Friedrich Wilhelm Jähns an Leopold Andreas Ignaz Sonnleithner in Wien
Berlin, Mittwoch, 25. April 1866

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Mein hochverehrter Herr Doctor.

Ihre Zuschrift vom 23. April habe ich so eben erhalten und ich verfehle keinen Augenblick dieselbe ganz gehorsamst zu beantworten und auch dahin pflichtschuldigst zu erwidern, daß ich die 7 Bände Schickscher Zeitschrift zu verpacken sofort den Auftrag gegeben habe. Es werden dieselben per Post portofrei in 3 – 4 Tagen in Ihren Händen sein, so wie Ew: Hochwohlgeboren es gewünscht. Zuvörderst lassen Sie mich Ihnen meinen herzlichsten und wärmsten Dank nicht nur für die so lang gestattete Benutzung dieser Bände, als nochmals dafür sagen, daß Sie mir mit so großer Güte und seltener sachkundiger wie hingebender Bereitwilligkeit bei meinen Bestrebungen entgegen kamen, und dieselben so wesentlich und wirkungsvoll unterstützten. Glauben Sie es meinen aufrichtig gemeinten Worten, daß Sie einen, der dankbarer für dergleichen Beweise von Güte sein wird, nicht leicht finden können und nichts wird jemals diese Empfindungen verändern oder schmälern können, die, mein sehr geehrter Herr, in mir für Sie leben. Wenn nun meine verspätete Rücksendung der quaert. Bände scheinbar in Widerspruch mit dem eben Ausgesprochenen zu stehen scheint, so bitte ich dennoch daran glauben zu wollen; denn es ist warlich die reine Wahrheit, daß grade ich keiner Sache mehr feindlich gegenüber stehe, als Rücksichtslosigkeit und Undankbarkeit; ja in Geschäftsangelegenheiten stehe ich sogar im Rufe eines Pedanten. So bitte ich denn, mir gütigst vergönnen zu wollen, zur Rechtfertigung der jetzt erst erfolgenden Rücksendung der 7 Bände, einige Worte aussprechen zu dürfen, da mir an Ihrer Achtung in hohem Grade liegt und ich einen ganz besonderen Werth auf dieselbe zu legen mich vom ersten Moment an gedrungen gefühlt habe, wo ich das Glück hatte, Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen.

In Ihrem mir zuletzt zugegangenen sehr werthen und lieben Schreiben vom 19. Febr. vor. Jahres sagen Ew. Hochwohlgeboren mir: „Die 7 Bände pp brauche ich nicht dringend; es ist daher Zeit genug Wenn ich sie im Juli erhalte.“ Nun beabsichtigte ich in dem eben genannten Monate in der That nach Wien zu kommen; es zerschlug sich diese Reise jedoch, weil ich mich nach Stuttgart, Frankfurt, Mannheim pp meiner Arbeit wegen wenden mußte. Durch eine freilich unentschuldbare Vergeßlichkeit meines Sohnes (der als Techniker im Laufe des Spätherbstes behufs der Erwerbung eines Patentes für eine Erfindung von sich nach Wien ging) blieben die Bände hier zurück. Da nun aus Ihrer Notiz mir hervorzugehn schien, (ich meine die oben angeführte) daß Sie der Bände nicht nothwendig bedürfen würden, was freilich von mir nicht so weitgreifend hätte angenommen werden sollen, so verschob ich die Rücksendung derselben bis auf den wiederholten Besuch Wiens von Seiten meines Sohn[es] bis auf nächsten Monat, wo mein Sohn nochmals Wien besuchen muß. – Das ist der Sachverhalt, in welchem freilich meine zu weit getriebene Anwendung Ihrer freundlichen Äußerung gegen mich weniger zu entschuldigen ist, als die Verhältnisse mich hoffen ließen. –

Wenn ich mich nun freilich schuldig sprechen muß in dieser Sache, so habe ich mich doch durch Mittheilung des dabei Nebenher gehenden einigermaaßen Ihrer gütigen Verzeihung näher stellen wollen, wie ich denn dringend dieselbe hiemit erbitte! –

Sie würden mir eine hohe Freude bereiten, wenn Sie mit zwei Worten mich dieser Verzeihung versichern und für würdig erachten wollten, daß in mir, gegen den vorliegenden Anschein nur Empfindungen der Dankbarkeit und V

erehrung gegen Sie leben können. Und mit dem Ausdruck dieser Empfindungen mich in wahrer dankbarer Ergebenheit Ihnen auf das Wärmste und Herzlichste zu empfehlen, dies gestatten Sie gütigst Ihrem
innigst verpflichteten
F. W. Jähns
Berlin. Krausen
Str.62.

Ich öffne den Brief noch einmal um die nothwendige Bemerkung zu machen, daß die Bände genau soin ihrer äußern Gestalt, wie ich dieselben von Herrn M. v. Weber empfing, sende. Die defecte Gestalt des einen Bandes namentlich schien mir diese Bemerkung nothwendig zu machen.

Eiligst

Apparat

Zusammenfassung

S. hatte die J. geliehenen Zeitschriftenbände des Journals für Literatur, Kunst und Mode angemahnt, J. entschuldigt sich wortreich für die verabsäumte Rücksendung, er hat sie sofort veranlaßt. Seine Reise im vorigen Juli hat sich zerschlagen, und sein Sohn, der im Herbst in Wien war, sollte sie ihm mitnehmen, er hat es aber vergessen

Incipit

Ihre Zuschrift vom 23. April habe ich

Generalvermerk

Die obige Antwort bezieht sich auf den Brief von Sonnleithner vom 23. April 1866 (Weberiana Cl. X, Nr. 611)

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  • Textzeuge: Wien (A), Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Archiv (A-Wgm)

    Quellenbeschreibung

    • 2 DBl. (7 b. S. o. Adr.)

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