Anton Bernhard Fürstenau an Heinrich Joseph Baermann in München
Dresden, zw. 1. September und 18. Dezember 1826

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[Überschrift von F. W. Jähns:]
A. B. Fürstenau an Bärmann v. Jahre 1826 in einem Briefe, wovon das Datum aber abgerissen war, der jedoch von Bärmann am 18. Dez. 1826 beantwortet wurde. –

[…]*– – – – – der Tod unseres Freundes in einem fremden Lande, wo so viele Angelegenheiten zu besorgen waren, denen Allen ich allein vorstehen mußte; die vielen Geschäftsbriefe, welche ich an seine Familie wegen seines Nachlasses u. s. w. zu schreiben hatte, nahmen mich so sehr in Anspruch, daß mir nicht die Zeit übrig blieb, meine Neigung und Pflicht zu erfüllen, um Ihnen einiges aus den letzten Lebensmomenten unsers abgeschiedenen Freundes mitzutheilen. – Ich bin seit Ende August wieder in Dresden; doch wirkte das Zusammentreffen mit Webers Familie aufs Neue so nachtheilig auf meine Gesundheit, daß ich mich allen Gemüthsbewegungen mit Ernst entziehen mußte; doch nun um vieles wieder beruhigt, unterlasse ich nicht, Ihnen in der Kürze Webers letzte Zeit, wo ich so glücklich war, sein steter Begleiter zu sein, mit einigen Worten mitzutheilen.

In Paris verlebte ich mit dem selgen Weber eine sehr glückliche Zeit, da er sich sehr wohl befand und sich einer sehr guten Aufnahme von den dortigen Tonkünstlern erfreute. Seine Ankunft in London glich einem Triumph. Sein Ruf ging ihm voran und die Aufnahme im Oratorium, wo er den Freischütz dirigirte, war in der That ganz außerordentlich u. wahrhaft ergreifend; auch befand er sich während der ersten Zeit in London recht wohl und das Leben in England behagte ihm. – Zu Hause beschäftigte er sich | besonders mit seinem Oberon. Meistens alle Stücke des 3. Acts hat er fast alle erst dort componirt und die (Ouverture erst […]) Tage vor der Aufführung beendiget. Schon die Proben weissagten viel […] der That herrlich ist; ein außerordentlicher Beifall begleitete auch die […] gierte er die Oper, aber das Kohlengas der Beleuchtung wirkte sehr […] seine Gesundheit u. er fing an zu kränkeln. Bald darauf warf er einiges Blut […] auf mein inständiges Bitten ließ er mich nach einem deutschen Arzt senden obgleich ersterer gegen mich äußerte, daß alle ärztliche Hülfe umsonst sei, da er eine zusammengerüttelte Maschine sei und er nur noch so lange zu leben wünsche, um seine Familie anständig versorgen zu können. Manche trübe Stunde umwölkte hierbei seine Seele. – In diesem Zustande trat er auch in den philharmonischen und Academie Conzerten auf. Im ersteren wurde ihm viele glänzende Aufnahme zu Theil; im letzteren, wo der Adel u. der Rossinische Geschmack vorherrschten, wurde er nicht mit dem Beifall empfangen, den er erwarten durfte. – Mit seinem körperlichen Zustande besserte es sich jedoch ein wenig, nur das Arbeiten wurde ihm sauer u. schon fiel ihm der Clav. Auszug seiner Oper sehr schwer. – Leider fiel sein Concert schlecht aus und dies wirkte unbezweifelt äußerst nachtheilig auf seine Gesundheit. Er äußerte hierauf mehremale zu mir, daß er sich abermals davon überzeugt habe, daß ihm das Volk nur Freund und gut sei, nie die höhere Classe, wie sie in London | abermals angesteckt von Rossini, ein Beispiel gab. Das Betragen der Herzogin von Kent und des Herzogs Leopold gränzte an Beleidigung. – Sein Gesundheitszusstand wurde aber immer bedenklicher und es stellten sich heftige Engbrüstigkeiten ein, die sich nur mit seiner Auflösung endigten. –

Ich unterlasse nun, Ihnen nochmehr hierüber zu sagen, da Sie die vielen Details in den öffentl. Blättern gewiß genug gelesen haben werden und so ist denn nun die Hoffnung, mit welcher ich diese Reise unternahm vernichtet, doch alles gäbe ich gern darum, wenn lebte nur Er noch, wäre nur Er wieder mit zurück gekommen! – Doch kann ich Ihnen noch die Beruhigung geben daß für seine hinterlassene Familie gesorgt ist. Außer einem kleinen Vermögen, welches schon Weber besaß, habe ich doch noch 6000 rh mit von London für seine Familie mitgebracht ohne eine gute Pension kommen von allen Theatern Benefiz-Einnahmen; von Berlin sind alleine 2000rh eingekommen. Tief hat diese traurige Begebenheit in mein Leben eingegriffen und ich werde Zeit gebrauchen, mich ganz zu erholen. – […]

[von F. W. Jähns: folgt Nebensächliches. –]

A. B. Fürstenau

Apparat

Zusammenfassung

Incipit

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz, Joachim Veit

Überlieferung

Textzeuge

Kopie: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (D-B)
Signatur: Weberiana Cl. V [Mappe IA], Abt. 3, Nr. 11b

Quellenbeschreibung

  • 1 DBl. (3 b. S.)
  • Teil-Abschrift von Jähns mit Vermerk am rechten oberen Rand Bl. 1r (Bleistift): Sehr interessant. und am unteren Rand auf Bl.2r (Tinte): Nach dem Original copirt
    München 23. Juli 1863.
    F. W. Jähns.

Textkonstitution

  • "v. Jahre 1826": Hinzufügung.
  • "ver": Hinzufügung.
  • Unleserliche Stelle (ca. 3 chars)
  • Unleserliche Stelle (ca. 5 lines)
  • "That": Hinzufügung.
  • Unleserliche Stelle (ca. 5 lines)
  • Unleserliche Stelle (ca. 5 chars)
  • Unleserliche Stelle (ca. 5 chars)
  • "ersterer": "unserer" durchgestrichen.
  • "wenn": durchgestrichen.
  • "mit": durchgestrichen.

Einzelstellenerläuterung

  • "… ": Der Brief weist nicht nur am Beginn Lücken auf, sondern auch im weiteren Text, ob nur Wörter oder ganze Sätze fehlen, lässt sich nicht feststellen

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