Carl Maria von Weber an Ignaz Mosel in Wien
Hosterwitz, Sonntag, 5. Juli 1818

S. Hochwohlgebohren

dem Herrn von Mosel.

K: K: wirklichen HofSekretär pp

zu

Wien

abzugeben in der K: K: | Burg, im Amalienhofe | beim ObersthofMeister- | Amt.

Mein hochverehrter Freund!

Mit welchem herzlichen Antheil ich den glüklichen Erfolg Ihres Cyrus vernommen habe, kann ich Ihnen kaum genug aussprechen.

Wer ein wahrhaft deutsches redliches Künstlerherz in der Brust trägt dem kann nichts erfreulicheres sein als das Gedeihen einer Vaterländischen Pflanze, und zu diesem Gedeihen gehört dann auch noch nebst dem Fleiß und der Vollendung die man ihr möglichst gegeben, der Seegen von Oben zum glüklichen Gelingen, denn von wie viel kleinen Zufälligkeiten hängt dieß nicht ab, und wie viele Jahre vergehen dann ehe das Werk aus eigener Kraft sich wieder emporzuheben im Stande ist, Meist erst wenn wir Todt sind, und so schön das auch sein mag so ist es doch gar stärkend und tröstend es beim Leben auch noch zu genießen was  […]ht man mit Sorge und Schweiß geschaffen hat.      Heil Ihnen mein theurer Freund und KunstGefährte, daß Sie gute und sorgfältige Ausführung fanden, der Beyfalll müste denn wohl von selbst kommen.

Daß Sie die Rolle des Cyrus in weibliche Hände legten, damit ist auch mir ein großer Dienst erwiesen, und ein bedeutender Schritt zum früheren Erscheinen der Oper bey uns geschehen. Ich bitte Sie ja mir baldmöglichst die Umarbeitung, Abkürzungen pp zukommen zu laßen. Selbst der treusten Berechnung, der vollkomensten Erfahrung kann es nicht fehlen, daß sie noch zu dergleichen in den lezten Proben wo das Ganze so erst recht sich zu gestalten und ins Leben zu treten beginnt, veranlaßt und gezwungen werde. Wohl dem der leicht und gerne zum Nuzzen des Ganzen in seinem eigen Fleische wüthet.

Ich habe mir zu schnellster Verbreitung des glüklichen Erfolges Ihrer Oper die Freyheit genommen in unserer Abendzeitung eine kleine Notiz abdrukken zu laßen, damit das Ausland auch freudig hoffend nach Wien blikke.

Was die zerschlagene Unterhandlung mit Graf Brühl betrifft will ich wenn Sie es erlauben ihn gelegentlich wieder auf die Oper aufmerksam machen. ich stehe in fortwährender Berührung mit ihm, und darf hoffen daß er meinen Worten zutrauen schenkt.

S. Exellenz der H: OberststallMster Graf Vizthum freute sich Ihres gütigen Andenkens und erwidert Ihre Grüße bestens. | Ich habe endlich nach den angestrengtesten DienstArbeiten die Vergünstigung erhalten ein paar Monate auf dem Lande leben zu dürfen. Seit 8 Tagen genieße ich dieses Glük und fange an, mir selbst, meiner Kunst, und meiner lieben Hausfrau zu leben, Leztere hoffe ich bald einmal Ihrer verehrten Gattin die ich hochachtungsvollst grüße, und Ihnen mein lieber Freund in Wien vorstellen zu können, wenn anders meine Jägersbraut auf dem Kärnthnerthortheater gegeben werden darf. daß ich Anfangs dieses Jahres eine Meße geschrieben habe, wißen Sie glaub ich schon.      Ich habe so viel rükständige Arbeiten nachzuholen, und so große neue vor mir, daß mir ganz heiß wird, wenn ich daran denke, und ich das Land wohl mehr aus dem Fenster sehen als in der Wirklichkeit betreten werde. Wie Gott will.

Der liebe Zuruf meines mir so herzlieben Grafen Moritz Dietrichstein, hat mir sehr wohl gethan, danken Sie ihm doch recht innigst dafür.

Nochmals wiederhole ich meine theilnehmenden Glükwünsche, wenn die Blätter fallen, soll bey uns Ihr Cyrus steigen, dann mehr von Ihrem Sie stets mit aufrichtigster Freundschaft achtenden C. M. vWeber.

Apparat

Zusammenfassung

beglückwünscht ihn zum Erfolg des Cyrus, den er baldmöglichst übernehmen wolle; hat Artikel darüber in die Abend-Zeitung rücken lassen u. will Brühl nochmals auf die Oper aufmerksam machen; hofft auf Auff. seines Freischütz auch in Wien u. dortiges Wiedersehen

Incipit

Mit welchem herzlichen Antheil ich den glüklichen Erfolg

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  1. Wien (A), Österreichische Nationalbibliothek (A-Wn), Handschriften und Inkunabelabteilung
    Signatur: 7/124-9

    Quellenbeschreibung

    • 1 DBl. (3 b.S. einschl. Adr.); Siegel u. -loch

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • Schmid, Anton: "Briefe von Carl Maria von Weber an... Franz Edlen von Mosel" in: WAMZ 6.Jg.(1846), S. 481–482 (unter 5. Juni 1818)

Textkonstitution

  • „[…]ht“durchgestrichen.
  • „ein“über der Zeile hinzugefügt.
  • „die“über der Zeile hinzugefügt.

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