.), Siegelrest
  • PSt: .. 12. März[?!]...

Überlieferung

  • Liepmannssohn Kat. 190 (o.J.), Nr. 1921
  • Liepmannssohn Kat. 174 (o.J.), Nr. 2223
  • Liepmannssohn Kat. 163 (o.J.), Nr. 874

Textkonstitution

  • "beßer": durchgestrichen.
  • "mit dem Honorar": Hinzufügung.

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