Carl Maria von Weber an Caroline von Weber in Dresden
London, Montag, 24. April und Dienstag, 25. April 1826 (Nr. 22)

No: 22.

Muß nur gleich die arme Mukkin beruhigen daß ich nicht böse über Sie bin, sondern böse auf mich daß ich meine Stimmung so habe gehen laßen, und innigst betrübt bin ihr so traurige Augenblikke gemacht zu haben. Verzeihe geliebtes Herz. Aber – waren denn auch wirklich meine Briefe so arg und hast du nicht das ärgste hinein gelesen? Es ist wahr, ich war in jener Zeit in einer abscheulichen Stimmung, und bin immer ein recht Melancholikus, aber was du alles für Folgerungen gemacht hast, dazu war kein Stoff in meinen Briefen. Die Briefe gehen ja jezt äußerst schnell. eben habe ich deine lieben beiden No: 10 und 11, /: muß heißen 13 und 14 :/ vom 9t und 15t* huj: bekomen. Wenn das so fort geht, so darf ich hoffen, daß Du Morgen zu Maxens Geburtstag die frohe Nachricht von dem glänzenden Triumph des Oberon erhältst. das würde mich unendlich freuen. Doch zur Ordnung in deinen Briefen. Den Schlesinger könnte ich fricaßiren. Was Teufel spricht er vom 8t davon ist nie die Rede gewesen.  

Sey nicht böse liebe Alte, aber wenn man nach solchem Furore den Oberon macht, deine Tröstungen ließt, so ist es ordentlich komisch, so sehr ich für dich in deiner Seele leide. Nun, das ist nun auch vorüber, und ich hoffe Ihro Gnaden sind zufrieden.!!!

Hohenthal!! ist es möglich? Pfuy Teufel!! Mlle Wohlbrük? die fehlte noch zu H: Marschner. Was beneide ich dich um die schöne Fahrt nach Hosterwitz. es ist also alles hübsch. schaffe ja eine gute Bratröhre, denn du sollst mich recht füttern, und gute Sachen kochen.       bin froh daß das Büchsel wieder da ist, wieder ein Argwohn weniger. ist das nicht der Ermelsche Weinberg der so einsam liegt? während dem Sommer haben wir Zeit genug uns das alles zu besehen. ich bin gar nicht unglüklich über den verfehlten Hauptzwek der Reise. Oberon ist in den Sternen, und ein hübsches Sümmchen wird auch nicht fehlen. – O du närrischer Zwikkel, und armer Kerl!       Gott sey gepriesen daß du und die Kinder so gesund sind. die versprochenen Veilchen waren aber nicht im Brief. ich danke meinem guten Mazzi dafür. Rothens Hochzeit* = daß war gewiß recht rührend. ich gönne es vom Herzen diesen guten Menschen. Nur Geduld, wir werden schon auch ruhig werden. ich habe es herzlich satt, und gehe gewiß nicht wieder fort. die Sehnsucht die ich ausgestanden habe, ist über alle Begriffe. nun bin ich schon beßern Muthes, da ich nur noch den May vor mir sehe, und der Juny schon der Reise Monath ist. – Also schöne Verse hat die Mukkin gemacht. das ist recht. wirst du denn aber auch hübsch lustig sein wenn ich wieder da bin? und Geduld mit der armen Männe haben? die nun doch ewig ein wunderlicher Kauz bleiben wird, und sich mit dem besten Willen schwerlich mehr beßert?

d: 14[t] hatte Max einmal recht. da machte Vater seine Oper zum 3t mal. und heute zum 11t male.       Ihr seid ja ein Gewitter volles Volk, wir haben blos vortreffliche Nebels. an Ballabene mag ich nicht schreiben, ich denke es ist ein bißel grausam, um der paar Thaler willen zu quälen, da wir so glüklich das Gantze gerettet haben. Gieb der Wagner keinen Brief an Junghs, du weißt sie lieben die Theater Leute nicht, und es sezt sie in Verlegenheit. Was freue ich mich auf die neuen Matrazzen was will ich mich strekken, und hegen und pflegen. Wie kommt denn | Bassenge dazu dir einen Brief von mir zu schikken? – nun, sey es wie es wolle du hast den Brief schnell erhalten. und deine Briefe sollen nun dik kommen? immer zu, nur keine Einlagen, der Brief kostet mich 3 rh: und hätte jedes einzeln geschrieben so kostete ein Brief 16 gr: Aber Euch Weibern kann man in solchen Dingen 100 mal was sagen Ihr merkts Euch nicht. – 4 Monate? Der Sprung zurük von 6 war zu Groß, mit 5 wollen wir hoffentlich wegkommen. Mit Freuden höre ich daß Max brav ist schenke ihm was in meinem Namen. gewiß finde ich die Kinder verändert. besonders den Alex. spricht er noch nichts? gewiß willst du mich damit überraschen.

Nun genug für Heute. sey munter alter Herr, wir haben alle Ursache dazu. Gott segnet uns auf alle Weise, und wenn ich denn nun einmal meinen trüben Tag habe wie es bei einem so zusammen gerüttelten Körper nicht anderst sein kann, so nimms nicht so hoch, und denke, übernacht wird das beßer.       ade! ade! ade!

d: 25t Heute ist also Maxens Geburtstag. Gott segne ihn + + + und mache einen brauchbaren guten Menschen aus ihm. den ganzen Tag bin ich in Gedanken bei Euch. heute hats gewiß allerhand schöne Sachen gegeben. und Rothe und Keller haben sich gewiß sehen laßen. ach! warum kann ich nicht dabei seyn. – Nun, Geduld. – –

Der Oberon ging gestern wieder sehr gut. es ist mir unbegreiflich wie es die Sänger aushalten, denn wahrscheinlich wird er mit geringen Unterbrechungen die ganze Season durch alle Tage gegeben. Heute dirigire ich ihn zum 12t und leztenmale. bin froh daß es überstanden ist.       Wie ich Gestern nach Hause kam fand ich noch Briefe von Lichtenstein und Heinrich Beer*. der gute thätige Lichtenstein war es der Schleßinger abhielt die Dummheit mit Oberon zu machen*. ja das ist ein treuer kluger Freund!

Man erwartet mich den Sommer in Berlin den Oberon selbst wieder aufzuführen*. ja, warten können sie, bis sie schwarz werden. ich wüßte nicht was mich dazu bewegen könnte. Ruhe, Ruhe, ist jezt mein einziges FeldGeschrey. und soll es wohl für lange bleiben. ich habe alle das Kunstgetreibe so satt, daß ich keine größere Herrlichkeit kenne als wenn ich ein Jahr ganz unbemerkt als ein Schneider leben könnte, meinen Sonntag hätte, einen guten Magen und heiteren ruhigen Sinn.

Du wirst bemerkt haben daß seit einigen Briefen mein Tagebuch stokt, da ist die einfache Ursache die, daß eben gar nichts paßirt. Alle Tage Arbeit, dann Mittag mit Smart, Abends Oberon, dann ins Bett.

Sonntag d: 23t war eine Ausnahme, wo Smart mich nicht wollte länger sizzen laßen. ich ging mit ihm in des Königs Kapelle, und hörte vortreffliche alte Musik, blos Singstimme und Orgel, dann  fuhren wir zu Kembles wo wir frühstükten, und wo ich beim Anblik der blühenden Bäume rechtes Heimweh kriegte.

Abends aßen wir bei dem Sardinischen Consul Heath.

Gestern habe ich ganz allein in einer Restauration gegeßen, | und für Suppe, Rindfleisch mit Gemüse, Makaroni und etwas Wein, gegen 3 rh: bezahlt. es ist enorm, zum Glükke komme ich selten dazu. Meine größten Ausgaben sind Wagens und Porto. und die sind bedeutend. Heute geht nun der lezte Transport an Winkler und Schleßinger ab*, und somit bin ich denn mit allem ganz fertig was den Oberon betrifft. Gott sey Lob und Dank. Ich habe Schleßinger angewiesen, das Honorar von 1500 rh: für den Klavier Auszug, das im May zahlbar ist, vorausgesezt, daß er alles von Winkler empfangen hat, an dich zu zahlen. da kannst du wieder schöne Geschäfte machen, mein guter  Minister, und mit deinen Beamten Rath halten.

Nun lebe wohl meine gute Alte, Sey Guten Muthes, und denke daß wir schon auf dem Berge sind, also das über den Berg kommen nicht mehr so schwer ist. Wahrscheinlich trifft dich dieser Brief in Hosterwitz, da grüße mir deine guten lieben Hausgenoßen herzlich, und alle Bäume und Beete und Blumen.
Gott segne Euch Ihr Geliebten + + + bleibt hübsch
Gesund und brav und denkt heiter an Euren Euch über alles liebenden Vater
Carl.

[im Kußsymbol:] Millionen
gute Bußen

Apparat

Zusammenfassung

Kommentar zu Carolines Bericht über die neuesten Ereignisse in Dresden bzw. Hosterwitz; vorwiegend Privates; Traum von ruhigerer Zukunft; alte Musik in des KönigsCapelle gehört; Erfolg des Oberon; Anweisungen zur Schlesinger-Ausgabe und privagte Geschäftsdinge;

Incipit

Muß nur gleich die arme Mukkin beruhigen

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz, Joachim Veit

Überlieferung

Textzeuge

Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
Signatur: WFN - Mus.ep. C.M.v.Weber 229

Quellenbeschreibung

  • 1 DBl. (4 b. S. einschl. Adr.), Siegelrest und -loch [restauriert]; Zusatz (von frd.Hd.) am unteren Rand von Bl. 2v: Bösenberg
  • PSt: [Rundst.:] F 26 / 73
Weitere Textquellen
  • ED: Reise- Briefe 1823/1826, S. 170–174

Textkonstitution

  • "bin": Hinzufügung.

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