Caroline von Weber an Carl Maria von Weber in London
Dresden, Samstag, 25. März und Sonntag 26. März 1826 (Nr. 9)

erhalten  London d: 6t Aprill 1826.
betw ---------     7 --------------
durch No: 17.

Mein innigst geliebter Theurer Carl!

Deinen lieben Brief No 9. vom 10ten habe ich 3 Tage später erhalten als die Briefe von Fürstnau vom selben Datum ankamen. Ich habe die Freude also doppelt genoßen. Du glaubst nicht mein theures Leben wie glüklich mich die frohen Nachrichten machen! Manchmal kömt es mir freilich vor, als könnte ich es Deinen letzten Brief ansehen daß Du sehr angegriffen bist, auch erwähnst Du Dein Befinden nur so flüchtig, daß ich fast fürchten muß Du hast mir nichts Gutes schreiben können – aber ich will mich dem Gedanken nicht hingeben, will fest auf Gott vertraun der gewiß meinen guten Carl beschützen wird. Max sagte heute als er mich einmal seufzen hörte: bist Du schon wieder ängstlich? ich bete ja alle Abend für den Vater, was kann ihm denn geschehn! und wie er gestern erwachte und sah, das es schneite und regnete, meinte er: unser Alterchen hat heute wieder schlecht wetter! Manchmal ist der Bursch gar so lieb. Du arme Männe! wie bist Du gehetzt! es schwindelt mir wenn ich Deinen Brief lese – was hast Du alles zu thun! und dabey sollst Du noch arbeiten! habe ich es nicht vorher gesagt daß das kaum moglich sein wird? ach wenn es Dich nur nicht gar so sehr angreift, ich zittere recht dafür. nun komen auch noch die Proben vom Oberon dazu, aber ich hoffe Du hast Dirs da comode gemacht. Recht begirig bin ich zu hören wie Du mit den Sängern zufrieden bist, wie sie sich nehmlich in die Musik finden, ob Braham wirklich so eigensinnig ist pp Das Du mir keine längeren Briefe schreibst, darüber soll ich nicht böse sein? Ey mein guter Muks, ich schätze mich ja unentlich glüklich daß Du mir so viel schreibst. Du armer Mann must gewiß die Zeit dazu stehlen – ach könnte ich Dir meine Zeit dazu geben, wie gerne wollte ich, mir wird sie manchmal lang. Heute bekam ich einen Brief von Herrn Schlesinger worin er um die Erlaubniß anfragt einige Stüke aus dem Oberon in Blums Conzert aufzuführen*. Den Elfenchor und die Romanze der Fatime (am Klavier) Ich weiß nicht ob ich recht gethan habe es ihm abzuschlagen*, aber | erstens wuste ich daß nichts öffendlich soll davon gegeben werden bis die Oper in London gegeben ist, und zweitens halte ich es nicht für ganz gut die Sachen am Klavier zuerst zu geben. Schlesinger meinte zwar Du habest mir befohlen ich solle ihm gleich die Partitur schiken und da könne ja der Elfenchor mit Orchesterbegleitung gegeben werden, aber den Brief worin Du mir das befiehlst habe ich noch nicht, und dann glaube ich auch nicht daß Dir es Recht wäre[.] Also habe ich es ihm in Gnaden abgeschlagen. Zugleich schrieb er mir aber auch die frohe Nachricht, daß das 2t Oratorium ebenfalls sehr brilliand ausgefallen sey und man Dich eben wieder so geehrt habe wie das erste mal; vom Fürstnau schreibt er aber kein Wort. Gewiß bekome ich morgen auch einen Brief von der Männe, und da erfahre ich auch wohl schon manches von der Oper. Alle Zeitungen sind schon voll von Deinem Empfang in London, und Du bist wohl der, von dem jetzt am meisten gesprochen wird. wie stolz Deine Lina ganz heimlich im Herzen ist, kann ich Dir nicht beschreiben ach meine gute gute Männe, könnte ich Dir nur meine Gesundheit geben, damit Du Dich Deines Glüks auch freuen könntest. Ich bin gott lob von meinen Uibeln fast ganz befreit, nur mit dem Schlaf will es noch nicht wieder ganz gut gehen, aber wenn Du nur erst wieder da bist wird sich das auch finden. Schon 6 Wochen bist Du fort! Gott lob! die kleine Hälfte! aber dazu lachst Du, nicht wahr! vor Juli komst Du wohl nicht wieder? nun, wenn Dir’s nur wohl geht dan bleibe ja so lang es Dich freut, ich bin gewiß damit zufrieden[.] Aber faullenzen sollst Du auch wenn Du wieder da bist, dafür steh ich Dir, an’s arbeiten darfst du im ersten Jahr nicht denken. laß Dir ja nichts aufhängen | sonst hänge ich mich auf. – gestern kam Hummel hier an, er wird den 2t Ostertag bey Hoff spielen, er grüßt herzlich. morgen ist er mein Gast. Er geht nach Berlin und Leipzig Conzert zu geben. Er hat seine Klavierschuhle beendet, und bekomt von Peters 5000 Thaler dafür*. Künftiges Jahr geht er wieder nach Paris seine Oper dort zu schreiben* – . wenn ich nur erst wüßte welchen Tag der Oberon gegeben wird. Schlesinger schreibt mir: die ersten Tage des Aprill! villeicht den 6t an Allex Geburtstag? das träfe sich wie damals in Wien wo Max auch 1 1/2 Jahr alt wurde wie Euryanthe gegeben wurde.

Doch für heute muß ich nun wohl schließen denn villeicht bekome ich morgen ein liebes Briefel vom Muks, und da muß ich noch ein bißel Platz haben[.] also gute Nacht für heute mein lieber lieber Alter. Gott segne Dich + + +. ich küße Dich 1000mal

welche Freude! eben erhalte ich Deine beiden lieben Briefe No 10.11. Mein geliebter Mann! wie gut bist Du! ach könnte ich Dir nur sagen wie unentlich lieb Deine Lina Dich hat. Ach wollte doch Gott zu so viel Segen auch noch den geben, daß mein Alter sein Glük genißen könnte. Es ist würklich gar so traurich Dich unvermögend zu wißen Dich zu freuen. Doch wir wollen Geduld haben, villeicht thut die Ruhe in Hosterwitz Dir wohl. Deine Alte wird Dich treulich pflegen[.] Schone Dich nur ja, und ärgere Dich nicht. Doch es scheint mir als wäre das Letztere bis jetzt noch nicht vor gekomen. Wenn nur erst die Oper gut vorüber ist, daß ist noch eine grose Sorge für mich. Du schreibst mir nicht ob die Sänger zufrieden mit Ihren Parten sind? doch das wird sich finden. Über das Wäschen habe ich mich recht gefreud, wirst Du es schiken . Wirst Du auch noch ein Conzert geben? Daß Du mit meiner Handlungsweise bey dem Geldgeschäft zufrieden warst, ist mir eine grose Freude. Jetzt habe ichs auf Engelhards Rath gegen hinlängliche Sicherheit zu 5 Prozent ausgeliehen, aber nur bis Johanni. Ich mögte dann gern es mit Deiner Zustimung an Keller geben, aber Du scheinst es nicht zu wollen, und das ist mir Befehl – wenn nur die Papire sicher sind, man wird gar zu ängstlich. Wie weit magst Du mit Deiner Arbeit sein? gewiß must Du Dich noch recht hetzen wo kanst Du in diesem Trubel nur Ideen her kriegen | nur eine Stunde mögte ich bey Dir sein. Kaskel deßen Bruder in Hamburg war erzählte, an der Börse sey eigens ein Zettel angeschlagen gewesen der die Nachricht Deiner Glüklichen Ankunft in England anzeigte[.] Wie bey einen Monarchen. Kann den all das Dich nicht erheitern? meine liebe liebe Männe nim Dich recht zusamen und gewöhne Dich wieder ein bißel an die Freude es geht doch wohl. Ich kann Dir nicht sagen wie schmerzhaft es ist, Dich so abgespannt und traurich zu wißen. gewiß laß ich Dich nicht mehr allein reisen, und sollte ich Alles verlaßen um bey Dir zu sein. Die Kinder sind gott lob! gesund und auch zimlich artig, wenigstens nicht bös. beide wachsen zusehns.

Deine beiden lieben Briefe ortendlich zu beantworten muß ich zum nächsten Brief ersparen, denn dieser soll auf die Post, und ich habe heute Gäste. Gott segne Dich mein inigst Geliebter Theurer Carl! mögte er doch all meine gesunden Tage Dir schenken wie gern wollte ich für Dich leiden. leb wohl leb wohl mein Theures Leben. ich gebe Dir gute gute + + +. ewig Deine treue Dich unentlich liebende Lina

Du bist doch nicht wieder heiser

Apparat

Zusammenfassung

teilt ihm mit, daß sie Schlesinger die Genehmigung abgeschlagen hat, zwei Stücke aus dem Oberon vorab in einem Konzert mit Klavierbegleitung aufzuführen; Hummel ist angekommen und wird bei Hofe konzertieren. Privates

Incipit

Deinen lieben Brief No 9 vom 10t habe ich 3 Tage später

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz, Joachim Veit

Überlieferung

Textzeuge

Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin PK , Musikabteilung (D-B)
Signatur: Mus.ep. Caroline von Weber 9

Quellenbeschreibung

  • 1 DBl. (4 b.S. o.Adr.)
  • mit Empfangs- u. Beantwortungsvermerk Webers

Textkonstitution

  • "No 10.11.": Hinzufügung.

Einzelstellenerläuterung

  • recte "9": in der Vorlage "8"
  • "Erlaubniß anfragt einige … Blums Conzert aufzuführen": Die von Carl Blum in Berlin geplante Voraufführung des Elfenchors Nr. 1 und der Romanze der Fatima Nr. 10 aus dem Oberon kam durch Webers Einspruch nicht zustande; vgl. Frank Ziegler, Felix Mendelssohn Bartholdy und Carl Maria von Weber, in: Mendelssohn-Studien, Bd. 16, S. 58; vgl. außerdem Webers Briefe an seine Frau vom 6. und 24. bis 25. April 1826.
  • "… gethan habe es ihm abzuschlagen": vgl. den Brief von Caroline an Schlesinger vom 25. März 1826.
  • "seine Klavierschuhle beendet, … 5000 Thaler dafür": Hummels Ausführliche theoretisch-practische Anweisung zum Piano-Forte-Spiel erschien erst 1828 in Wien.
  • "seine Oper dort zu schreiben": Die 1827 geplante Reise kam höchstwahrscheinlich nicht zustande, eine für Paris entstandene Oper Hummels ist nicht bekannt.

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