Carl Maria von Weber an Johann Friedrich Rochlitz in Leipzig
Dresden, Freitag, 14. Februar 1812

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Mit Freuden ergreife ich die Feder um Ihnen mein Andenken zurück zu rufen, und zugleich zu wiederholen was ich nicht oft genug thun kann, wie unvergeßlich mir Ihre nähere Bekanntschaft und die gütige Theilnahme die Sie mir bewiesen, stets bleiben wird. Besonders theuer wird mir die Rückerinnerung an den letzten Abend bleiben den ich in Ihrem Hause verlebte. Hatte ich vorher den Mann mit ausgezeichnetem Geist, und warmem Gefühl für Kunst in Ihnen hochgeachtet, so lernte ich jetzt den glücklichen Gatten und herrlichen Menschen in Ihnen lieben, und erfreulich war mir die Gewißheit daß die „glücklichen Stunden“ aus warmem Herzen und nicht als leeres Kompliment Ihrer Schöpferin, gewidmet waren.

Verzeihen Sie, wenn ich abschweife, aber in meinem bunten Leben, wo ich die meisten Menschen nur von ihrer glatten Seite kennen lerne, sind mir solche Augenblicke zu selten, und kostbar, als daß ich nicht bei jeder Gelegenheit das Andenken daran zu erneuern suchen sollte.

Meine Reise ist bis jetzt sehr günstig ausgefallen; in Gotha spielten wir zweymal bei Hofe, und gaben d: 23: unser Concert* in der Stadt mit Beyfall und einem für Gotha vollen Saale. ich musste dem Herzog versprechen künftigen Sommer ein paar Monate bey ihm zuzubringen, und ich that dies um so lieber als es mir die Hoffnung gab in Ihrer Nähe zu sein, und so desto leichter mein Plänchen auf Leipzig auszuführen. Den 27: kamen wir in Weimar an, spielten 2mal bey der Grossfürstin, die uns mit ausgezeichnetem Wohlwollen beehrte, und zuletzt veranlasste der Herzog ein großes Hofconcert welches in den Annalen Weimars etwas unerhörtes ist. In der Stadt konnten wir kein Conzert geben, weil alle Tage mit einfallenden Hoffesten wegen des Geburtstags der Großfürstin, Erbprinzen etc. besetzt waren.

Den alten verehrungswürdigen Wieland habe ich gesprochen, und eine herzliche Freude über den herrlichen Greis gehabt. Capellmeister Müller hat sich sehr freundschaftlich und gefällig gegen uns benommen, und seine genauere Bekanntschaft hat mich um so mehr gefreut, als ich so manches widersprechende Urtheil über ihn gehört. Den Abend nach unserm Hofconzerte hatte er das Unglück zu fallen und sich die Hand bedeutend zu verrenken. Noch habe ich keine Nachricht ob es ihm besser geht, vielleicht sind Sie davon unterrichtet.

Seit dem 5. Februar sind wir nun hier in Dresden, und haben schon alle die langweiligen Kreuz- und Quergänge gemacht, die nöthig sind um zum Zwecke zu kommen. Heut Abend ist unser Conzert von dem ich mir gar nichts verspreche, und bei Hofe ist es zwar so gut wie gewiß, daß wir spielen, aber der Tag ist noch nicht bestimmt.

Beyliegende Rezension* bitte ich so bald als möglich zu Tage zu fördern, da ich sie ohnedies lange genug liegen * ließ. Es ist aber kaum möglich bey dieser ewigen Unruhe zu arbeiten, und ich werde mich in Berlin ein paar Tage einsperren, um alle rükständigen Aufsäzze zu vollenden.

H: Härtel hatte wohl nicht Lust meine Overture zu verlegen? ich weis nicht warum, aber es komt mir immer vor als hätte er nicht Lust sich in Geschäfte mit mir einzulaßen. Seit 6 Wochen habe ich keine Musikalische Z: gesehen.

Hat sich noch keine Idee in Ihrem Kopf fixirt, die mich mit der Hoffnung zu einer Arbeit beleben könte?

Können Sie ihrer Zeit ein paar Minuten abstehlen, so bitte ich Sie mir nach Berlin postrestant zu schreiben.

Empfehlen Sie mich Ihrer so achtungswürdigen Gattin aufs herzlichste, und vergeßen Sie den nicht der es uns unter seine liebsten Dinge rechnet, Sich Ihren Freund nennen zu dürfen. Carl Marie vWeber

Freund Bärmann empfiehlt sich bestens.

Apparat

Zusammenfassung

berichtet über Aufenthalt u. Konzerte in Gotha, Weimar u. Dresden; betrifft publizistische Tätigkeit;

Incipit

Mit Freuden ergreife ich die Feder um Ihnen mein Andenken zurück

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz, Joachim Veit

Überlieferung

Textzeuge

In Privatbesitz

Quellenbeschreibung

  • 1 DBl. (4? b. S. einschl. Adr.)

Überlieferung

  • Sotheby’s (18./19. Mai 1989), Nr. 549, mit Teil-Faksimile
Weitere Textquellen
  • MMW I, S. 333–335 (mit Kürzung)
  • Worbs 1982, S. 40–41

Textzeuge

Max Maria von Weber, Carl Maria von Weber. Ein Lebensbild, Leipzig 1864, Bd. 1, S. 333–335

Textkonstitution

  • "uns": durchgestrichen.

Einzelstellenerläuterung

  • "d: 23: unser Concert": vgl. Anmerkung im Brief an Johann Gänsbacher vom 28. Januar 1812
  • "Beyliegende Rezension": Im TB steht: an Rochliz geschrieben und die 2 Re: geschikt; außerdem noch Rez. zum KlA Vestalin – nicht erschienen. (Zu den näheren Umständen vgl. Briefe an Gottfried Weber vom 23. September 1810 und vom 8. Juli 1811 – vgl. auch Briefe an Gänsbacher);
  • "… ohnedies lange genug liegen ": Ab hier Übertragung nach dem Teilfaksimile aus der Auktion bei Sotheby’s (18-/19. Mai 1989), Nr. 549, S. 277.

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