Karl Theodor Winkler an Giacomo Meyerbeer in Paris
Dresden, Freitag, 28. April 1837

Sr. Wolhlgeb.

Herrn Kapellmeister Meyerbeer

Ritter mehrr. Orden

Paris.

Mein geliebter Freund!

Schlesinger besuchte mich gestern und hat viel mit mir von Ihnen gesprochen. Das that mir wohl, denn Freund des Schreibens sind Sie nicht, folglich mag ich Sie auch nicht mit Briefen plagen. Alles unsere Weber Angelegenheit betreffend, erhalten Sie mündlich von ihm mitgetheilt, nichts also hier davon, als den innigsten Wunsch, daß Ihnen der Himmel Geduld zu diesem wohlthätigen Werke geben möge! Kraft verlieh er Ihnen dazu, und Sie werden es ausführen, und dadurch für die Hinterlassenen des verbrüderten Meisters mehr thun als der Staat und ganz Europa that;

Innig erfreue ich mich des entschiedensten und dauerndsten Beyfall den Ihre treflichen Hugenotten in Leipzig fanden. Wie es möglich seyn wird, sie hier zu geben, weiß ich noch nicht, denn unsre Geistlichkeit ist zelotischer als je, aber ich verzweifle nicht daran. Den Choral können wir aber in keinem Falle opfern, und so muß es erst durch Kämpfe zum Ziele gehen.

Ihr kleiner Pathe Eugen gedeiht treflich, und wird, wenn ihn Gott uns erhält, gewiß Ihnen keine Unehre machen. Meine Eugenie grüßt sie herzlichst und wünscht gleiches Wohlbefinden in Ihrem theuren Hause. In 14 Tagen wird sie nach Karlsbad gehen, um noch einige alte Uibel zu beseitigen, Kind und Kegel mitnehmen, aber den armen Mann zu Hause lassen, der vorm Jahre zu weit flog, um nicht jezt im Käfig bleiben zu müssen.

Das Innigst an Ihre trefliche Mutter und die liebe Gefährtin*. Wie so oft versetze ich mich im Geist an den traulichen Tisch, Ihnen und diesen Lieben gegenüber und schwelge noch in dem Genusse den dann Ihre Meisterwerke gewährten. Der Himmel erhalte Sie den Ihren wie der Kunst und lasse das Wohlwollen in Ihrer Brust fürIhren
Sie innig verehrenden
Karl Winkler

Apparat

Zusammenfassung

(Maurice) Schlesinger werde ihm über die Weberschen Angelegenheiten mündlich berichten; hofft, daß Mb die Kraft habe, den Plan auszuführen; über die Hugenotten in Leipzig; über Winklers Sohn Eugen (Meyerbeers Patenkind) u.a.

Incipit

Schlesinger besuchte mich gestern und hat viel mit mir von Ihnen

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz

Überlieferung

  1. Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: N. Mus. Nachl. 97, J/131

    Quellenbeschreibung

    • 1 Bl. (2 b.S. einschl. Adr.)
    • Papierausriß vom unteren Blattrand mit Textfragmenten ist am oberen Rand der Rectoseite angeklebt

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • Becker (Meyerbeer), Bd. 3, S. 41f. (Auszug.)

Einzelstellenerläuterung

  • „… Mutter und die liebe Gefährtin“Antoinette von Montalban, Gesellschafterin von Amalie Beer (vgl. Meyerbeer,Briefwechsel und Tagebücher, Bd. 7, S. 563, Komm. zu Tb 1856).

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