Franz Anton von Weber an Franz Kirms in Weimar
Freiberg, Mittwoch, 10. Dezember 1800

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So eben erhalte disen Morgen 10 uhr dero gütiges vom 5t dises, und sage im voraus den gehorsamsten Dank für die gütige Besorgung des für H Destouches ausgelegten Geldes, so bald ich es erhalten, werde nicht ermangeln die schuldigste Anzeige davon zu machen; unendliche Freude würden Euer Wolgebℓ mir machen, wenn Sie die angebothene oper meines Sohnes nehmen würden, damit die alten Vaters Freuden vermehrt, und dises junge ausgezeichnete Talent dadurch mehr bekannt würde, ich bitte Sehnsuchtsvoll darum, meine flehentliche Bitte zu erhören! ich bin so frey, Ihnen noch einen Zettel beyzuschließen, wo dies oper vorigen Freitag in Chemniz auch gegeben und vom Publico zu widerholen gebethen wurde*, und die Meisten arien wurden da capo bey vollem Hause gerufen*. Steinsberg nahm an baarem Gelde ohne das abbonement 98 rth. ein, ich mit meinem Sohne waren zugegen. für einen so kleinen ort ist dise Einnahme ziemlich erträglich. der auf dem Zettel bemerkte Krüger ist nicht derjenige gewesene Directeur Krüger der voriger Früh Jahr hier, und nachhero in Töpliz spielte, wo er scheiterte, nachdeme er hier beträchtliche Schulden hinterlaßen hat er ist gegenwärtig, wie es heißt, in Prag als Schauspieler eingetreten. auch hier liegen noch genug zahlbare von ihme ausgestellte Wechsels fruchtlos. Seine Garderobe hat er in Töpliz an einen gewüßen Harte und Assmann verkauft für 200 leichte Gulden und dise Garderobe ist hier beym Statt Musicus | für |[:] ni fallor :| 60 rth Schuld verfändet, und ich habe wohl von Steinsberg in Chemniz gehört, das Er solche an sich kaufen will, wie wäre es? wenn Euer p. disen Garderobe mit arrest belegen ließen, ein inventarium davon sich geben liesen, alles dises will mit der grösten Sorgfalt gerne besorgen, wenn Sie mich gehörig bevollmächtigen wollen, und für dieselben dienlich zu seyn glauben, ich stehe ganz zu Dero Befehle, nur müßte kein Posttag versäumt werden.       Weyrauchs sind gar nicht nach Rußlandt gekommnen, sondern sind, weil sie keinen kayserlichen Paß hatten, an der Gränze zurükgewiesen worden und waren genöthiget, bey der Königsberger Gesellschaft sich zu engagiren*, müßen Jährlich 3 schwere Winter Reisen machen, sind gegenwärtig in Danzig bis zum 20t dises, von da gehen sie nach Königsberg zurük, sind höchst unzufrieden, nicht wegen richtig guter Zahlung, aber sie können das Clima nicht vertragen, und bombardiren mich erschreklich Ihnen widerum nach Teutschlandt zu verhelfen, da Er Weyrauch beständig krank*, das dortige Clima nicht vertragen könne, | sie haben schon 3 Briefe von Titℓ* Kozebue erhalten, welcher Ihnen die vortrefflichst- und unverwerflichsten Vorschläge gethan, um nach Petersb zu kommen, sie haben um meinen Rath gefragt, so sie eher hätten thuen sollen, und ich habe es Ihnen abgerathen, sie die Weyrauch hat auch gar kein Sinn für Petersb und ich habe es Ihnen mit aller Gewalt misrathen; zu dem kommt noch ein Unglük, das sie Ihre beyde schwehr beladenen Coffres, so in Petersburg stehen, nicht zurükerhalten können, ohnerachtet sie alle legitimation und dafür geforderten Gelder hinein geschikt haben, und sich das sind die Folgen – ja wohl die verdienten Folgen eines höchst dummen Streiches, dem sie dadurch gemacht haben, da sie ein so herrlich und ruhiges Brodt, wie das liebe Weimar ist, so unvernünftig mit Füßen gestoßen haben, worüber sie beständig die bittersten Vorwürfe von mir hören müßen; dagegen bin ich so frey Ihnen meinen Jüngern Sohn mit seiner vortreflichen Frau einer sehr braven Sängerin bestens zu empfehlen, dises ist ein sehr geschiktes und ruhiges paar. Gegenwärtig in Bautzen bey der | Witterschen Gesellschaft als Directeur und Regisseur der oper und sie als erste Sängerin angestellt, dises Paar wünschte ich Ihnen, und dise würden gewüs niemals von Weimar weggverlangen, sie haben 18 rth Gage*.

Euer p. verzeihen gütigst, wenn ich Sie mit meinem Gewäsche ermüdet habe, empfehle meine Bitte, erwarte Ihre Befehle, und bin Hochachtungs voll Ihr
g[an]zergebenster Diener
FAB:v:Weber

Apparat

Zusammenfassung

bittet, C.M.v. Webers Waldmädchen anzunehmen; beschreibt den Erfolg der Oper; betr. Schulden und verpfändete Kleidung Krügers; ausführlich über Ehepaar Weyrauch und dessen wegen Pass-Problemen erzwungenen Zwischenstationen auf der Reise nach St. Petersburg, empfiehlt Kirms seinen jüngeren Sohn Edmund mit Frau.

Incipit

So eben erhalte disen Morgen 10 uhr Dero gütiges

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Frank Ziegler

Überlieferung

  1. Weimar (D), Landesarchiv Thüringen - Hauptstaatsarchiv Weimar (D-WRl)
    Signatur: Generalintendanz des DNT, Sammlung Pasqué C I, Bl. 183 u. 185 (ehemals 201 u. 203)

    Quellenbeschreibung

    • 1 DBl. (4 b.S. o.Adr.)

    Beilagen

    • gedruckter Theaterzettel der Chemnitzer Aufführung des Waldmädchens vom 5. Dez. 1800 (inliegend als Bl. 184, ehemals 202)

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • Pasqué, Ernst: Zu K.M.v.Weber’s Familien- und Jugendgeschichte, in: Recensionen und Mittheilungen über Theater, Musik und bildende Kunst, Wien, 8.Jg. (1862), No. 8, S. 118–119
    • Pasqué, Ernst: Goethe’s Theaterleitung in Weimar. Bd. 2, Leipzig 1863, S. 26–30

Textkonstitution

  • „Dank“über der Zeile hinzugefügt.
  • „Schuld“über der Zeile hinzugefügt.
  • „und sich“durchgestrichen.
  • „der oper“über der Zeile hinzugefügt.

Einzelstellenerläuterung

  • „… Publico zu widerholen gebethen wurde“Eine für den 2. Januar 1801 geplante Wiederholung der Oper in Chemnitz fand nicht statt; vgl. Chemnitzer Anzeiger vom 14. März 1801.
  • „… capo bey vollem Hause gerufen“Dieser Darstellung widerspricht der Bericht im Chemnitzer Anzeiger vom 21. Februar 1801. Bestätigt wird in den Freyberger gemeinnützigen Nachrichten vom 29. Januar 1801 allerdings das volle Haus.
  • „… Königsberger Gesellschaft sich zu engagiren“Das Ehepaar hatte Ende 1799 sein Weimarer Engagement aufgekündigt und verließ das dortige Hoftheater zu Ostern 1800 mit Ziel St. Petersburg. Aufgrund der hier beschriebenen Probleme beim Grenzübertritt mussten sie sich nach längerer (ca. dreimonatiger) Wartezeit in Memel vorübergehend der Schuchischen Gesellschaft anschließen, die wechselnd in Danzig und Königsberg spielte. Ihr Vertrag als Mitglieder des deutschen Hoftheaters in Petersburg datiert vom 15. Februar 1801, ihre Ankunft dort ist für den Sommer (ca. Juli/August) 1801 dokumentiert; vgl. Weberiana 14, S. 78f. sowie Weberiana 20, S. 98–100.
  • „… da Er Weyrauch beständig krank“Vincent Weyrauch erholte sich von seiner Erkrankung nicht mehr und starb am 5. Mai 1802 in St. Petersburg; vgl. Weberiana 20, S. 100.
  • „… schon 3 Briefe von Titℓ“Kotzebue hatte zwar im Spätsommer 1800 bei seiner Ernennung zum Direktor des deutschen Hoftheaters den Titel Hofrat erhalten, Weber benutzt aber noch seinen älteren (seit 1783 gültigen) Titel als Titularrat.
  • „… sie haben 18 rth Gage“Die Weimarer Theaterdirektion dürfte kein Interesse bekundet haben, denn Edmund und Louise von Weber blieben bis März 1803 Mitglieder der Witterschen Gesellschaft; vgl. Weberiana 18, S. 21f. und 31.

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