Heinrich Graf Vitzthum von Eckstädt an Detlev von Einsiedel in Dresden
Dresden, Dienstag, 10. Dezember 1816

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Sr

des Herrn Cabinets-Minister

Grafen von Einsiedel

Exzellenz

Ew: Exzellenz

ferneren Anordnung zu Folge, habe ich in Erwägung gezogen, ob es nicht möglich seyn sollte, anstatt des auf einen jährlichen Gehalt von 1500 rh. - - Anspruch machenden Maria von Weber, einen andern zur Direction des Orchesters im deutschen Schauspiel und Oper hinlänglich geeigneten Mann zu erlangen, welcher diese Function gegen billigere Bedingungen übernähme. Bey den deshalb einzuziehenden Erkundigungen habe ich immer von der Voraussetzung ausgehen zu müßen geglaubt,

daß Sr: köngl. Majestät einem mit vollem Recht in sohohem Ruf stehenden Kunstinstitute*, wie die Königl. musicalische Capelle, auch in jener besondren Gattung ihrer künftigen Kunstleistungen, nur einen dem Geschäft völlig gewachsenen, erfahrenen und durch Talent und deßen Anwendung bereits ausgezeichneten Mann als Führer vorzusetzen gemeinet seyn können.

Männer von dieser Kathegorie werden aber allemal auf auf bedeutende Gehalte Anspruch machen, besonders wenn sie bereits bestehende Dienstverhälltniße zu verlaßen vermacht werden sollten. -- Außer Webern kenne ich aber auch jetzt nur wenige, welche hier einige Rücksicht verdienen könnten: zunächst würde ich des als Compositeur und Virtuos auf dem Clavier rühmlichst bekannten Künstlers, Friedrich Schneider in Leipzig, erwähnen, wenn derselbe nicht erst neuerlich mit dem Theater Commitee zu Leipzig wegen Direction des dortigen theatralischen Orchesters und Opern auf drey Jahr gegen einen jährlichen Gehallt von Thalern, einen Contract abgeschloßen hätte.

Vor einiger Zeit hat sich ein gewißer Sutor, dermahlen Concertmeister in königl. Würtembergischen Diensten, um Anstellung als Kapellmeister alhier beworben. Noch habe ich aber, durch verschiedentlich eingezogene Erkundigungen nichts vorzügliches über seine Kunstfertigkeiten in Erfahrung bringen können, und nur soviel ergründet, daß er Vorspieler im dortigen Hof. Theater, jedoch einem besondern Kapellmeister untergeordnet sey. Uibrigens sucht derselbe eine anderweite Anstellung hauptsächlich um deswillen, um gewißen unangenehmen Verhältnißen in Stuttgard zu entgehen: eine geheimnißvolle Andeutung, welche wenigstens kein unbedingt günstiges Vorurtheil für seine Persönlichkeit erreget. Auch hat er namentlich um die, seiner Meinung nach durch Abgang des Kapellmeister Morlacchi, erledigte Stelle gebeten, und es ist daher kaum zu glauben, daß er seine jetzigen Dienstverhälltniße gegen eine minder vortheilhafte, als die von ihm bezeichnete, Stelle, zu vertauschen gemeinet seyn dürfte.

Endlich könnte in Hinsicht seiner musicalischen Kenntniße auch der junge Kleugel in Frage kommen: allein es geht diesem durchaus alle Bekanntschaft mit den practisch theatralischen Verhälltnißen ab, und seine Jugend und bisherige ganz ungebundene Lebens- und Geschäfts-Weise erregen das gegründete Besorgniß daß es ihm auch an der zur Direction und Organisation eines so bedeutenden Theaters und so zahlreichen Personals erforderlichen, durch Erfahrung und Uibung nothwendig zu begründenden Authoritaet, Umsicht und Gewandheit fehlen, derselbe daher, wenigstens für itzt, als ersten HofOrganist weit mehr an seinem Platze seyn dürfte.

Dagegen hat der von mir vorgeschlagene Maria von Weber bereits in der Ausübung gezeigt, daß er jene oben benannten so wesentlichen Eigenschaften in sich vereinige, und den Ruf, den er in der Kunstwelt sich als Kompositeur und vorzüglich als ausgezeichneter Clavierspieler erworben, berechtiget zugleich zu der Uiberzeugung, daß die königl Capelle seine Anstellung ebenso, wie vorhin die des Conzertmeister Poledro, aus dem richtigen Gesichts-Punkte, und als ein Anerkenntniß ihres eigenen hohen Künstlerwerthes verehren werde. Daher übrigens Ihre Königl. Majestät nur die Absicht, den Maria von Weber als Director des Orchesters im deutschen Schauspiel und Oper, oder noch lieber als Capellmeister, sofort bleibend anstellen zu laßen, im allgemeinen auszusprechen geruhen wollten, so würde ich alles aufbiethen, um ihn zu vermögen, sich mit einem verminderten Jahres-Gehallt zu begnügen, weshalb ich anzutragen wage, im Etat vielleicht die Summe von 1200 rh. - - anzudrücken, mich jedoch zugleicher Zeit mündlich zu ermächtigen, äußersten Falles auch eine Erhöhung bis auf Höhe der 1500 rh - - - zugestehen zu dürfen.

Ich schließe mit erneuerten Versicherungen meiner tiefsten Ehranbietung, als Euer Exzellenz
unterthäniger Diener
Heinrich Graf Vitzthum Eckstädt

Apparat

Zusammenfassung

betr. Weber direkt

Incipit

Eur. Exzellenz ferneren Anordnung zu Folge, habe ich in Erwägung gezogen

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  • Textzeuge: Dresden (D), Sächsisches Hauptstaatsarchiv (D-Dla)
    Signatur: 10026, Geheimes Kabinett Loc. 15146/04 (Bd. 20), Bl. 85–87

    Quellenbeschreibung

    • 2 DBl. (5 b. S.)

    Einzelstellenerläuterung

    • „… in sohohem Ruf stehenden Kunstinstitute“ K und C überprüfen.

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