Carl Maria von Weber an Adolph Martin Schlesinger in Berlin (Entwurf)
Dresden, Donnerstag, 26. Dezember 1822

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Es würde unfreundlich aussehen, was ich weder sein noch scheinen* will - wenn ich noch ein Wort über die Volkslieder erwähnen wollte. da meine Vergeßlichkeit der Art so leicht möglich ist, um Ihnen aber zu beweißen daß meine Besorgniß nicht ungegründet war, erzähle ich ihnen bloß daß ich bereits d: 13: Xb von Fräulein Reichart einen Brief d 13 erhalten habe*, wo sie mir dankt und anzeigt die Volkslieder von Kranz bekommen zu haben. Wie unartig mußte ich in ihren Augen erscheinen. - -

H: Beer hat mir den Empfang von 200 rh: für meine Rechnung angezeigt. Ich weiß nicht was E: Wohlgebohren veranlaßt Gelder für mich an ihn zu zahlen, welches ihn nothwendig belästigen muß; ich erwartete bisher vergeblich erwartete rathen den Rest und die noch immer vergeßene Auswechslung des Contracts. H: Regißeur Wolf wird Ihnen eine Anweisung auf 78 rh: präsentiren die ich zu honoriren und um endliche Abrechnung unseres Geschäftes bitte. Nun zu den andern Puncten Ihres Briefes. Sie fodern ich solle wenn höhere Honorare anderer Verleger mir ein Honorar bewilligen nicht annehmen, sondern daßelbe Werk Ihnen | um ein geringes laßen. - könnte ich nicht mit einigem Rechte gegentheils von Ihnen verlangen daß Sie mir gerne mehr geben sollen als andre?

Ist es Ihnen ein Gefallen alle meine Werke zu verlegen oder soll ich es Ihren Verlag als eine mir erzeigte Gunst ansehen* wie Sie es thun, und diese lezte mit baaren Opfern erkaufen?

Mein Lieber H: Schlesinger, ich wollte ich könnte Ihnen dieß alles mündlich* sagen, so vielleicht würde es es Ihnen hoffentlich milder vorkommen, als so trokken da auf dem Papiere stehend. Aber die Sache ist einmal so, und Sie sind viel zu klug als daß Sie mir nicht nicht in Ihrem Innern Recht geben sollten.

Daß ich in Geschäfts Verhandlungen Kürze wünschemuß soll Sie nicht kränken; aber meine Zeit erlaubt gebietet es mirwahrlich nicht.

H: Schott hat nichts von mir. Er wünscht nun die Part: des Fr: zu stechen. das wäre eigentlich Ihre Sache. aber H: Gottfried Weber hat ihm vielleicht Flöten Variationen über das Brautlied gegeben*.

Will ihr H: Sohn - den ich aufs freundschaftlichste zu grüßen bitte - das Buch der Oper von Mehul mir schikken, und finden wir es paßend für unsere Verhältniße, wird mir ein Werk des trefflichen Meisters gewiß eine hochverehrte Sache sein.

Frau und Kind sind wohl und erstere erwidert dankend Ihren Gruß. Ich bin wahrlich immer der Alte, vergeßen Sie es nicht zu sein, so werden Sie mich auch nicht anders zu finden glauben. CMvWeber

Apparat

Zusammenfassung

verärgerter Brief, der sich auf Finanzregelungen u. Verlag von Webers Volksliedern u. a. Werke bezieht; fragt, ob er etwa ihm Werke billiger überlassen solle, bloß weil er alle Kompositionen zu verlegen wünsche; würde sich gerne mündlich mit ihm besprechen; erwähnt Wunsch von Schott, die Freischütz-Part. zu stechen; bittet Schlesingers Sohn um das Buch einer Méhul-Oper

Incipit

Es würde unfreundlich aussehen, was ich weder

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Joachim Veit

Überlieferung

  • Textzeuge: Entwurf: Brief in zwei Teilen

    Fragment 1

    Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: Mus. ms. autogr. theor. C. M. v. Weber WFN 6, Mappe XII, Bl. 78a/v u. 78b/r

    Fragment 2

    Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: N. Mus. ep. 1524

    Quellenbeschreibung

    • die Versoseite des Blattes enthält u. a. die beim Ausschneiden eines Brieffragments abgetrennten Zeilenanfänge sowie den Absendevermerk zu diesem Entwurf
    • als Randbemerkung notiert: „abgesendet und erneuert d: 6t Februar 1823.“

Textkonstitution

  • „bloß“über der Zeile hinzugefügt.
  • „d: 13: Xbüber der Zeile hinzugefügt.
  • „d 13“durchgestrichen.
  • bekommen„erhalten“ durchgestrichen und ersetzt mit „bekommen“.
  • „ich erwartete bisher vergeblich“am Rand hinzugefügt.
  • „erwartete“durchgestrichen.
  • rathenüber der Zeile hinzugefügt.
  • „rathen“Unsichere Lesung.
  • „H: Regißeur Wolf … Puncten Ihres Briefes.“am Rand hinzugefügt.
  • „wenn“durchgestrichen.
  • „höhere Honorareüber der Zeile hinzugefügt.
  • „mir ein Honorar bewilligen“durchgestrichen.
  • „gegentheils“über der Zeile hinzugefügt.
  • „es“durchgestrichen.
  • „Ihren Verlag“am Rand hinzugefügt.
  • „wie Sie es thun“durchgestrichen.
  • „lezte“durchgestrichen.
  • „Mein“am Rand hinzugefügt.
  • „so“durchgestrichen.
  • „vielleicht“über der Zeile hinzugefügt.
  • „es Ihnen“über der Zeile hinzugefügt.
  • „hoffentlich“durchgestrichen.
  • „nicht“durchgestrichen.
  • „nicht in Ihrem Innern“am Rand hinzugefügt.
  • „muß“durchgestrichen.
  • „erlaubt“durchgestrichen.
  • „gebietet“unter der Zeile hinzugefügt.
  • „mir“unter der Zeile hinzugefügt.
  • „Er wünscht nun … eigentlich Ihre Sache.“über der Zeile hinzugefügt.
  • „aber“durchgestrichen.
  • „vielleicht“über der Zeile hinzugefügt.
  • „schaft“durchgestrichen.
  • „von Mehulüber der Zeile hinzugefügt.
  • Frau und Kind sind wohl und erstere erwidert dankend Ihren Gruß.“durchgestrichen.
  • 6„7“ überschrieben mit „6“.

Einzelstellenerläuterung

  • „… ich weder sein noch scheinen“durch Ziffern korrigiert aus: scheinen noch sein.
  • „… Brief d 13 erhalten habe“Den Brief erhielt Weber laut Tagebuch am 21. Dezember 1822; der genannte 13. Dezember könnte evtl. das Absendedatum des Briefes sein, möglicherweise beruht Webers Datumszusatz aber auch nur auf einem Irrtum.
  • „… eine mir erzeigte Gunst ansehen“Vgl. dazu Webers Ärger über Schlesingers Ansicht, den Ruhm des Komponisten durch eigene „Aufopferungen“ begründet zu haben, im Brief an H. von Chézy vom 22. Dezember 1822.
  • „… könnte Ihnen dieß alles mündlich“durch Ziffern korrigiert aus: mündlich dieß alles.
  • „… Variationen über das Brautlied gegeben“Gottfried Webers Variationen über ein Freischütz-Thema für Flöte mit Gitarre ad lib. op. 37 erschienen vor Mai 1823 bei Simrock.

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