Leopold Andreas Ignaz Sonnleithner an Friedrich Wilhelm Jähns in Berlin
Wien, Donnerstag, 25. März 1869

Zurück

Absolute Chronologie

Vorausgehend

Folgend


Korrespondenzstelle

Vorausgehend

Folgend

Hochgeehrter Herr Direktor!

Ihre werthe Zuschrift vom 13. d. M. habe ich erhalten, und beehre mich, dieselbe mit folgendem zu erwiedern.

Was zunächst die Oper Silvana betrifft, so kann ich mit Bestimmtheit versichern, daß diese in Wien niemals aufgeführt wurde, und daß sich keine Partitur davon in den hiesigen Theatern befindet. Als ich seiner Zeit, bei Weber’s Anwesenheit in Wien die Conzertaufführung eines Finale=s aus Silvana veranstaltete, bestellte ich eine Partiturabschrift dieses einzelnen Musikstückes in Prag, wo die Oper zur Zeit als Weber dort Kapellmeister war, gegeben worden war, und wo sich die Partitur ohne Zweifel noch befindet. In der von dort erhaltenen Abschrift fehlte ein Blatt, welches mir Weber aus Gefälligkeit, aus dem Gedächtnisse ergänzte, und wovon Sie eine Abschrift genommen haben. Ich habe nun aus Anlaß Ihres letzten Briefes diese Partitur des Finale=s wieder durchgesehen, und gefunden, daß der Chor darin /: auch abgesehen von dem nachgetragenen Blatte :/ nicht durchaus nur dreistimmig gesetzt ist. Der Männerchor, für sich eine Gruppe bildend, ist nicht 3stimmig, für 2 Tenore und Baß. Die Weiberstimmen gehen meistens im Einklange, sind aber auch hin und wieder in 1ten und 2ten Sopran getheilt, und so kömmt es daß der Chor im Ganzen manchmal 4 bis 5stimmig erscheint. Ein strenger vierstimmiger Satz, wie er in Oratorien- und Kirchenchören üblich ist, findet sich da nicht. Wollten Sie dießfalls noch Genaueres erfahren, so müßten Sie sich wegen Einsicht der ganzen Oper nach Prag verwenden.

Hinsichtlich der bei G. A. Petter befindlich gewesenen Autographensammlung kann ich Ihnen mit Zuverläßigkeit sagen, daß nach dessen Tode, diese Sammlung von seinem Bruder, Theodor Petter, akademischen Künstler wohnhaft in Wien, 9ter Bezirk, Alserstraße, 34, übernommen worden ist, welcher sie noch besitzt. Ich habe Gelegenheit genommen, ihn zu mir zu bitten, und er hat mir mitgetheilt, daß sich in der Sammlung, von Webers Handschrift, außer einem inhaltleeren Zettel nur noch ein ausführlicher Brief, an Med. D: Jung befinde, den er mir auch auf ein paar Tage anvertraute, um eine Abschrift davon zu nehmen, die ich auch selbst besorgte, und Ihnen hier beilege. Dieser Brief ist sehr interessant, und dürfte manche neue Aufschlüssse bringen. Hr. Petter sagte mir ferner es dürft sich in seiner Sammlung auch noch ein Musikblatt von Webers Hand vorfinden; auch sei es möglich daß sein Bruder von Ihnen auch noch andere Autographe Webers erhalten hätte, die er aber, wie dieß solche Sammler zu tun pflegte[n], wieder weggegeben und gegen andere Handschriften vertauscht haben dürfte, ohne daß eine Spur vorhanden wäre, in welche Hände sie geriethen. Damit endet mein heutiger Bericht; sollten Sie von Hn Theodor Petter noch irgend eine weitere Auskunft wünschen, so wollen Sie sich an ihn selbst wenden; er ist ein gebildeter und sehr gefälliger Mann.

Indem ich Ihrem interessanten Werke den besten Fortgang wünsche, und dem Erscheinen mit Begierde entgegensehe, zeichne ich mit Hochachtung Euer Wohlgeboren
ergebenster
Leop. Sonnleithner

Apparat

Zusammenfassung

teilt mit, daß die Silvana in Wien niemals aufgeführt worden sei und daß sich keine Partitur in den Wiener Theatern befinde. Als er bei Webers Anwesenheit in Wien konzertant ein Finale daraus machte, bestellte er eine Abschrift dieses Musikstückes in Prag. In der dort erhaltenen Abschrift fehlte ein Blatt, das ihm Weber aus Gefälligkeit aus dem Gedächtnis ergänzte und wovon J. bereits eine Abschrift nahm. Bei erneuter Durchsicht dieses Finales habe er festgestellt, daß der Chor 3–5 stimmig gesetzt ist. Empfiehlt ihm wegen Einsicht der ganzen Oper sich nach Prag zu wenden. - Teilt ferner mit, daß die Autographensammlung von G. A. Petter von dessen Bruder Theodor übernommen worden sei. Es befinden sich darin außer einem inhaltslosen Zettel in Webers Handschrift noch ein interessanter Brief an Dr. Jungh, den er in Abschrift beifügt. Es dürfte sich auch noch ein Musikblatt von Weber darin befinden, empfiehlt ihm, sich direkt an Petter zu wenden, dessen Adresse er mitteilt.

Incipit

Ihre werthe Zuschrift vom 13. d. M.

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  • Textzeuge: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: Weberiana Cl. X, Nr. 612

    Quellenbeschreibung

    • 1 DBl. (3 b. S. o. Adr.)
    • Es handelt sich um den Brief vom 11. August 1815 aus München an Philipp Jungh (Weberiana Cl. II B, Nachtr. 4, Nr. 5, S. 943–944)

        XML

        Wenn Ihnen auf dieser Seite ein Fehler oder eine Ungenauigkeit aufgefallen ist,
        so bitten wir um eine kurze Nachricht an bugs [@] weber-gesamtausgabe.de.