Carl Maria von Weber an Caroline Brandt in Prag
Dresden, Freitag, 25. Juli 1817

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Mein lieber guter Herzenshamster!

Danke schön für deinen lieben und auch freundlichen Brief Nr: 73, den ich gestern Mittag erhielt. Ich habe aber an diesem sowohl als auch an dem Empfang, den du mir von meinen Briefen anzeigst, gesehen, daß die Briefe außer den gewöhnlichen Posttagen viel langsamer gehen, so daß du mein[en] 67. erst d: 19t. erhalten und deinen 73. vom 20t. ich erst d: 24t., also so spät, als ob er den 22t. wäre zur Post gekommen. Die werden wahrscheinlich in Teplitz einen Tag liegen bleiben. Wegen meinem Hals sei außer Sorge, lieber Schneefuß, er fängt schon an sich zu bessern und ist heute um vieles besser. Auch schone ich mich so viel als möglich, wozu mir die Unpäßlichkeit des H. Bergmanns recht zu statten kömmt.

Was die Berl[iner]: Angelegenheiten betrifft, so steht’s damit noch beim alten, neigt sich aber immer mehr nach B:. Der Graf muß in Pillnitz vorgestern keine ganz guten Geschäfte gemacht haben, denn außerdem hätte er sie mir gewiß gleich berichtet, auch soll er gestern den ganzen Tag sehr übler Laune gewesen sein. Nun, wie gesagt, abermals das Wörtlein Geduld hervorgesucht, -- in 14 Tagen muß alles entschieden sein. Gestern früh probierten wir bei mir die kleine Kantate, die ich zu dem morgenden Annentage komp[oniert] habe, und alle waren ganz gerührt von dem kleinen Ding. Heute ist die 2t: Probe, und morgen früh 5 Uhr geht‘s nach Pillnitz damit. Nachmittags brachte mir Bött[i]ger den H: v: Curländer /: der mehrere Stücke geschrieben hat :/ er hat Silvana in Prag gesehen und war sehr zufrieden damit, besonders mit E[w]: Gnaden Waldteuferl. Wir gingen alle aufs Bad zu Winkler, und ich stürzte mich ins Wasser, trank dann Tee und ging bald ins Bett. Die Anstalten zu unserer Reise beschäftigen mich sehr, und ich studiere manchmal die Postkarte, um die beste Tour, auf der auch etwas zu holen und zu sehen ist, zu machen. Viel ist da nirgends zu holen, und wenn ich die Reisekosten herausschlüge, wäre ich schon sehr vergnügt, denn dann wäre doch etwas erspart und ein Anfang da. Also 200 F[l] W[iener]: W[ährung] hast du noch an Kleine* zu zahlen? Und 100 [Gulden] Con[ventions Münze]: glaubst du vom Benefize übrig zu behalten? Nun eben, es ist doch etwas. Du machst mich lachen, daß du von in einem Jahre wieder ersparen sprichst, das sind Hirngespinste, mein guter Muks; wir wollen Gott danken, wenn wir auskommen mit Ehren mit der Gage, und nicht das, was ich allenfalls extra verdiene, noch zusetzen. Nun, das wird sich alles finden, wären wir nur schon in Ordnung. Bleibe ich nicht hier, so wirst du kaum einen Monat in Dresden leben, den 8ber und 0ber [Oktober und November] sind wir auf der Reise, also dann nur noch den Xber [Dezember]. Ich kann dir nicht genug sagen, wie neugierig ich auf das Resultat der Sache bin, obwohl ich es vorauszuwissen glaube. Daß die Schröder sich wieder erholt hat, freut mich sehr, solche Talente sollten nie untergehen, wenn sie schon einmal ganz aus dem Leben herausgerissen und ganz der Kunst angehörig sind. Löwes Abspringen wird G. Küstner* allerdings nicht zugeben. Es ist doch Volk ohne Treu und Glauben, dieses Theatervolk.

Deine Versicherungen über die gute Stimmung und deine Meinung von Drs: hat mich wieder etwas beruhigt, denn in deinem letzten Briefe warst du ganz wieder die argwöhnische, Ärger aufsuchende und sich selbst aufreizende Mlle: Brandt, hast dich aber gleich wieder ritterlich zusammengenommen und den Dämon bekämpft. Und das war gut! Was die Geschenke an Drs: betrifft, muß ich dir aber widersprechen. So oft ich noch kam, brachte ich ihnen was mit. Täte ich es jetzt nicht, so sähe das gerade aus, als hätte man nur so lange gegeben, als man sie brauchte, und solch einem häßlichen Argwohn muß man auch im entferntesten nicht das Aufkommen erlauben um ein paar Taler Geld willen. Drum hilf mir nur, etwas Zweckmäßiges und nicht zu Kostbares für sie auszufinden.

Wegen dem Perkalmuster sage ich dir, daß es kein Perkal war, sondern halb Leinen, halb Baumwolle. Nun an dich eine Gewissensfrage: du hast mir, wie ich dich schon einmal fragte, was ich dir für ein Hochzeitskleid bringen dürfte, von einem weißen gestickten gesprochen. Ist das noch dein Wunsch, oder ist dir jetzt etwas anderes lieber? Ich bitte dich mir das bald zu schreiben, denn ich muß jetzt daran denken, nach und nach alles zu ordnen. Wegen der Beseitigung der Schachteln laß dich im voraus küssen, mein exzellenter Muks. Der Mutter ihr Koffer muß aber viel früher weggeschickt werden, denn wir können nichts als ihr Notwendigstes mitnehmen, weil ich mich auf die weitere Reise mit vielen Noten usw. versehen muß*. Auch besinne dich auch recht genau, ob du sonst nichts als den grünen Überrock aus deinem Koffer hier brauchst.

Nun muß ich mich anziehen, Muks, und dir ade sagen. Es ist drückend heiß, aber schönes fruchtbares Wetter, recht gut zu meinen Bädern. Gott segne dich + + +, mein geliebtes Leben. Sei heiter und brav. Grüße die Mutter, Drs: usw. und behalte lieb deinen dich über alles liebenden treuen Carl.

Von Louis und Vater immer noch keine Antwort.
Millionen Busserln.

Apparat

Zusammenfassung

betr. seinen Ruf nach Berlin; finanzielle Erwägungen; betr. Prager Theater; Reisevorbereitungen

Incipit

Danke schön für deinen lieben und auch freundlichen Brief

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  • Textzeuge: In Privatbesitz

    Provenienz

    • Henrici, Kat. 114 (6./7. Dez. 1926, mit Liepmannssohn = Slg. Heyer I), Nr. 593
    • Liepmannssohn, Verst. 35 (26./27. Mai 1905), Nr. 1029

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • Kinsky, Georg: "Ungedruckte Briefe Carl Maria v. Webers", in: Zeitschrift für Musik, Jg. 93 (1926), S. 337–338

    Einzelstellenerläuterung

    • „… hast du noch an Kleine“Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich hier um einen Lesefehler aus „Kleinw.[ächter]“.
    • „… Löwes Abspringen wird G. Küstner“Das „G. Küstner“ ist vermutlich ein Lesefehler aus „H[err] Küstner“ und entsprechend falsch gedruckt. Ludwig Löwe hatte, wie sein Bruder Ferdinand, mit Küstner einen Vertrag abgeschlossen, der ihn 1817 ans neu gegründete Leipziger Theater verpflichtete, brach diesen Kontrakt jedoch und blieb am Prager Ständetheater; vgl. Karl Theodor von Küstner, Vierunddreißig Jahre meiner Theaterleitung in Leipzig, Darmstadt, München und Berlin. Zur Geschichte und Statistik des Theaters, Leipzig 1853, S. 16.
    • „… vielen Noten usw. versehen muß“Weber plante, auf der gemeinsamen Hochzeitsreise mehrere Konzerte zu geben, so dass er das nötige Notenmaterial mitführen musste; vgl. den Brief an Gottfried Weber vom 21. Juli 1817.

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