Carl Maria von Weber an Gottfried Weber in Darmstadt
Dresden, Freitag, 19. März 1824

S. Wohlgebohren

Herrn Gottfried Weber

GeneralAdvocat am Cassations

Hof

in

Darmstadt.

Franco Weimar

FroÆ auf Taxissche

Posten

Die Hornisten Tomas und Soistmann sind hier gewesen, und wurden im Theater von dem Hofe gehört. Ein seltner Fall ohne directe Empfehlung.

Von Spontini behauptet man Folgendes wunderliche. Ein junger Mann habe ihm die Vest. übergeben, sei darauf gestorben, sein Nachlaß erst in Jahren nachher durchgesehen, und die Brouillons pp gefunden worden. Nun sollen die Eltern schon seit 2 Jahren in Paris Klage gegen S: erhoben und Restitution alles damit Erworbenen verlangt, jezt aber die Sache bei dem Kammer gericht in Berlin anhängig gemacht haben -- -- -- Relata refers. -- --

Das Buch der Euryanthe habe ich wohl selber gewählt, ich mache nichts nach bestellten Leisten. Wenn du das musikalische der Situation pp nicht einsiehst, wer solls dann thun?

Sobald ich die Caecilia habe, werde ich sie Fink mittheilen. Wegen Gänsbacher ist noch immer die größte ungewißheit. seit dem ist nun auch hier

der Kirchencomp: Schubert gestorben. ich bin in einer entsezlichen Laage. allen Dienst allein. ich opfre meine Gesundheit und Erwerb für Gänsb: und am Ende kommt er doch nicht. Olimpia? Viel schönes, auch Großes mitunter. Respekt? Nein.

Ein Aufsaz über Freysch  und Euryanthe weiß ich nicht zu veranlaßen. selbst schreiben? ist mir alles zum Ekel. Vielleicht wenn ich mehr Luft habe.*

Meyerbeer komt im Aprill nach Berlin. da gehe ich auch hin zur Aufführung der Eury: d: 20t gebe ich Margherita d’anjou von Meyerb: sehr viel treffliches drin. als Meister geschrieben, wenn gleich manches Roßinirt.

d: 31t soll Euryanthe sein.

Nun noch eine Bitte. Hr: und Mad: Devrient, sie die Tochter der berühmten Schröder, wollen gern im May oder Juny in Darmstadt Gastrollen geben*. Sie ist trefflich. schöne Stime. Spiel und Ausdruck wie wohl dermalen keine deutsche Sängerin. Er, braver Schauspieler. hat deßhalb an Haßloch geschrieben. Nun ist wohl Oberst v: Duchal der eigentliche Theater Intendant. da er aber nicht als solcher im Theaterkalender aufgeführt ist, kann man auch nicht an ihn schreiben. Kannst und willst du was dazu thun, so kannst du es auf meine Garantie hin wagen. Antworte mir darüber nur ein paar Zeilen, daß ich mich bei Devrients legitimiren kann.

Bei mir ist gottlob alles gesund. da du nichts von den deinigen schreibst, hoffe ich daßelbe.
Gott behüte Euch Alle. mit alter Liebe dein Weber.

Apparat

Zusammenfassung

über gastierende Hornisten Thomas und Soestmann; Bericht über den Prozess Spontinis um die Autorschaft der Vestalin; zur Wahl des Tb. der Euryanthe; schwierige Situation in Dresden u. Überlastung; Schreiben von Aufsätzen zu Freischütz und Euryanthe abgelehnt; über geplanten Meyerbeer-Aufenthalt in Berlin; weitere Pläne; Bitte, sich wenn möglich dafür einzusetzten, daß Herr u. Frau Devrient Gastrollen in Darmstadt erhalten

Incipit

Die Hornisten Thomas und Soestmann sind hier gewesen

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  1. New Haven (US), Yale University, Beinecke Rare Book and Manuscript Library (US-NHub), Frederick R. Koch Foundation

    Quellenbeschreibung

    • 1 Bl. (2 b.S. einschl. Adr.)
    • PSt: DRESDEN 19. März 24

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • Bollert/Lemke 1972, S. 87–88
    • /tV: Anon.: "Eine Reihenfolge von Briefen C.M.v. Webers", in: Caecilia 7 (1828), Heft 25, S. 30

Textkonstitution

  • „wurden“über der Zeile hinzugefügt.
  • May oder“über der Zeile hinzugefügt.

Einzelstellenerläuterung

  • „… wenn ich mehr Luft habe.“Absatz nachträglich von fremder Hand gestrichen, vermutl. vom Hg. des Caecilia-Artikels, wie Absatz 1–2 u. 7–8.
  • „… Juny in Darmstadt Gastrollen geben“Im Tagebuch der deutschen Bühnen 1824 (S. 269–271) ist kein solches Gastspiel vermerkt.

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