Bericht über die Feierlichkeiten des Königs im September (Teil 2 von 2)

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Feierlichkeiten in Dresden ce.
(Beschluß.)

Festliches Glockengeläute verkündete am 20sten den Anbruch eines der schönsten Tage, dessen sich Sachsen in seiner an edeln Fürsten reichen Geschichte rühmen kann. Ein Zug angesehener Militär- und Civil-Personen versammelte sich um 7 Uhr auf dem Rathhause, und zog dann mit dem Magistrate durch die Reihen der paradierenden Nationalgarde und Gensd’armerie, von Musikchören umtönt, in die Kirche zum heiligen Kreuz, durch Erhebung zu dem Allmächtigen in Predigt und Gesang den Tag würdig zu beginnen. Hier, wie in allen Kirchen, ward ein: Herr Gott, dich loben wir ce. angestimmt. Hochfeierlich war dieses um 11 Uhr in der römisch-katholischen Kirche, da der geliebte König mit seinem ganzen Hause dabei zugegen war, und Salven aus grobem Geschütz und kleinem Gewehr die heilige Halle umdonnerten, im Echo wiederholt von den Kanonen des Königsteins.

Zu einem großen Concert waren die angesehensten Fremden und hiesigen Einwohner des Nachmittags um 6 Uhr in den Saal des großen Opernhauses geladen, ohnstreitig einem der schönsten in Europa, an Größe und Pracht der Erleuchtung. Der hohe Jubelgreis erschien mit den Seinen im Kreise der reichgeschmückten Umgebungen, heiter, edel, mild und kräftig, und zahllose Zuschauer füllten die Logen. Das von der königl. Kapelle mit gewohnter Trefflichkeit ausgeführte Concert leitete der Kapellmeister Morlacchi, von welchem auch eine Arie war, die Dem. Funk sang, so wie es durch eine Ouvertüre vom Kapellmeister von Weber eröffnet ward. Die Sänger: Sassarolli, Benincasa und Tibaldi, traten ebenfalls darin auf. Der Koncertmeister Polledro spielte ein Koncert für die Violine, und der Kammermusikus Rothe d. ä. bließ ein Rondo mit Variationen für die Clarinette. In denselben Stunden war auch Frei-Theater im kleinen Opernhause, wo zum erstenmale Coreggio und Michelangelo*, und ein kleines Schauspiel, Lieb’ um Liebe, von Dr. Rublack, gegeben ward.

Nach 8 Uhr ordnete sich der Zug sämmtlicher bürgerlicher Innungen Dresdens mit ihren Insignien bei Fackelschein vor dem königl. Schlosse und stimmte einen kirchlichen Gesang an, während der König und alle hohe Herrschaften auf dem Balkon des Schlosses standen; auch hatten Deputirte dieser Gemeinschaften das Glück, dem Könige ein Gedicht überreichen zu dürfen. Ein tausendstimmiges Lebehoch ertönte vor dem Rückmarsch.

Unterdessen hatte die glänzendste und gewiß aus tiefster Seelenfreudigkeit dargebrachte Erleuchtung, welche Dresden je in neuern Zeiten gesehen hat, sich entzündet, und eine zahllose Menge wogte umher, sie zu beschauen. Man rechnete an diesem Abende mehr als 40,000 Besuchende in Dresden. Ueberall war hohe Fröhlichkeit bei musterhafter Ord¦nung, Freude und Wonne ohne Ausgelassenheit, ein musterhaftes Benehmen, würdig des hochfeierlichen Festes. Um 10 Uhr fuhr der König mit den Seinen und allen anwesenden fürstlichen Personen in offenen Wagen umher, die Beleuchtung zu betrachten, und kehrte, stets umtönt von den lebhaftesten Ausbrüchen der Liebe und Freude, erst gegen 12 Uhr in’s Schloß zurück. Es würde unmöglich seyn, beim engen Raume dieser Blätter auch nur einiges Einzelne der Erleuchtung würdig zu bezeichnen, wir müssen daher auf das Vergnügen, so vieles Geschmackvolle, wie z. B. die herrliche Säule, nach Art der trajanischen, vor dem Rathhause, die Erleuchtung an den Gebäuden der med. chir. Akademie, des östreichschen Gesandten, der Freifrau zu Racknitz, der Handelsinnung u. s. w., anzuzeigen Verzicht thun, und es den obengedachten besondern Werken überlassen.

Von mehrern öffentlichen Behörden und Privatvereinen wurden an diesem Tage zahlreiche Arme festlich gespeiset. Und eins der schönsten Denkmäler stiftete der hiesige Stadt-Magistrat durch Gründung einer neuen Bürgerschule, welcher der Name: Friedrich-August-Schule gegeben ward.

Eine der Feier selbst vollkommen würdige Nachfeier war uns noch am 23sten Sept. durch die musikalische Akademie in der Neustädter Kirche bereitet. Noch ist hier nie ein so großer Verein der vorzüglichsten Tonkünstler aufgetreten, und Idee, wie Ausführung, machten den trefflichen Männern, die das Ganze leiteten, die größte Ehre. Man konnte gegen 300 Personen rechnen, die diese Feier durch Spiel und Gesang vollendeten. Zuerst ward eine lateinische Sekular-Ode, nach der horazischen vom Hofr. Böttiger bearbeitet und vom Kapellmstr. Morlacchi gründlich in Musik gesetzt, von diesem selbst aufgeführt. Dann leitete im zweiten Theile der Kirchen-Compos. Schubert einige Chöre aus dem Messias, von Händel, und zuletzt gab uns der Kapellmeister K. M. v. Weber die von Fr. Kind mit tiefem Gefühl gedichtete und von ihm trefflich componirte Jubelcantate. Wie ausgezeichnet diese neuen Meisterstücke der beiden uns so werthen Tonsetzer waren, verbürgt schon ihr Name, wie für die gediegenste Ausführung der Ruhm der hiesigen königlichen Kapelle, sämmtlicher Sänger und Sängerinnen des deutschen und italienischen Theaters, der Musikchöre derselben, sämmtlicher hiesigen höhern Stadtschulen und mehrerer kunstfertigen Dilettanten. Alle Plätze der großen Kirche waren mit entzückten Hörern, unter denen sich zu erneuter Freude abermals die hohe Familie des geliebten Königs befand, erfüllt, und allgemein ward die Wiederholung dieses hohen Genusses, bei den für die Armen bestimmten Einlaßpreisen, gewünscht.

Und so endeten diese Tage der Freude, wo Liebe und Vertrauen eines guten Volks zu einem geliebten Fürsten jede Stunde krönten. Th. Hell.

Apparat

Zusammenfassung

Bericht über die Feierlichkeiten des Königs im September (Teil 1 von 2), der erste Teil erschien in der vorigen Ausgabe.

Entstehung

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Albrecht, Christoph; Fukerider, Andreas

Überlieferung

  • Textzeuge: Abend-Zeitung, Jg. 2, Nr. 234 (1. Oktober 1818), Bl. 2v

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