Weber als Klavier- und Kompositionslehrer

Wie für viele praktische Musiker und Komponisten gehörte auch für Weber das Unterrichten seit seiner Zeit in Breslau (1804ff.) zu den typischen Nebenerwerbstätigkeiten, obgleich er dem Lehren als Hauptberuf eher skeptisch gegenüberstand: 1812 durch Kritik an seiner Silvana verunsichert, vertraute er seinem Tagebuch an, wenn er als Komponist nichts Herausragendes leisten könne, wolle er lieber „als Klavier Profeßionist“ sein „Brod mit Lectionen zusammen betteln“. Im Brief an seinen Freund Gänsbacher vom 30. September 1814 vergleicht er den Musiklehrer mit einem „KunstLastthier in der Mühle der KinderZucht“, und noch in seinem Brief an Aloys Fuchs vom 27. Mai 1824 spricht er vom „Geisttödtende[n] Lebens-Erwerb durch Unterricht geben“. Andererseits wollte Weber auf die Zusatzeinnahmen keineswegs verzichten: Noch unsicher, ob er in Dresden bleiben oder nach Berlin gehen sollte, erwähnte er im Brief vom 1. Juli 1817 an seine Braut Caroline unter den Vorzügen Berlins, dort habe er „Vielerley NebenVerdienst“ in Aussicht, darunter „Lectionen von 1 #“, während in Dresden diesbezüglich „nichts zu verdienen“ sei, was angesichts seiner späteren Dresdner Schüler (s. u.) wohl untertrieben scheint. Freilich konnte sich Weber, der mit dem Unterrichten nicht seinen Lebensunterhalt bestreiten musste, erlauben, Schüler auch zurückzuweisen1.

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler Webers kann nicht zweifelsfrei ermittelt werden; gerade für die Zeit vor 1810 liegen kaum belastbare Fakten vor. So soll Weber in Breslau nach dem Ende seiner Tätigkeit als Musikdirektor des Theaters im Sommer des Jahres 1806 kurzfristig seinen Lebensunterhalt durch Unterrichten gesichert haben; eine der Schülerinnen soll damals ein gewisses Fräulein von Belonde gewesen sein2. Im Herbst 1806 förderte er kurzzeitig den Sohn seines Gastgebers im oberschlesischen Carlsruhe, den annähernd gleichaltrigen Herzog Eugen von Württemberg, in seinen musikalischen Ambitionen3 – wohl eher eine Geste der Dankbarkeit für die erwiesene Gastfreundschaft als ein Hinweis auf einen geregelten Unterricht. Im Gegensatz dazu gehörte es während Webers Anstellung als Geheimer Sekretär des Herzogs Louis von Württemberg zwischen 1807 und 1810 laut Anstellungsurkunde tatsächlich zu seinen Amtspflichten, die Kinder seines Dienstherren u. a. in „der Musique“ zu unterweisen4. Laut brieflichen Mitteilungen von Ferdinand von Dusch erinnerten sich Pauline von Württemberg und ihre Schwester Elisabeth noch 1862 an die „Clavierstunden“ bei Weber. Die Widmung der vierhändigen Klavierstücke op. 10 an die älteren Prinzessinen Maria Dorothea und Amalie dürfte ebenso mit den Musiklektionen in Verbindung zu bringen sein.

Erst ab 1810 ermöglicht Webers Tagebuch einen besseren Überblick über seinen Schülerkreis, obwohl auch dann noch Fragen offen bleiben, denn weitgehend konsequent hielt Weber darin – schon aus Gründen der Rechnungslegung – ab 1815 vor allem jene Lektionen fest, für die er bezahlt wurde. Es bleibt zumindest fraglich, ob die Tagebucheintragungen tatsächlich einen vollständigen Einblick in seine Lehrtätigkeit erlauben. Etliche Unterrichtsstunden im engeren Bekanntenkreis galten ausschließlich als Freundschaftsdienst und wurden nicht entlohnt, somit aber offenbar nur selektiv notiert. Auch hochstehende Personen wie die Großfürstin Maria Pawlowna oder die sächsische Prinzessin Amalie zahlten nicht für ihre Lektionen; von ihnen erhielt Weber allerdings kostbare Geschenke, die seine Bemühungen entlohnen sollten.

Nicht aus jeder Lektion ist ein regelrechtes Lehrer-Schüler-Verhältnis abzuleiten: So erhielt Ernst Pastenacy laut Tagebuch am 10. Dezember 1819 offenbar eine Gratis-Unterrichtsstunde5. Pastenacy war seinerseits der Lehrer von Fanny von Egloffstein, die ab dem 31. Dezember 1819 Lektionen bei Weber nahm – der Termin mit Pastenacy dürfte also der Anbahnung von deren Unterricht gegolten haben.

Selbst bei den Schülern, deren Unterricht im Tagebuch komplett nachzuverfolgen ist, geben die entsprechenden Eintragungen kaum mehr als statistische Anhaltspunkte. Das von Weber verfolgte Unterrichtsprogramm kann meist nicht einmal in Ansätzen erschlossen werden. Ebenso bleibt im Dunkeln, ob der Unterricht allein dem Klavierspiel oder darüber hinaus auch der Komposition galt. Die einzigen Schüler, für die beide Unterrichtsgegenstände gesichert sind, waren Carl Freytag und Julius Benedict; aus Benedicts Lektionen blieben sogar wenige Fragmente von Kontrapunktübungen6 und Kompositionsstudien7 erhalten. Zudem gehörte zu den Lehrgegenständen in Benedicts Ausbildung, seinem Lehrer bei der Anfertigung des Euryanthe-Klavierauszugs zu assistieren (möglicherweise auch – wie im Brief vom 5. Juni 1824 behauptet – bei jenem zu Preciosa). Insofern kann man vermuten, dass sich Weber beim Unterrichten an den eigenen Unterrichtserfahrungen bei seinem Lehrer Vogler orientierte, der, aufbauend auf den üblichen Generalbass-, Satz- und Kontrapunktstudien, die Analyse ausgewählter Meisterwerke und deren schöpferische Aneignung durch Bearbeitungen (u. a. Variationen, Klavierauszüge) in das Zentrum der Lektionen stellte8. Benedict selbst äußerte sich zu Webers Unterrichtsmethodik nur kurz in einem Interview von 1877:9

„Weber [...] gave me practical hints how best to acquire a sound knowledge of the art, telling me how to study with advantage the examples of such great masters as Handel and Bach, after the drudgery of a strict course of harmony, and warning me by his own examples from attempting to build an ambitious structure before laying a solid foundation.“

Die meisten Schüler/innen Webers dürften ausnahmslos Klavierlektionen erhalten haben, wobei davon auszugehen ist, dass es sich – die zehnjährige Therese Brunetti vielleicht ausgenommen – nicht um Anfänger auf dem Instrument handelte. Im Gegensatz zur größeren Gruppe der Klavierschüler war Prinzessin Amalie von Sachsen vermutlich ausschließlich Kompositionsschülerin; ihr Unterricht wird im Wesentlichen der gemeinsamen korrigierenden Arbeit an ihren eigenen musikalischen Werken gedient haben. Ähnliches gilt vermutlich für Barham Livius.

Unterrichtsort war wohl nur bei den jüngeren männlichen Schülern (Carl Freytag, Julius Benedict) Webers eigene Wohnung; in der Regel dürfte Weber seine Schüler (vor allem seine Schülerinnen) zu Hause aufgesucht haben (bei höhergestellten Damen war dies selbstverständlich10).

Webers Eintragungen zu Lektionen sind im Tagebuch meist von geradezu lakonischer Kürze und erschließen sich zudem (gerade in den späteren Jahren) durch die verwendeten Abkürzungen nicht immer auf den ersten Blick. Insofern ist die Gefahr der Verwechslung groß, denn nicht bei allen im Tagebuch notierten Lektionen war Weber der Lehrer, verschiedentlich nahm er selbst Sprachunterricht (in Prag 1813 in Böhmisch, in Dresden 1823 bei de Villers in Französisch und ab 1824 bei Carry bzw. Lüdger in Englisch). Aus Gründen der Rechnungslegung hielt er zudem den Gesangs- und Sprachunterricht seiner Frau Caroline im Tagebuch fest.

Nicht selten versetzten die Schüler den Lehrer; in solchen Fällen notierte Weber im Tagebuch „vergeblich zu ...“; oftmals ließ er sich auch diese ausgefallenen Stunden honorieren (allerdings nicht in jedem Fall).

Dieser Themenkommentar soll einerseits vorrangig im Tagebuch die entsprechenden Zuordnungen erleichtern, andererseits einen Überblick über Webers Schüler ab 1810 und die Dauer von deren Unterricht ermöglichen.

August Konrad Hofmann (1810)
Hofmann gehörte zum Freundeskreis Webers in dessen Mannheim/Darmstädter Zeit. Er erhielt ab 6. Mai 1810 Lektionen in Darmstadt, die im Tagebuch allerdings nur sehr sporadisch notiert sind. Die wenigen festgehaltenen Termine stehen in einem auffallenden Missverhältnis zu den entsprechenden Zahlungen am 13. Juli, 5. September und 20. Oktober 1810.

Charlotte Mangold (1810)
Die Tochter des mit Weber gut bekannten Darmstädter Konzertmeisters Georg Mangold erhielt sowohl bei Weber (1810) als auch bei Meyerbeer (1811) Unterricht, bevor sie 1812 zur weiteren Ausbildung nach Wien geschickt wurde. In Webers Tagebuch sind nur zwei Unterrichtstermine (24. und 31. August 1810) festgehalten, allerdings keine Zahlungen dafür.

Fanny von Wiebeking (1811, 1815)
In das Haus von Carl Friedrich von Wiebeking war Weber 1811 bereits am 16. März, zwei Tage nach seiner Anreise in München, eingeführt worden und beurteilte das Klavierspiel der Tochter Fanny im Tagebuch als „sehr artig“. Zwei Tage später ist eine erste Lektion ebenso im Tagebuch festgehalten. Ein regelmäßiger Unterricht fand vom 8. April, zunächst bis zum 13. Mai statt, dann nochmals vom 7. Juni bis 31. Juli sowie (nach Webers Schweizreise) am 28. Oktober. Dabei sind nur ausgewählte Unterrichtsstunden ausdrücklich „Fanny“ zugeordnet, aber auch die ansonsten unbezeichneten „Lectionen“ der Münchner Zeit stehen mit größter Wahrscheinlichkeit damit in Zusammenhang. Das Honorar (121 f.) wurde am 8. August 1811 gezahlt und ist nochmals in der Übersicht der Einnahmen des Monats August 1811 im Tagebuch notiert. Bereits am 3. Juli 1811 attestierte Weber seiner Schülerin im Brief an seinen Freund Gottfried Weber viel „Genie und große[n] Fleiß“.

Auch bei seinem mehrmonatigen München-Besuch 1815 ging Weber im befreundeten Haus Wiebeking ein und aus. Die Lektionen von Fanny von Wiebeking wurden zwischen dem 4. Juli und 2. September fortgesetzt und laut Tagebuch am 31. August erneut honoriert (99 f.).

Friederike Türcke und Tochter Ulrike (1812)
Die Familie Türcke gehörte seit 1812 zum engsten Freundeskreis Webers in Berlin. Hinweise auf Lektionen gibt es im Tagebuch vereinzelt vom 18. April bis zum 30. Juli 1812, meist aber nicht genauer spezifiziert: Nur einmal ist der Eintrag eindeutig auf die Mutter (30. Juli), einmal auf die Tochter (16. Juni) bezogen. Zahlungen wurden in diesem Zusammenhang nicht notiert.

Carl Freytag (1812, 1815/16)
Als Weber 1812 den vierzehnjährigen Carl Freytag kennenlernte, hatte dieser schon vier Jahre „Konzertpraxis“; seine ersten öffentlichen Auftritte in Berlin sind für das Jahr 1808 gesichert. Im Brief an Friederike Koch vom 16. September 1815 charakterisierte Weber seinen Schüler beiläufig: „alles in der Welt außer dem Schlafrok und Klavier [erschiene ihm] ganz unbedeutend“. Erste einzelne (offenbar unbezahlte) Lektionen sind in Webers Tagebuch zwischen dem 6. Juni und 1. Juli 1812 in Berlin festgehalten, zu einem längerfristigen Unterricht kam es allerdings erst 1815/16 in Prag, wobei der Berliner Klavierbauer Heinrich Kisting als Fürsprecher des jungen Virtuosen auftrat. Am 15. April 1815 hielt Weber im Tagebuch fest, Vater Freytag wolle seinen Sohn bei Weber „Musik studiren laßen“. Am 19. April wurde das Honorar vereinbart: für 12 Lektionen im Monat 12 Dukaten. Die Lektionen begannen am 22. April 1815. Zur Unterscheidung zwischen seinen Schülern wählte Weber für die Stunden, die er Freytag erteilte, überwiegend den Begriff „Unterricht“, während er die Unterrichtsstunden von Gabriela von Swéerts-Sporck (die bereits im Dezember 1814 begonnen hatten; s. u.) als „Lection“ notierte. Ein erster Unterrichtszyklus für Freytag mit insgesamt 30 Stunden fand am 31. Mai 1815 (vor Webers Reise nach Hradek und München) seinen Abschluss, der nächste begann am 11. September 1815 und endete am 2. Juni 1816 (unmittelbar vor der Reise nach Berlin), wobei sich die Unterrichtstage wechselnd über die Monate verteilen (gelegentlich gab es auch zwei Unterrichtseinheiten an einem Tag). Die ersten beiden Honorar-Raten nutzte Weber laut Tagebuchnotizen vom 11. September und 14. Oktober 1815 zur Begleichung seiner Schulden bei Kisting für die von diesem übernommene KutscheT.

Auf seiner Reise von Prag nach Berlin im Juni 1816 begleitete Freytag seinen Lehrer; dort entschied Vater Freytag zunächst, den Sohn noch ein weiteres Jahr durch Weber unterrichten zu lassen, wie dieser am 21. Juni seiner Braut Caroline mitteilte. Allerdings wurden diese Absprachen nicht umgesetzt; Carl Freytag kehrte nicht nochmal zu Weber nach Prag zurück.

Amalie Sebald (1812)
Amalie Sebald gehörte dem Berliner Freundeskreis Webers an und erhielt offenbar nur kurzzeitig kostenlosen Unterricht von Weber; im Tagebuch findet sich nur ein einziger eindeutiger Hinweis darauf (8. Juni 1812).

Caroline Schlick (1812)
Im Januar 1812 lernte Weber während seines ersten, nur kurzen Gotha-Aufenthalts das Musikerehepaar Schlick kennen. Wenige Tage nach dem ersten Treffen (17. Januar) sind erste Klavierlektionen der musikalisch gebildeten, vom Prinzen Friedrich von Sachsen-Gotha-Altenburg künstlerisch geförderten Tochter des Hauses, Caroline, in Webers Tagebuch vermerkt (22. bis 24. Januar). Caroline Schlick stand seit mindestens 1800, zunächst gemeinsam mit den Eltern, als Pianistin auf dem Konzertpodium, 1807 auch gemeinsam mit dem preußischen Hofkapellmeister Friedrich Heinrich Himmel, der ihr sein Klavierkonzert op. 25 und seine Walzer op. 30 für Klavier widmete. Nach ihrer zusätzlichen Gesangsausbildung wirkte sie auf der Gothaer Liebhaberbühne in der Steinmühle auch als Sängerin mit.

Bevor Carl Maria von Weber im September 1812 für längere Zeit nach Gotha zurückkehrte, hatte Prinz Friedrich die Schlicks beauftragt, den Gast auf seine Kosten zu versorgen. Weber suchte die Familie daraufhin regelmäßig zum Mittagessen auf; als kleine Wiedergutmachung führte er den Unterricht vom 10. September bis 25. Oktober sowie (nach einem Abstecher nach Weimar) vom 7. November bis 16. Dezember 1812 weiter, wie bereits im Januar kostenlos. Unter Webers Anleitung studierte die Schülerin u. a. dessen Klavierkonzert Nr. 1 ein, das sie nach Webers Tagebuchnotizen vom 18. und 24. November 1812 „recht brav“ spielte, was durchaus auf Anerkennung hindeutet. Ihre Unterrichtsfortschritte präsentierte sie nicht nur im privaten Rahmen, sondern auch öffentlich: So führte sie das genannte Klavierkonzert am 24. November in dem vom Geiger Fritz Bärwolf veranstalteten Konzert im Gothaer Mohrensaal mit großem Beifall auf11. Außerdem spielte sie am 1. Dezember in einer Abendmusik beim Prinzen Friedrich Webers erste Klaviersonate und war im Hofkonzert am 17. Dezember gemeinsam mit Weber an der Aufführung der Phantasie für Klavier zu acht Händen des Gothaer Herzogs August beteiligt.

Maria Pawlowna (1812)
Weber lernte die Zarentochter und sachsen-weimarische Erbgroßherzogin durch entsprechende Empfehlungen (u. a. vom Gothaer Herzog August12) im Januar 1812 in Weimar kennen. Er wurde von der „äußerst liebenswürdig[en]“ und künstlerisch gebildeten Großfürstin (vgl. Weber im Tagebuch am 29. Januar) sehr geschätzt und häufiger zum gemeinsamen Musizieren geladen, besonders im Herbst 1812 während Webers längerem Thüringen-Aufenthalt. Der Komponist widmete der Fürstin seine Klaviersonate Nr. 1, die dann Gegenstand eines offenbar nur kurz andauernden Unterrichts wurde; entsprechende Lektionen sind aus Webers Tagebuch am 30. Oktober und 4. November 1812 zu erschließen, aber auch weitere Besuche bei der Fürstin könnten dem gemeinsamen Einstudieren des Werks gegolten haben. Glaubt man Webers vielzitierten Bemerkungen im Brief vom 1. November 1812, waren die pianistischen Fähigkeiten der Schülerin der Sonate kaum angemessen, allerdings vermerkte Weber im Tagebuch am 4. November, die Fürstin habe die Sonate „recht brav“ gespielt.

Therese Brunetti (1813/14)
Mit der verheirateten, vier Jahr älteren Schauspielerin Therese Brunetti (d. ä.) hatte Weber zu Beginn seiner Prager Amtszeit als Musikdirektor des Ständetheaters eine wechselvolle Liaison. Ab 19. November 1813 erteilte er deren gleichnamiger Tochter Klavierunterricht, zunächst ohne Wissen der Mutter, um diese an ihrem 31. Geburtstag (25. Dezember 1813) mit einer musikalischen Darbietung der kleinen Resi zu überraschen. Auch danach wurde der Unterricht weitergeführt (selbstverständlich weiterhin ohne Honorar), und am 9. März 1814 beurteilte Weber die Leistungen seiner Schülerin laut Tagebuch bereits als „recht brav“. Am 19. März gaben Lehrer und Schülerin zur Vorfeier des Namenstags von deren Vater gemeinsam ein musikalisches Ständchen. Am 22. März notierte Weber im Tagebuch ein Geldgeschenk für die elfjährige Resi „weil sie sehr brav gelernt hatte“. Der Unterricht dauerte bis mindestens in den Mai 1814; danach gibt es durch die Überlieferungslücken in Webers Tagebuch keine Hinweise mehr; die endgültige Trennung Webers von der Mutter Brunetti und seine neue Beziehung zu Caroline Brandt legen allerdings nahe, dass der Unterricht der kleinen Therese Brunetti nach Webers Reise nach Liebwerda, Berlin und Thüringen (bis 25. September) keine Fortsetzung fand.

Gabriele von Swéerts-Sporck (1814–1816)
Der Unterricht, den Weber der Prager Gräfin Swéerts erteilte, ist mit größter Wahrscheinlichkeit auf Gabriela von Swéerts-Sporck, Tochter des Reichsgrafen Philipp Benitus Johann Swéerts-Sporck aus seiner zweiten Ehe mit Anna, geb. Bìšin, zu beziehen, nicht auf deren Stiefmutter, die dritte Ehefrau (nunmehr Witwe) des Grafen, Maria Aloisia, geb. von Pötting-Persing. In der Familie gab es mehrere musikalische Talente13. Für die jüngere Gräfin als Schülerin spricht nicht nur deren Alter, sondern auch der Umstand, dass Weber in Zusammenhang mit der Bezahlung am 31. Mai 1815 laut Tagebuch ein Portefeuille (wohl mit Stickereien?) von Gabriele von Swéerts bekam. Die im Tagebuch festgehaltenen Zahlungen sind aber wohl mit deren Stiefmutter (als finanzieller Sachwalterin der Stieftochter) in Verbindung zu bringen (Weber unterscheidet im Tagebuch am 31. Mai 1815 ausdrücklich zwischen „Gabrielle“ und „Gräfin Sweerts“14).

Durch den Verlust von Teilen der Tagebuchaufzeichnungen aus dem Jahr 1814 bleibt der Beginn des Unterrichts (wohl Ende Dezember 1814) im Dunkeln; am 2. Januar 1815 ist bereits die 3. Lektion festgehalten, die 61. am 27. Mai 1815. Ein zweiter Unterrichtszyklus mit 25, durch längere Pausen unterbrochenen Lektionen dauerte laut Tagebuch vom 18. Januar bis 7. Mai 1816 (nun notierte Weber im Tagebuch immer nur eine Zahl und den Namen, z. B. „1t [Lektion von] Swerts“). Hinweise auf Zahlungen für diese Unterrichtsstunden finden sich im Tagebuch am 28. März und 9. Mai 1816.

Julie Sophie von Lämel (1816)
Die Ehefrau des Bankiers Leopold von Lämel in Prag entstammte der Mannheim/Münchner Familie Seligmann, mit der Weber nachweislich seit 1811 in Kontakt stand, somit konnte er ihren Wunsch nach Lektionen kaum zurückweisen, auch wenn Weber zeitgleich mit Carl Freytag und Gabriele von Swéerts-Sporck bereits zwei Schüler hatte15 (zur Unterscheidung sind im Tagebuch alle Lektionen von Frau von Lämel mit einer Zahl und dem Namen vermerkt, z. B. „2t [Lektion von] Lämel“). Insgesamt protokollierte Weber im Tagebuch zwischen dem 16. Januar und 27. Mai 1816 22 Unterrichtsstunden; der Zyklus wurde durch längere Pausen unterbrochen. Häufiger als andere Schüler versetzte Frau von Lämel ihren Lehrer, so dass er „vergeblich“ in das Lämelsche Haus ging; in diesem Falle ließ sich Weber die ausgefallenen Stunden allerdings – anders als gewöhnlich – offenbar nicht bezahlen; immerhin speiste er des öfteren bei Lämels. Die Honorarzahlungen sind im Tagebuch am 28. März und 2. Juni 1816 festgehalten.

Fanny von Egloffstein (1819/20)
Die gräfliche Familie von Egloffstein aus Ostpreußen war gegen Ende des Jahres 1819 nach Dresden gezogen; am 5. Dezember 1819 sind die ersten Kontakte zu Weber in dessen Tagebuch bezeugt. Die Verbindung vermittelte offenbar Ernst Pastenacy, der Hauslehrer der Kinder des Grafen (s. o.)16; vor seiner Abreise aus Dresden notierte er seiner Schülerin Fanny von Egloffstein am 13. Dezember 1819 in deren Stammbuch:17

„Sie, meine theure Freundin, haben gleich mir, des Meisters Allgewalt empfunden, und werden sich eines längeren Einflußes desselben zu erfreuen haben. Brauchen Sie jeden Augenblik dieser unschätzbaren Zeit, um Ihr Talent an einer Künstler Sonne zu erwärmen, die Ihnen so mild und gütig scheint.“

Nachdem die Comtesse Egloffstein Weber am 7. Dezember erstmals vorgespielt hatte (seine Klaviersonate Nr. 1), ist am 31. Dezember 1819 ihre erste Lektion bezeugt; es folgten bis zum 5. Juni 1820 in dichter Folge weitere 85 Unterrichtseinheiten (Weber zählte im Tagebuch fälschlich insgesamt 84 Lektionen: zweimal, am 28. und 29. Januar, die 22. und zweimal, am 31. Mai sowie 1. Juni, die 83. Stunde), die trotz des Todes des Grafen Egloffstein Ende Januar 1820 keine nennenswerte Unterbrechung erfuhren. Erst die Verlobung der Schülerin mit Ernst von Mangoldt im Mai18 und die nachfolgende Abreise der Familie aus Dresden beendeten die Ausbildung. Während die Unterrichtseinheiten im Tagebuch anfangs überwiegend mit dem Namen Egloffstein (oder einer entsprechenden Abkürzung) festgehalten sind (zur Unterscheidung von den parallel dazu notierten Miksch-Lektionen, s. u.), wechselte Weber ab 28. Februar überwiegend zur neutralen Bezeichnung Lection/Lect. (die Zählung ist durchlaufend).

Weber, der auch privat mit der Familie verkehrte und die verwitwete Gräfin Caroline von Egloffstein in finanziellen Angelegenheiten unterstützte19, hatte – wie üblich – mit einer Vergütung von einem Golddukaten pro Lektion gerechnet, dies aber, wie aus seinem Brief vom 10. Juni 1820 hervorgeht, offenbar nie dezidiert ausgesprochen; daraufhin erhielt er zunächst anstelle der erhofften Zahlung laut Tagebuchnotiz vom 6. Juni 1820 „ein Porzell: KaffeeServiçe!!!!!“ Erst nach Webers erwähntem Schreiben vom 10. Juni überwies die Gräfin noch am selben Tag 46 Friedrich d’or und 3 Dukaten, wie ebenso dem Tagebuch zu entnehmen.

Im Sommer 1820 verließen die Egloffsteins Dresden: Carl Maria und Caroline von Weber trugen sich am 11. bzw. 9. Juni in Fannys Stammbuch ein20; am 25. Juli, dem Tag des Aufbruchs Webers zur Reise durch Norddeutschland und nach Kopenhagen vermerkte Weber in seinem Tagebuch ein letztes Treffen. Webers Abschiedsgeschenk für seine Schülerin war eine Abschrift seiner Aufforderung zum Tanze, die er am 11. Juni 1820 „Seiner lieben, fleißigen und talentvollen Schülerin, Comtesse Fanny v. Egloffstein“ widmete (diese Widmung bezog sich ausschließlich auf die Abschrift; das Werk selbst widmete Weber seiner Frau).

Johann Aloys Miksch (1820)
Die in Webers Tagebuch 1820 notierten Miksch-Lektionen bleiben rätselhaft. Miksch gehörte zu den gefragtesten Gesangslehrern Dresdens; bei ihm nahm auch Caroline von Weber vom 2. Juli bis 28. September 1819 insgesamt 33 Unterrichtsstunden. Zum Dank dafür kaufte Weber laut Tagebuch am 14. Dezember einen „Schlafpelz mit Levantine für Miksch“, den dieser am 24. Dezember als Weihnachtsgeschenk erhielt. 1820 sind dann vom 15. Januar (bereits Lektion 3; zuvor aber keine Hinweise) bis 26. Februar sowie am 21. März nochmals Miksch-Lektionen notiert. In diesen Fällen wird allerdings nirgends Caroline von Weber erwähnt, vielmehr deutet der zweimalige Tagebucheintrag „vergeblich“ am 1. und 14. Februar eher darauf hin, dass Weber zu Miksch gegangen war, um diesen zu unterrichten. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist in diesem Fall keine gesicherte Aussage möglich, ob Weber tatsächlich Lehrer war oder er (bzw. seine Frau) Schüler, denn Tagebuchnotizen über Zahlungsein- bzw. -ausgänge (also Honorareinnahmen oder -zahlungen für den Unterricht) als sichere Indizien fehlen hier.

Sollte der 54jährige Miksch tatsächlich beim 33jährigen Weber Unterricht genommen haben, dann bleibt fraglich, zu welchem Zweck. Könnten die Studien mit seinem 1820 übernommenen Posten als Chordirektor des Dresdner Hoftheaters in Verbindung stehen? Bis Juni 1820 hatte noch Joseph Emil Metzner dieses Amt, Miksch erhielt es erst im Dezember 1820, freilich ist unklar, wie lang der Planungsvorlauf für die Stellenneubesetzung war.

Julius Benedict (1821–1824)
Webers bedeutendster Schüler war ohne Frage Julius Benedict21. Der hatte seine musikalische Ausbildung in Stuttgart bei Abeille begonnen und soll bereits vierzehnjährig (ca. 1819) als Pianist öffentlich aufgetreten sein; es folgten 1820/21 sechs Monate Unterricht bei Hummel in Weimar und schließlich – angeblich dank einer Empfehlung durch den Weimarer Regierungsrat Gerstenbergk – mehrjährige Studien bei Weber22, beginnend zwei Tage nach Benedicts Ankunft in Dresden (5. März) am 7. März 1821. Zum vorherigen Stand der Ausbildung des Schülers äußerte sich Weber nicht rundum begeistert; im Brief an den Vater Moritz Benedict schrieb er am 11. April 1823, Benedict sei „als Klavierspieler, in den ersten Grundzügen vernachläßigt“ und werde wohl nie die Perfektion erreichen, die Weber „von einem solchen verlange“.

Weber garantierte dem Schüler zwölf Unterrichtsstunden im Monat (wie üblich à 1 Dukaten), überschritt die verabredete Stundenanzahl allerdings regelmäßig, ohne dafür ein höheres Honorar einzufordern (im Oktober 1821 erhielt Benedict mit 25 Lektionen mehr als die doppelte Anzahl trotz identischer Bezahlung).

Nachdem am 29. April 1821 das Monatshonorar für den April bezahlt war, pausierten die Lektionen zunächst während der Berlin-Reise der Webers (2. Mai bis 1. Juli), auch wenn Benedict seinem Lehrer in die preußische Hauptstadt nachreiste (vgl. u. a. seinen Bericht an Max Maria von Weber vom 8. August 1861 sowie die Briefe vom 9. und 19. Juni 1821 an Moritz Hauptmann)23. Ab dem 5. Juli wurde der Unterricht in Dresden fortgesetzt, zunächst bis zum 29. Juli, dann ab 6. August mit neuer, nicht mehr durchlaufender, sondern monatlicher Zählung der Unterrichtsstunden (ab Oktober 1821 wechselte Weber im Tagebuch, da er nun mit Agnese Zeis zeitgleich eine weitere Schülerin hatte, von der neutralen Bezeichnung als „Lection“ zur namentlichen Notierung). Das Honorar wurde jeweils gegen Monatsende gezahlt; außerdem erhielt Weber von den Eltern Benedicts großzügige Geschenke, beispielsweise zu Weihnachten 1821 einen brillantbesetzten Smaragdring und im Februar 1824 eine Lorgnette mit Smaragd-Besatz.

Nach Ablauf eines knappen Jahres wurde Benedicts Unterricht aufgrund von Webers Wien-Reise erneut unterbrochen, diesmal für ein Vierteljahr (9. Februar bis 5. Mai 1822); der Schüler reiste in dieser Zeit zu seiner Familie nach Stuttgart24 (Rückkehr nach Dresden am 3. Mai). Vor seiner Abreise überreichte Benedict seinem Lehrer am 7. Februar als Geschenk das Manuskript eines eigenen Klavierkonzerts mit der Widmung: „seinem innig geliebten und verehrten Meister Herrn Carl Maria von Weber zugeeignet“25. Weber seinerseits berichtete dem Vater im Brief vom 10. Februar mit großer Freude über die Unterrichtsfortschritte. In diesem Brief betonte Weber zudem, er habe dem Schüler „jetzt schon Arbeiten erlaubt, die er eigentlich noch nicht hätte machen sollen“, d. h. anders als sein eigener Lehrer Vogler 1803/04 in Wien ermutigte er den jungen Julius Benedict zum Komponieren. Dessen Briefe an den Verleger Peters in Leipzig, vor allem jene vom 8. September 1823 und 5. Juni 1824, gewähren einen Einblick in das umfangreiche Schaffen dieser Jahre, auch wenn Benedict nicht exklusiv in diesem Verlag publizierte26.

Ab dem 6. Mai 1822 fanden die Lektionen im üblichen Rhythmus ihre Fortsetzung; wenig später, Mitte des Monats, quartierte sich die Familie von Weber in Felsners Hosterwitzer Winzerhaus ein, wo in jenem Sommer auch Benedict in Kost und Logis wohnte. Erstmals finden sich zu Ende des Monats in Webers Tagebuch Notizen zu Kostgeld und Ausgaben für Wein, die Benedict beglich; danach erscheinen im Juni und Juli nur noch Verrechnungen zum Weinkonsum (erstaunlicherweise fehlt im Juni im Tagebuch die Bestätigung der Honorarzahlung, obwohl sie in der Endabrechnung enthalten ist). Ende September zogen die Webers dann in ihre neue Dresdner Wohnung in der Galeriestraße; Benedict bezog wieder ein eigenes Quartier. Ab Mai 1823 fand der Unterricht erneut in Hosterwitz statt, ohne dass es sichere Indizien gäbe, dass Benedict erneut beim Ehepaar Weber gewohnt hätte. 1823 trat Benedict mehrfach in Konzerten in Dresden (1. Januar, 4. April) und Leipzig (23. März, 6. Dezember) als Interpret von Webers Klavierkonzert Nr. 1 bzw. dessen Konzertstück für Klavier in Erscheinung.

Einen letzten Einschnitt in den Unterricht bedeutete Webers Reise nach Wien zur Uraufführung der Euryanthe; die letzte Stunde Benedicts zuvor fand am 13. September 1823 statt. Danach wurden die Lektionen ausgesetzt, obgleich der Schüler seinen Lehrer nach Wien begleitete (vgl. u. a. Benedicts Briefe aus Wien sowie seine Mitteilungen an Max Maria von Weber vom 23. März 1861). Erst am 25. November ‒ zwei Wochen nach Weber ‒ kehrte Benedict nach Dresden zurück; anschließend an einen Leipzig-Aufenthalt des Schülers wurde der Unterricht am 11. Dezember wiederaufgenommen (das Fehlen der Honorar-Eintragungen für Februar und März 1824 im Tagebuch beruht wiederum auf einem Versehen Webers; in der Endabrechnung sind die Honorareingänge verzeichnet).

Am 24. Juni 1824 erhielt Benedict seine letzte Unterrichtsstunde bei Weber. Wie aus dem Brief Webers an den Vater Moritz Benedict vom 22. Juni 1824 (samt Zeugnis und detaillierter Honorar-Abrechnung) hervorgeht, war dieser Termin „schon vor langer Zeit“ besprochen worden, obwohl dem Schüler an einer Fortsetzung des Unterrichts gelegen war. Über den Grund für die Beendigung kann man nur spekulieren, dazu mag beigetragen haben, dass Weber, der seine Unterrichtsverpflichtungen äußerst gewissenhaft erfüllte, zunehmend über die Unzuverlässigkeit seines Schülers verärgert war (vgl. u. a. die Tagebuchnotizen vom 16. Juni 1824). In seinem Abschiedsbrief für den Schüler vom 22. Juni sparte er diesbezüglich nicht mit Kritik, was den jungen Benedict zutiefst verletzte (vgl. die Nachschrift zu seinem Brief an F. W. Jähns vom 15. April 1870). Der Brief an Vater Benedict vom 22. Juni 1824 lautete positiver, aber auch hier resümierte Weber, Julius habe „Vieles gelernt: wenn auch nicht gerade das, und so wie ich es wünsche“. Anders in dem Empfehlungsschreiben für den Schüler an Ignaz Franz von Mosel in Wien vom 3. September, in welchem er seinem Schüler ein „Nicht gewöhnliches Talent, literarische Bildung überhaupt und [einen] lebendige[n] Drang etwas zu leisten“ attestierte. Tatsächlich wurde die kurzzeitige Wiener Anstellung Benedicts zu seinem „Sprungbrett“ nach Neapel; seine Lebensstellung fand der Musiker dann allerdings erst ab 1835 in London.

Agnese Zeis (1821–1823)
Parallel zu Julius Benedict unterrichtete Weber ab dem 2. Oktober 1821 die Tochter des Regierungs-Registrators Gotthelf Zeis, die gemeinsam mit ihrer Mutter in Dresden lebte. Für acht Lektionen monatlich waren acht Gulden Honorar vereinbart, anfangs sind im Tagebuch jedoch oftmals ohne zusätzliche Vergütung neun Unterrichtsstunden pro Monat festgehalten. Zur Unterscheidung der jeweiligen Schüler hielt Weber im Tagebuch die Lektionen ab Oktober 1821 namentlich fest (z. B. „2t [Lektion von] Zeis“). Im Februar 1822 erhielt die Schülerin bis zu Webers Abreise nach Wien nur zwei Lektionen (1. und 8. Februar). Wiederaufgenommen wurde der Unterricht am 1. April 1822, nun allerdings mit allmählich größer werdenden zeitlichen Abständen (teils auch längeren Pausen, beispielsweise zwischen der Lektion am 13. August und der folgenden am 14. Oktober); das Honorar wurde nun nicht mehr monatlich beglichen, sondern üblicherweise nach einem Zyklus von acht Unterrichtsstunden (Ausnahme: die letzten beiden Zyklen mit 12 bzw. 4 Lektionen). Grund für die unregelmäßigen Intervalle war zunächst offenbar der Umstand, dass Weber nach dem Umzug ins Hosterwitzer Sommerquartier (Mai 1822) bis in den Herbst nur noch sporadisch nach Dresden kam (das gilt ebenso für die Zeit ab Mai 1823); zwischen Mitte August und Mitte Oktober 1822 verhinderte dann möglicherweise eine längere Abwesenheit (oder Krankheit?) der Schülerin den Fortgang der Lektionen. Im Juni 1823 beschränkte sich Weber, mit der Vollendung seiner neuen Oper Euryanthe vollauf beschäftigt, ausschließlich auf Benedicts Unterricht; im Juli/August des Jahres sind noch einige wenige Zeis-Lektionen festgehalten, die letzte am 16. August 1823 (die letzte Zahlung am 25. August).

In späteren Jahren trat Agnese Zeis (nun als verheiratete A. Levasseur) vor allem in Paris als Musikerin in Erscheinung. 1844/45 publizierte sie eine Artikelserie über Weber in der Zeitschrift La France musicale, der sie voranstellte: „Ayant ou pendant deux ans le bonheur d’être son élève, je pense que mes souvenirs peuvent avoir au moins le mérite de la vérité“27.

Gräfin Borosdin (1822)
Über die Identität dieser Schülerin Webers, deren Namen Weber im Tagebuch in verschiedenen Varianten festhielt und die sich nur besuchsweise in Dresden aufhielt, fehlen bislang gesicherte Erkenntnisse. Bereits beim ersten Treffen am 19. August 1822 entschloss sich Weber laut Tagebuch, ihr „Unterricht zu geben“. Die Lektionen begannen am 23. August. Vereinbart waren insgesamt 30 Sunden, die am 9. Oktober im Tagebuch abgerechnet wurden (mit 36 Dukaten, also etwas mehr als dem üblichen Stundensatz von 1 Dukaten). Am 24. Oktober ist im Tagebuch die 38. und letzte Stunde notiert; die Schülerin bedankte sich am selben Tag mit einem zusätzlichen Geschenk: einer „NachtUhr in bronce“. Am 25. Oktober verließ die Familie Dresden wieder.

Barham Livius (1822/23)
Der britische Künstler besuchte Dresden im Winter 1822/23. Vermutlich mit einer Empfehlung von Louis Spohr suchte er am 24. November 1822 erstmals Weber auf, der sich von Livius wichtige Verbindungen bezüglich der Verbreitung seiner Kompositionen in England versprach. Livius vermittelte zudem den Kontakt zwischen Washington Irving und Weber. Vom 5. Dezember 1822 bis 14. April 1823 vermerkte Weber insgesamt sechs Lektionen im Tagebuch, die er Livius offenbar gratis erteilte, jedenfalls fehlen Hinweise auf gezahlte Honorare.

Auguste von Einsiedel (1824/25)
Die Tochter seines Vorgesetzten, des Ministers Detlev von Einsiedel, war vom 8. Oktober 1824 bis 7. April 1825 Webers Schülerin. Insgesamt waren wohl 30 Lektionen vereinbart worden (im Tagebuch notiert sind 32), für die Weber am 8. April 1825 ein Honorar von 30 Dukaten erhielt.

Prinzessin Amalie von Sachsen (1824–1826)
Die Prinzessin hatte bereits Unterweisungen im Klavierspiel, Gesang und Musiktheorie u. a. bei Schuster, Rastrelli, Miksch, Woytissek und F. A. Schubert erhalten, bevor sie sich 1824 zur Fortsetzung ihrer Studien an Weber wandte28. Der hatte sich mehrfach sehr positiv über ihre Kompositionen geäußert (vgl. die Tagebuchnotizen vom 23. Dezember 1821 und 2. August 1823) und am 4. April 1824 ihr Stabat mater im Hofkonzert dirigiertT (ihre Litania lauretana und ihr Regina coeli waren ihm aus der Hofkirche vertraut).

Während des letzten Aufenthalts der Webers in Hosterwitz 1824 fanden die ersten sieben Lektionen der Prinzessin statt (Juni sowie September 1824), eine achte am 28. September, unmittelbar nach Webers Rückkehr nach Dresden. Die Unterweisungen dauerten jeweils zwei bis zweieinhalb Stunden – weit länger als eine übliche Unterrichtseinheit. Da der Hof im Sommer in Pillnitz residierte, hatte Weber meist einen recht kurzen Weg zu den Stunden; anders im Folgejahr, als die Webers ihr Sommerquartier im Coselschen Garten bezogen hattenT, allerdings beschränkten sich die Lektionen in diesem Sommer auf den 21. und 28. Juni, weitere folgten im Herbst/Winter in Dresden (am 14., 20. und 26. Oktober sowie 28. November 1825, am 24. Januar und 10. Februar 1826), nun bis zu drei Stunden lang. Die Lektionen könnten unter Umständen die neueste Oper der Prinzessin zum Gegenstand gehabt haben: La Fedeltà alla prova (interessanterweise ein Oberon-Sujet), deren Uraufführung Weber am 20. Januar 1826 dirigierteT. Als Gegengaben für seine Bemühungen erhielt Weber 1824 eine brillantbesetzte „Busennadel“, zu Weihnachten 1825 eine silberne Kaffeekanne samt Fruchtkorb.

Endnotes

  1. 1Vgl. Webers Brief an Johann Gänsbacher vom 5. März 1814.
  2. 2Vgl. MMW, Bd. 1, S. 106.
  3. 3Vgl. Weberiana 13 (2003), S. 41.
  4. 4Vgl. Veit in Weber-Studien Bd. 9, S. 121f.
  5. 5Vgl. dazu auch Weberiana 21 (2011), S. 228–236.
  6. 6Zwei Blätter (3 beschr. S.) in D-B, Weberiana Cl. I, 28.
  7. 7Vier Seiten (1821) mit Bleistiftkorrekturen Webers; zuletzt 1964 bei Stargardt, Kat. 570 (Auktion 24./25. November), Nr. 789a.
  8. 8Vgl. Bartlitz/Ziegler, Benedict, S. 138f.; zu Webers eigenem Unterricht vgl. ausführlich Veit 1990.
  9. 9Kate Field, Benedict, S. 480.
  10. 10Als Ausnahme notierte Weber am 12. September 1822 ausdrücklich, die Gräfin Borosdin wäre in das Sommerquartier der Webers in Hosterwitz „heraus“ gekommen.
  11. 11Vgl. die Konzertankündigung und Webers Tagebuchnotiz.
  12. 12Vgl. Webers Brief vom 28. Januar 1812 an Johann Gänsbacher.
  13. 13Vgl. u. a. Gottfried Johann Dlabacž, Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen und zum Theil auch für Mähren und Schlesien, Prag 1815, Bd. 3, Sp. 244.
  14. 14Der am selben Tag vermerkte „Unterricht“ galt allerdings Carl Freytag (zur Unterscheidung zwischen „Unterricht“ und „Lection“ siehe dort).
  15. 15Webers Darstellung im Brief vom 20. Januar 1816 an Johann Gänsbacher, er habe „nun täglich beynahe 3 Lectionen“ zu geben, ist im Vergleich mit seinen diesbezüglichen Tagebuchnotizen übertrieben; richtig ist freilich, dass die Häufung seiner Unterrichtsverpflichtungen neben seinem Hauptberuf als Musikdirektor eine große Zusatzbelastung bedeutete.
  16. 16Vgl. dazu auch Weberiana 19 (2009), S. 249–252.
  17. 17Stammbuch Fanny von Egloffstein / von Mangoldt im Stadtarchiv Dresden, Hs. 8. 1928. 1067, Bl. 61v.
  18. 18Im Tagebuch vermerkte Weber am 26. Mai zur 79. Lektion erstmalig „Comt: Fanny als Braut“.
  19. 19Vgl. die Abrechnung in Webers Tagebuch am 12. Februar 1820 sowie die Rechnung im Entwurf.
  20. 20Stammbuch (wie Anm. 17), Bl. 27r und 28r; ab 16. August 1820 (Bl. 41r) finden sich Hinweise auf einen Aufenthalt in Berlin bei der verwandten Familie L’Estocq.
  21. 21Vgl. ausführlich Bartlitz/Ziegler, Benedict, S. 125–190.
  22. 22Zur Vermittlung durch Gerstenbergk vgl. Benedict, Weber, S. 61. Möglicherweise war jenes Schreiben Gerstenbergks, dessen Empfang Weber am 2. Februar 1821 im Tagebuch festhielt, der Empfehlungsbrief.
  23. 23Weitere, in Details abweichende Veröffentlichungen der Berlin-Erinnerungen Benedicts finden sich bei Kate Field, Benedict, S. 480–484 (speziell S. 481f.) sowie bei Benedict, Weber, S. 86–88.
  24. 24In einem dortigen Konzert am 26. März 1822 spielte Benedict Webers Klavierkonzert Nr. 1.
  25. 25Vgl. Musiker-Autographen, Musikantiquariat Hans Schneider, Tutzing, Katalog Nr. 136 (1968), S. 41, Nr. 44, S. 41 (Solostimme mit eingetragenen Tutti-Partien).
  26. 26In der von Justus Johann Friedrich Dotzauer bei F. W. Goedsche in Meißen herausgegebenen Sammlung Amphion, Jg. 1 „auf das Jahr 1825“ (also 1824 erschienen), S. 13–17 veröffentlichte Benedict ein Scherzo für Klavier. Zudem ist aus diesen Jahren Korrespondenz mit mindestens einem weiteren Verleger nachweisbar.
  27. 27Vgl. A. Zeis, Biographie de C.-M. De Weber, darin Jg. 7, Nr. 48 (1. Dezember 1844), S. 345. Inhaltlich beschränken sich die Artikel allerdings weitgehend auf die Wiedergabe französischer Übersetzungen von Originaltexten Webers nach der Schriftenausgabe von 1828.
  28. 28Vgl. dazu ausführlicher Moritz Fürstenau, Die musikalischen Beschäftigungen der Prinzessin Amalie, Herzogin von Sachsen, Dresden 1874 sowie Katharina Hofmann in Weberiana 10 (2000). Fürstenaus Angaben basieren auf einer brieflichen Mitteilung von F. W. Jähns vom 25. Oktober 1872, in welcher die Tagebuchpassagen Webers zum Unterricht der Prinzessin allerdings nur unvollständig wiedergegeben sind; vgl. Weber-Studien, Bd. 3, S. 132

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