Ernst Ludwig Hellwag an Max Maria von Weber in Dresden
Eutin, zwischen 1858 und 1874
Wiedergabe des Briefes nach einer Abschrift von Friedrich Wilhelm Jähns mit dessen Annotationen

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[Überschrift von F. W. Jähns:]
Mittheilungen v. (Name undeutlich) (F. W. J.)
des Regier-Rathes, Senators Hellwag in Eutin
An Weber’s Sohn Max gerichtet.
Über Carl Maria v. Weber’s Eltern, dessen Taufe
und einige in Eutin aufbewahrte Autographe
desselben ppp.
Der hier nur fragmentarisch (ohne Schluß, welcher fehlte)
mitgetheilte, nach dem Original copirte Brief ist im
Jahre 1853 geschrieben,
um
Max v. Weber bei der Biographie seines Vaters
zu dienen. vielleicht (oder besser
wahrscheinlich) auch
etwas später, weil
die Autographe schon
der Bibliothek einver-
leibt worden waren,
was nach des Reg. Rths.
Hellwag Brief vom
29. Oct. 1853 erst
geschehen sollte.

No. 1.

Nach hiesigen Regierungsacten erhielt Franz Anton von Weber (Carl Maria’s Vater), Kapellmeister am Hofe Peter Friedrich Ludwigs, der 1785 zur Regierung im damaligen Bisthum Lübeck gekommen war, am 31. Dez. 1786 das hieselbst vacant gewordene Privilegium eines Stadtmusikus, welches er jedoch schon im folgenden Jahre mit Genehmigung des Fürstbischofs wieder verkaufte und dann von hier fortzog (1787 also). Nach bei folgendem Extract aus dem Taufregister der hiesigen Schloßgemeinde Siehe Sammlung Weberiana: wurde ein Sohn des Genannten am 20sten November 1786 hieselbst getauft und erhielt die Namen: Carl, Maria, Friedrich, Ernest. Der Geburtstag desselben ist nicht angegeben. Er selbst soll später den 18. Dezember für seinen Geburtstag gehalten habenT. Vielleicht war es der 18. November, weil zu jener Zeit die Kinder hier gewöhnlich am 3ten bis 5ten Tage nach der Geburt getauft zu werden pflegten. (Der Vater Franz Anton hatte eigenhändig den 18. Dez. auf ein bei den Papieren der Familie Carl Marias befindliches Papier bezeichnet, welches ich oftmals gesehen habe. F. W. Jähns.)

Von zwei bejahrten, schon im Jahre 1786 hieselbst verheiratheten Damen, der Kanzleiräthin Lewon und der Kanzleiräthin Stricker, welche während der letzten 15 Jahre hieselbst beide, über 90 Jahre alt, gestorben sind, erhielt ich auf Nachfrage folgende wenigen Notizen über die Weber’sche Familie: – Die Mutter Carl Maria’s hatten beide wohl gekannt; sie war, nach ihrer Erzählung | eine gute, sanfte Frau, aus Böhmen gebürtig, litt am Heimweh, war oft trübe gestimmt und weinte viel, wohl mit aus der Ursache, weil es mit den Finanzen des Mannes meist gar schlecht bestellt war. Einst als zu ihrer großen Freude der Postbote ihr einen Brief aus der Heimath brachte, fehlte das nöthige Geld, um das Porto zu bezahlen, mit dem dann die ihr gegenüberwohnende Kanzleiräthin Lewon aushalf. Als das Haus, in welchem unser Webergeboren worden, nannten mir beide erwähnten Damen dasjenige eines Tischlers Grönwoldt, jetzt einem Kaufmann Spielmann, in der Lübschen Straße. Die Kanzleiräthin Stricker wußte mir noch das Zimmer zu bezeichnen, in welchem sie der Frau von Weber einen Wochenbesuch gemacht. 1872 habe ich das Zimmer selbst gesehen. Vor dem Hause stehend befinden sich dessen Fenster als die letzten beiden rechts eine Treppe hoch liegenden an dem Hause. F. W. J. – „Im Jahre 1802“, so erzählte dieselbe, „kam der Kapellmeister von Weber mit seinem damals 16jährigen Sohne auf einer Kunstreise nach Eutin, da sie den einen Abend in dem Stricker’schen Hause zubrachten, wobei des Kanzleiraths ältester Sohn (jetzt Oberappelationsrath a. D. in Oldenburg) einen Choral auf 2 Maultrommeln vortrug, der dem Vater Weber den Ausruf entlockte: ‚Gott, Maria, wie schön!‘“ – In demselben Jahre verließ der Dichter Joh. Heinr. Voss Eutin und zog nach Jena, später nach Heidelberg. In Heidelberg Michaelis 1810–11 studirend, machte ich im Voß’ischen Hause unseres Weber persönliche Bekanntschaft. Er trug auf dem Claviere einiges von seinen Compositionen vor, u. Anderem auch das von ihm componirte Voß’ische Lied: „Sagt mir an, was schmunzelt ihr“, wobei Vergleichungen mit einer älteren Compostion von J. P. Schulz angestellt wurden. – Gegen Mitte des September 1820 war Weber wieder zum Besuch in Eutin, und zwar in Begleitung seiner beiden Brüder. Edmund und Fritz. Er gab hier, wo damals ein Onkel seines Freundes Anton (Bernhard) Fürstenau – Kammermusikus in Dresden – Stadtmusikus war, | ein Concert. Letzterer, von Weber’sKommen, unterrichtet, hatte eine Hymne von dessen Composition „In seiner Ordnung schafft der Herr“ op. 36* mit einem hiesigen Musikverein eingeübt, die sodann in gedachtem Concerte unter Weber’s eigner Direction aufgeführt wurde. Alles war bezaubert von Weber’sLiebenswürdigkeit. Leider war ich damals verreist u. kann ich über seinen derzeitigen Aufenthalt in Eutin nichts weiter mittheilen.

Übrigens sind mir aus der Zeit beider Besuche folgende schriftliche Denkmale zu Handen gekommen:

1.) Durch Vermittlung des Hrn. Anton Fürstenau in Dresden von Weber’s Wittwe! ein Notenblatt:

Composition eines Liedes: „Die Kerze“, zugleich Titelblatt eines Heftes, Der übrige Theil des Heftes mit 31 Liedern ist verschollen; die darin enthaltenen, damals noch ungedruckten Lieder (theilweis noch jetzt ungedruckten) sind durch Abschrift von mir rechtzeitig erhalten worden. F. W. J. überschrieben:
„32 Lieder und Gesänge, Canons pp.
mit Begleitung des Claviers oder der Guitarre,
componirt von Carl Maria von Weber. Vom
Oct. 1802 bis zum März 1811. “

Über jenem mit No 1 bezeichnetem Liede steht noch: „Componirt in Hamburg im Oct. 1802“ Es war Weber’s erstes Lied.

2.) bis 4.): 3 in Eutin am 13. Septemb. 1820 für den gedachten Stadtmusikus Fürstenau geschriebene Stammbuchblätter, buchstäblich lautend wie folgt:

No 1: „Beharrlichkeit führt zum Ziel.“
Eutin d. 13. Sept. 1820
Carl Maria von Weber.

No 2: „Der Mensch bleibt Mensch in Süd,
Ost, West(en)* oder Norden,
Im Kittel, (so) wie im Ritterorden,
Er sei Jud, Heid, Bramin (?) oder Christ.
Wohl Dir, wenn Du der Beste bist. “ | Bei Lesung dieser Zeilen erinnern Sie
sich stets an die vergnügt und ange-
nehmen Stunden, wo die drei Brüder
Carl Maria und Bruder Edmund zu kurze
Zeit bei Ihnen in Eutin waren und
vorzüglich d. 13ten Sept. 1820.
Eutin d. 13. Sept. 1820
F. v. Weber
gegenwärtig
in Hamburg ansessig.*

No. 3: „Lange leben und gesund bleiben
Dieses wünscht von Herzens Grund u. Leber“
Ihr wahrer Freund
Edmund v. Weber
dermalen in Lübeck
Eutin, den 13. Sept. 1820.
Das schöne Silbeck nicht zu vergessen,
wo wir vergnügt beisammen waren.

Diese drei Schriftstücke sind einer von mir für die hiesige öffentl. Bibliothek gestifteten Autographen-Sammlung einverleibt worden.

Als die hiesige Liedertafel auf meinen Betrieb im Jahre 1853 zur Bezeichnung von Weber’s Geburtshaus eine gußeiserne Gedächtnißtafel stiftete und am 12ten Septemb. desselben Jahres zu deren Einweihung ein Gesangfest feierte, hielt der Rector des hies. Gymnasiums Dr. Pansch die Festrede, worin ein Abriß von Webers

Bis hieher geht das Manuscript. Die Fortsetzung liegt mir nicht vor; vielleicht daß sie sich in Max von Weber’s für die Biographie seines Vaters gesammelten Materialien vorfindet, was ich glaube. F. W. Jähns

Apparat

Zusammenfassung

Incipit

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz

Überlieferung

Textzeuge

Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (D-B)
Signatur: Weberiana Cl. V (Mappe XVIII), Abt. 4 B, Nr. 14 B

Themenkommentare

Textkonstitution

  • "des Regier-Rathes, Senators Hellwag": durchgestrichen.
  • " vielleicht (oder … geschehen sollte. ": Hinzufügung am Rand.
  • "Siehe Sammlung Weberiana:": Hinzufügung am Rand.
  • "(Der Vater Franz … F. W. Jähns.)": Hinzufügung am Rand.
  • "Böhmen": sic!
  • "1872 habe ich … F. W. J.": Hinzufügung am Rand.
  • "Edmund und Fritz.": Hinzufügung am Rand.
  • " „In seiner … Herr“ op. 36*": Hinzufügung am Rand.
  • "Der übrige Theil … F. W. J.": Hinzufügung am Rand.
  • "Es war Weber’s erstes Lied.": Hinzufügung am Rand.
  • "so": durchgestrichen.

Einzelstellenerläuterung

  • "… schafft der Herr op. 36": Die Ergänzung von Jähns beruht auf einem Irrtum; im Konzert am 13. September 1820 in Eutin erklang vielmehr der Schlusschor aus der Kantate Kampf und Sieg.
  • "… Mensch in Süd, Ost, West(en)": Bei den rund geklammerten Ergänzungen dürfte es sich um Interpretationen von Jähns handeln.
  • "… Weber gegenwärtig in Hamburg ansessig.": Beim Namen, da das „F“ in ein „A“ verschlungen ist, Notiz von Jähns: (Fritz) (eigentlich Fridolin).

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