Aufführungsbesprechungen Prag, Ständetheater, Februar 1813

Korrespondenz und Notizen.

Aus Prag.

Im Monate Februar wurden Thalien wenig neue Opfer gebracht, und es scheint, als hätte diese Muse selbst ihre Verehrer in das Gebiet Terpsichorens gewiesen.

Am 12ten bereitete uns Hr. Grünbaum, als am Tage seiner Einnahme (denn wir gewinnen meistens nur durch Benefize die Vorstellung neuer, oder neu einstudirter Opern) den Genuß der herrlichen Pär’schen Oper: Achilles, nach einer eigenen Uebersetzung, die freilich keine reiche Ader von Dichtergeist verräth, aber, mit Ausnahme einiger barocker Ideen, doch immer an die Seite der Castellischen und Seyfried’schen ähnlichen Arbeiten mit Recht gesetzt zu werden verdient. Die Aufführung derselben war nicht von befriedigender Art, und wenn wir gleich Dem. Müller als Brisels, Hrn. Grünbaum als Achilles, und Hrn. Schreinzer als Agamemnon ihres schönen Gesanges wegen loben müssen, so können wir doch ihr Spiel, noch weniger aber Spiel und Gesang der übrigen darstellenden Personen genügend nennen.

Ein Herr Julius gibt seit einiger Zeit Gastrollen auf unserer Bühne. Wir sahen ihn bisher als Lieutenant Graf Werthen in dem Lustspiele: Die beschämte Eifersucht; als Pankrazkus Wachtel in dem Lust¦spiele: Sorgen ohne Noth und Noth ohne Sorgen (wobei ihm die Ehre des Hervorrufens zu Theil ward); als Major von Sonnenschild in dem Lustspiele: Der Hausdoktor, und endlich als Graf Benjowsky in dem Schauspiele: Die Verschwörung auf Kamtschatka. In seinen Darstellungen, die zu nicht unbedeutenden Erwartungen berechtigen, offenbarte sich ein Geist, der durch gute Muster geleitet, etwas Vorzügliches dereinst wird leisten können, und daher auf dieser Bahn zu bleiben, ermuntert werden darf.

Mit dem bevorstehenden Benefize der Demois. Müller steht uns auch das Vergnügen bevor, die, in dem Andenken aller Musikfreunde, immer noch entzückende Oper: Zemire und Azor von Gretry zu sehen, und dadurch mehrere Abende angenehm zuzubringen.

Am 19ten Febr. gab Hr. Friedrich Brandt, königl. bierscher [bayerischer] Kaammermusikus und erster Fagotist im Conviktsaale eine große musikalische Akademie, die uns einen herrlichen Genuß gewährte, und dem vortrefflichen Künstler enthusiastischen Beifall verschaffte. Folgende Stücke bildeten das Ganze: im ersten Theile: Ouvertüre von J. Gänsbacher, Fagotkonzert, komponirt von Karl Maria v. Weber und meisterhaft geblasen von Brandt, die Ideale von Schiller, deklamirt von Mad. Brede, und Arie: gesungen von Müller; im zweiten Theil: Ouvertüre von Pär, Krispin und Krispine von Gellert, deklamirt von Mad. Brede, dann ein Andante e Rondo ungarese, komponirt von Karl Maria v. Weber, geblasen von Brandt, die durchgehends sehr gut exekutirt, und von dem Orchester mit gelungenem Eifer unterstützt wurden.

Die Karnevalslustbarkeiten haben nunmehr ihr Ende erreicht. Außer den gewöhnlichen Redouten, in welche die drei ersten Sonntage verschiedene, von dem gegenwärtigen Pächter, Hrn. Liebich, veranstaltete Spektakelstücke eine bedeutende Menge Neugieriger lockten, und die später, wie immer, sehr zahlreich besucht wurden, hatten wir die Societätsbälle des hiesigen Adels, dann die der Scharf- und Bolzenschützen und einen von dem Freiherrn von Bredtfeld zu Ehren der Prager hohen Schule gegebenen Ball, welcher sich vor allen an Glanz und Schönheit auszeichnete, und dem beinahe alle Großen der Stadt beiwohnten.

Die diesjährige Tanzmusik bestand aus Wiederholung alter Gedanken und schlechter Verarbeitung neuer, die den Tanzlustigen nicht sonderliche Schwungkraft verlieh, und die meistens von solchen Komponisten herrührte, welche nichts mehr als ihren Namen dabei ihr Eigenthum nennen können.

In unsern Buchdruckerpressen herrscht jetzt Stillstand. Schießler’s längst erwartetes zweites Bändchen seiner neuen Darstellung Prags und der Umgebungen desselben, wird in einigen Tagen fertig.

Karl Maria v. Weber, auf dessen Besitz als Kapellmeister bei unserm Theater, statt des mit Ostern von hier abgehenden W. Müller wir mit Recht stolz seyn können, arbeitet an einer neuen Oper: betitelt: Libussa, die einen Berliner Dichter zum Verfasser, und die böhmische Sage von dieser Prophetin zum Gegenstande haben soll.

Apparat

Entstehung

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Mo, Ran

Überlieferung

  1. Zeitung für die elegante Welt, Jg. 13, Nr. 58 (22. März 1813), Sp. 463–464

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