Giacomo Meyerbeer an Minna Meyerbeer in Baden-Baden
Paris, Freitag 12.(?) Januar 1838

Theure Einzige! Ich habe Dir einen Posttag unsrer Korrespondenz übersprungen, weil ich Dir gern die Erfüllung einer Combination anzeigen wollte die wäre sie gelungen meinen musikalischen Interessen sehr nützlich gewesen wäre, und zugleicherzeit möglich gemacht hätte daß wir diesen Sommer hätten in Baden beieinander bleiben können. Leider hat es sich aber heute früh zerschlagen. Es war nämlich das Projekt, da die Falcon noch immer nicht ihre Stimme wieder erlangt hat, und daher auch wahrscheinlich in der neuen Oper nicht wird singen kölnnen, sie auf 2 Monat nach dem Süden zu schicken um dadurch vielleicht ihre Stimme wieder zu erlangen, bis zu ihrer Rückkehr mit der neuen Oper zu warten, und unterdessen Robert mit Duprez zu montiren. Das wäre herrlich gewesen. Duprez der in Versailles schon 2 Akte von Robert gesungen hat, würde in 8 bis 10 Tagen | den Rest einstudiert gehabt haben, die Oper hätte vor dem 15t Februar in die Scene sein können, und ich wäre noch zur rechten Zeit nach Dresden gekommen, und hätte nicht nöthig gehabt vor der Hand wieder nach Paris zurückzufahren. Leider hat sich die Sache aber wieder zerschlagen. Duprez ist feindlich gegen Robert. Aus Deinem Briefe meine Theure ersehe ich daß Du sehr dafür stimmst, daß ich nach Dresden gehe. Auch ich glaube daß es nöthig und nützlich, obgleich ich nicht läugnen kann daß mich schauert eine Reise von 150 Meilen zu unternehmen und nach 6 Wochen dieselben 150 Meilen wieder nach Paris zurückmachen zu müssen. – Du sagst übrigen’s in Deinem Briefe daß es Du nicht genug den Stand der Dinge kennst um zu wissen ob meine Gegenwart wieder in Paris nöthig ist oder nicht. Da du unterrichtet bist wie es Robert während meiner Anwesenheit in Baden ergangen ist, dessen Schicksal so arg war daß selbst Duponchel die Nothwendigkeit eingesehen hat ihn unter dieser Gestalt nicht zu | geben, da ich Dich von der Individualität Kandia’s, und der Unmöglichkeit diesen ganz unerfahrenen jungen Schüler ohne meine Leitung in einer so schwierigen Rolle zu lanciren in Kenntniß gesetzt habe, so heißt das Deinerseits so viel als es ist Dir nicht klar, ob es überhaupt nöthig ist daß Roberts Existenz in Paris noch fortdauere!!!.

Wenn ich übrigens wie ich Winkler früher versprach Ende Februar’s nach Dresden kommen will so muß ich allerspätestens d. 20ten Februar von hier abreisen. Bis dahin darf ich mit Sicherheit hoffen daß das Gedicht des ersten Aktes von Weber’s Oper fertig sein wird. Daß ich natürlich über Baden gehen werde um Dich meine Theure und die Kinder zu sehen, brauche ich wohl nicht erst zu sagen. Allein da dieses um 15 bis 16 Meilen nur ist, so möchte ich diesen Umweg durch den Näherweg compensiren, welchen der GeheimRath Kramer nach Dresden kennt. Suche doch meine Geliebte recht präcise die Stationen dieses Weges von Baden nach Dresden baldigst zu erfahren und aufzuschreiben. Vielleicht kann | [man] es in Karlsruh durch Herrn Hofmann auf der Post erfahren. – Ich bin recht böse meine geliebte Lilie, daß Du mir so selten über Deinen Gesundheitszustand schreibst. Ebenso erwähnst du auch Cäcilien’s fast gar nicht. Hat sie denn noch keinen 5t Zahn, und kriecht sie noch nicht. Aber vor allen Dingen lasse keinen Brief mehr abgehen ohne mir von Deinem Befinden ausführlich zu schreiben, das ist’s wovon ich stets zu hören wünsche.

Man hört diesen Winter hier ganz vortreffliche Musik, und ich fange mich wieder an recht en train zum komponiren zu fühlen.

Gott erhalte Dich meine Lilie und die lieben beiden Kinder. Dein ewig treuer
Mohr

Apparat

Zusammenfassung

hofft, den 20. Februar nach Dresden abzureisen und dann müsse das Gedicht des 1. Aktes von Webers Oper fertig sein;

Incipit

Theure Einzige! Ich habe einen Posttag unsrer Korrespondenz übersprungen

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz

Überlieferung

Textzeuge

Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (D-B)
Signatur: N. Mus. Nachl. 97, H/207

Quellenbeschreibung

  • 1 DBl. (4 b.S. o.Adr.)
Weitere Textquellen
  • Becker (Meyerbeer), Bd. 3, S. 85f. (Auszug)

Textkonstitution

  • "Dir": durchgestrichen.
  • "Duprez ist feindlich gegen Robert": Hinzufügung.
  • "es": durchgestrichen.

Einzelstellenerläuterung

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