Carl Maria von Weber an Caroline von Weber in Schandau
Dresden, Freitag, 17. August 1821

Ihr Brief vom 15t Abends gefällt mir gar nicht, und wenn ich nicht selbst am ärgsten gestraft wäre dadurch, sie müßte wirklich bis zum 27t Kaz aushalten. aber so habe ich ihr ja schon durch H: Brunn geschrieben daß d: 22t die Männe komt abzuhobeln*, und Wort muß man halten. Also ist dieß der lezte Brief den Ihro Gnaden in Schandau-Venedig erhalten. ich war wirklich schon recht in Angst wegen dem Waßer, und wartete mit Schmerzen auf die Botenfrau, die erst obendrein heute Früh nehmlich eben jezt, deinen Brief brachte. wenn du dich nur nicht auch ängstigest; aber ich kenne dich Hasen Fuß, hast gewiß Angst.

Uebrigens begreiffe ich wohl mein vielgeliebtes Herz, daß du ernsthaft nach Empfang der Kaßler Nachricht warst.* Noch ist nichts entschieden, und H: v: K:* hat 8 Tage fast vertrödelt. Er mag freylich auch in Verlegenheit sein. Aber die Kaßler wollten umgehend Antwort haben, und ich muß daher treiben, damit ich nicht am Ende zwischen 2 Stühlen sizze. Du kannst wahrlich nicht mehr wie ich an Dresden hängen. Nun ich recht ernstlich den Gedanken faßen muß daß es doch möglich wäre es zu verlaßen, so fühle ich erst recht meine Anhänglichkeit.      Gestern hat H: v: K: recht ordentlich und ausführlich mit mir darüber gesprochen. aber was hilft das alles nur der König kann hier entscheiden.

Nun Gottlob nur noch 4 Tage dann können wir zusammen Kriegsrath halten.      du häßliches garstiges MopsGesicht, mir nachzusagen ich wünsche es daß du noch länger in Sch: bleiben solltest. da spukt wieder die Mlle: Brandt. wirst schon rechte Haue kriegen, warte nur. Wegen meiner Gesundheit kannst du ruhig sein, ich befinde mich wirklich über Erwarten gut, und der Zahn* hat fast ganz aufgehört.      Der Fremden sind dieß Jahr gar viele, das heißt hier, Bekannte der Krause aus Berlin, Löwe* aus Halle jezt Musikdirektor in Stettin, Bierey aus Breslau, H: Bode pp laßen dich bestens grüßen. Meine Zeit wird dadurch sehr zerstükkelt, und manchmal wenn so eins dem andern die Thür in die Hand giebt, möchte ich vor Ungeduld verzwapeln.

Sage einmal, könntest du nicht den Kaffee mit einer Gelegenheit herein schikken? du weißt wie schwer er auf den Wagen zu pakken ist.      Nun muß ich ein paar Visiten machen. nachher pabse ich noch ein bißel mit dir, da die Botin erst um 3 Uhr weggeht. ade derweile. |

Heute sollte Adolph und Klara sein,* Puntum Mad. Unzelmann wird wieder krank. also zum 4t male schon so. die Oper kann auch gar nicht zum losschießen kommen. Sie hat sich so schwer geärgert daß sie nicht die Donna Anna bekommen hat*. nun wollen sie gleich fort*.      Gottlob daß ich mich nicht im geringsten über dergl: mehr ärgere.

Ach was ist denn das? da ärgere ich mich aber. die Lottchen schikt mir den Brief wieder den Gestern H. Brunn mitnehmen sollte. das ist ja dumm. der ist nicht gekommen? Nun hast du zu guter lezt 2 auf einmal. ich eße heute bei Hellwig sie hat mich so eben eingeladen also muß ich schließen*.

     

hier mein geliebtes theures Leben hast Du viele 1000 papierne Bußen, bald bringt frische, dir selbst dein dich innigst treu liebender Carl.
Gott segne dich + + +.
Herzliche Grüße von Rochlizen, Gutschmidt ppp der Leukos läßt Mlle: Ali grüßenT, und auch dich.
ade, ade, ade!

Apparat

Zusammenfassung

berichtet, dass noch keine Entscheidung wegen des Kassler Angebots getroffen wurde; freut sich über gesundheitliche Besserung; Premieren-Verzögerung einer d'Alayrac-Oper wegen Krankheit der Sängerin Unzelmann.

Incipit

Frau Mukkin, Ihr Brief vom 13t Abends

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz

Überlieferung

Textzeuge

Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
Signatur: Mus.ep. Weber, C. M. v. 150

Quellenbeschreibung

  • 1 Bl. (2 b. S. o.Adr.), urspr. 1 DBl., Bl. 2 abgeschnitten bis auf 1 cm Rand
  • Zusatz am oberen Rand der Rectoseite von Jähns (Tinte): "No 7 (1821)", durchgestrichen und darunter (Blei): "8"
Weitere Textquellen
  • MMW II, S. 335 (Auszug)

Textkonstitution

  • "d": "k" überschrieben.
  • "Bekannte": Hinzufügung.

Einzelstellenerläuterung

  • "d: 22 t … Männe komt abzuhobeln": Caroline kehrte bereits am 18. August 1821 zurück, vgl. TB.
  • "Kaßler Nachricht warst.": Zu den Angeboten (2.500 Thaler Gehalt für Weber und 300 Thaler Pension für Caroline) in Zusammenhang mit Webers Ruf nach Kassel (Brief von Karl Feige an Weber vom 6. August 1821 vgl. Briefe an Caroline vom 14. August 1821 und 16. August 1821.
  • "H: v: K:": Zum Gespräch mit Hans Heinrich von Könneritz vgl. Tagebuch, 16. August 1821.
  • "Zahn": vgl. Brief an Lichtenstein vom 18. Oktober 1821
  • "… Krause aus Berlin , Löwe": Carl Loewe, vgl. Tagebuch 17. August 1821.
  • "Adolph und Klara sein,": Nicolas d’Alayracs Adolph und Klara wurde am 4. September 1821 zum erstenmal in Dresden gegeben, vgl. auch Kom. im Brief an Caroline vom 25. Juli 1821
  • "… die Donna Anna bekommen hat": Am 23. September 1821 hatte Don Juan von Mozart erstmals in deutscher Sprache in Dresden Premiere, Donna Anna war mit Dem. Willmann, Elvira mit Mad. Unzelmann besetzt; vgl. Tagebuch der deutschen Bühnen, Jg. 1821, Nr. 9, S. 335.
  • "sie gleich fort": Karl und Christiane Unzelmann waren vom 6. Mai 1821 bzw. 30. April 1821 bis zum 1. November 1823 in Dresden engagiert.
  • "… eingeladen also muß ich schließen": vgl. Tagebuch, 17. August 1821

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