Georg August von Griesinger an Carl August Böttiger in Dresden
Wien, Samstag, 27. September 1823

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Mein verehrter Freund,

Wie mögen Sie glauben, daß Barbaja mit porchi Tedeschi um sich wirft ! Das läßt ein so feiner Fuchs wohl bleiben, der ja auch mit der deutschen Oper gewinnen will, und deßen eigenes Intereße es erfodert die deutsche Oper möglichst zu heben. Das thut er auch, indem er die besten deutschen Meister auffodert Opern zu schreiben, und sie gut bezahlt. Die Werkzeuge, durch welche die Noten dieser Meister in die Ohren des Publikums eindringen sollen, sind aber, wie ich Ihnen schon ad satietatem geschrieben habe, nicht nur in Wien, sondern in ganz Deutschland, im Vergleich mit den Italienischen virtuosi cantanti, nur mittelmäßig; sie sollen in ihr Kämmerlein gehen, und etwas rechtes lernen, auch nicht singen wenn ihnen die Natur keine dazu privilegirte Kehle ertheilt hat, – alsdann wird ihnen auch ihr Beifall werden.

Weber habe ich nur Einmahl nach der Aufführung von matrimonio segreto gesehen, von der er hoch entzükt war*. Er hat viele Besuche zu machen, ist selten zu Hause anzutreffen, und hat noch verschiedenes zu arbeiten. Ich freue mich sehr auf seinen nächsten Besuch, seit welchem er den Barbiere, die Semiramide, u. die Cenerentola u. Donna del Lago von Rossini gehört hat*.

Weder Genz noch Münch sind in Czernovicz*. Von den Verhältnißen zwischen Rußland und der Pforte wird wohl dort die Rede seyn, aber davon ist die griechische Frage ganz abgesondert, und Niemand scheint sich darein mischen zu wollen.

Der Brief, den Sie durch Weber an Frau v. Piquot, die noch auf | dem Lande ist, geschrieben haben, ist durch mich richtig bestellt worden. Piquot und seine Frau laßen Ihnen alles Schöne sagen.

Valeas et faveas!
Gr.

Apparat

Zusammenfassung

Kommt nochmals auf den Unterschied deutscher und italienischer Sänger zurück und betont, dass Barbaja durchaus die deutsche Oper heben will, er hat dafür namhafte Komponisten um Opern gebeten, die er gut bezahlt. Weber habe er bisher nur einmal gesehen, aber er freut sich auf eine Wiederbegegnung nachdem dieser mehrere italienische Opern gehört haben wird.

Incipit

Wie mögen Sie glauben, daß Barbaja mit porchi Tedeschi um sich wirft!

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit; Frieder Sondermann

Überlieferung

  • Textzeuge: Dresden (D), Sächsische Staats- u. Universitätsbibliothek (D-Dl)
    Signatur: Mscr. Dresd. h 37:4, Bd. 64, Nr. 194

    Quellenbeschreibung

    • 1 Bl. (2 b. S.)

    Provenienz

    • 1926 Dresden SLB

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • Ludwig Schmidt, Zeitgenössische Nachrichten über Carl Maria v. Weber, in: Die Musik. Monatsschrift, hg. von Bernhard Schuster, Jg. 18, 2. Halbjahrsband, Heft 9 (Juni 1926), S. 656 [Ausschnitt].

Textkonstitution

  • „u.“durchgestrichen

Einzelstellenerläuterung

  • „… der er hoch entzükt war“Weber besuchte die Vorstellung am 21. September 1823; vgl. sein Tagebuch und den Brief an Caroline von Weber vom 22. September 1823.
  • „… Lago von Rossini gehört hat“Weber besuchte die Vorstellungen am 22. September (Barbiere), 24. September (Semiramide), 26. September (Cenerentola) und 28. September (Donna del Lago); danach besuchte er Griesinger am 2. Oktober 1823; vgl. Tagebuch.
  • „… noch Münch sind in Czernovicz“Dorthin war Kaiser Franz I. zu einem Treffen mit dem russischen Zaren Alexander I. gereist.

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